03.
02.
2018
NLA Männer | Autor: "Berner Zeitung"

Der neue Antrieb

Die Hofbauer-Brüder haben das Unihockey seit der Jahrtausendwende geprägt. Nun tritt Christoph Hofbauer (34) wegen Kniebeschwerden zurück. Das geht dem neunfachen Meister zwar gegen den Strich, doch er streicht das Positive heraus.

Der neue Antrieb Christoph Hofbauer hat für die Schweiz an sieben Weltmeisterschaften teilgenommen. (Bild: Raphael Studer)

Wenn er zur Mannschaft sprach, war er nie um Worte verlegen. Er, Christoph Hofbauer, 1994 als C-Junior zum SV Wiler-Ersigen gestossen, später zum Motivator und Führungsspieler im Fanionteam avanciert, zu einem, der die Kunst beherrschte, Leidenschaft und Energie auf andere zu übertragen. Am 18. Januar aber verschlägt es ihm bereits nach 2 Sekunden die Sprache, als er vor dem Team steht. Der 34 Jahre alte Bätterkinder setzt bei der Theoriesitzung seiner Kollegen den Rücktritt in die Praxis um. «Den Jungs zu sagen, dass ich nie mehr spielen werde: Das war etwas vom Schwierigsten», sagt Hofbauer.

Seine letzte Unihockeypartie bestritt er im Dezember 2016 an der WM. Fortan hielt ihn ein Knorpelschaden im rechten Knie von seiner Passion fern. Er liess sich im Mai 2017 operieren, hoffte auf Besserung, «weil ich mir einen sauberen Abschluss wünschte». Diesen machte Anfang Januar der ärztliche Befund nach einer MRI-Untersuchung definitiv zunichte. Der Zustand des Knies hat sich verschlechtert, eine neuerliche Operation könnte notwendig sein. «Da wusste ich: Der Entscheid ist eindeutig.»

Hofbauer sitzt in seiner Wohnung in Kirchberg am Küchentisch. Vor wenigen Jahren lebten er und sein Bruder Matthias hier eine Weile zusammen. An Briefkasten und Klingel steht noch immer: Christoph Hofbauer/Matthias Hotbauer. So verhält sich das auch im Unihockey: Die Hofbauers werden auf dem Feld nicht mehr vereint sein, aber so richtig wahrhaben wollen sie das wohl noch nicht. «Es tut weh», sagt Christoph. «Er fehlt mir extrem als Spieler und als Persönlichkeit», sagt Matthias.

Pass Matthias, Tor Christoph
Die Hofbauer-Brüder haben das helvetische Unihockey seit der Jahrtausendwende geprägt. Hier der überragende Spielmacher, da der zuverlässige Vollstrecker. Spätestens an der Heim-WM 2004 rückten sie beim Erfolg der Schweizer im vollen Schluefweg über Finnland in den Fokus der Öffentlichkeit: 16 Sekunden vor Schluss erzielte Christoph den Siegtreffer - natürlich auf Pass von Matthias. Dieser teilte nach dem Spiel mit der Mittellandzeitung seine Gedanken vor dem entscheidenden Zuspiel: «Ich blickte rüber und dachte: Nein, jetzt steht diese Flasche dort.» Christoph Hofbauer schmunzelt, vor sich eine Tasse Tee. «Ich hoffe, ich konnte diesen Eindruck im Verlauf der Jahre korrigieren.» Matthias sagt: «Wenn gegen Ende ein Tor gefehlt hat, hast du nur einen gesucht: Chrischi. Über alle die Jahre habe ich selbst auf internationalem Level keinen besseren Direktschützen gesehen.» Pass Matthias, Tor Christoph eingebrannt ins Gedächtnis.

Dabei galt und gilt: lieber miteinander statt gegeneinander. Es gibt Erinnerungen an zerrissenes Monopoly-Geld, an fliegende Tischtennisschläger, an einen Zusammenzug der Nationalmannschaft in Näfels, als die «Höfis» für einmal nicht in derselben Linie agierten, und Christophs Ellbogen beim ersten Rencontre prompt im Gesicht des Bruders landete. Die Trainer brachen das Experiment vor der Eskalation ab. Christoph sagt: «Miteinander war immer gesünder.»

Das Kompliment des Bruders
Christoph Hofbauers Bilanz ist eindrücklich: sieben WM-Teilnahmen, 128 Länderspiele und 154 Punkte für die Schweiz; neun Meistertitel, 405 Spiele und 630 (!) Punkte für Wiler-Ersigen. Der zwei Jahre ältere Bruder Matthias ergänzt die harten mit weichen Faktoren: «Chrischi stand oft in meinem Schatten. Aber er war bereits als Junior der Spieler mit allen Meistertiteln - und er zog sein Ding durch. Er ging mit seinem Optimismus voran, war der Reisser, dachte immer ans Wohl der Mitspieler. Sein Rücktritt ist ein riesiger Verlust.»

Christoph Hofbauer nennt als Höhepunkte die Heim-WM 2004. den Gewinn des Triples Meisterschaft/Cup/ Europacup 2005 sowie den Sieg im ersten Superfinal 2015 in Klotem «Die Titel sind das eine. Aber angetrieben hat mich immer die Vorstellung, mit den Mitspielern etwas erreichen zu können.» Müsste er nach dem Tolggen im Reinheft suchen, er fände das frühe Playoff-Aus scheiden mit Dalen beim zweijährigen Gastspiel in Schweden. Zudem blieb ihm die Teilnahme an einem WM-Final verwehrt. «Aber die positiven Momente überwiegen bei weitem. Ich bin extrem zufrieden mit meiner Karriere.»

Die neue Rolle im Fernsehen
Für das Foto führt die Fahrt mit dem Bike auf den Höchfeldweg über Kirchberg. Hinter Hofbauer faltet sich unter der Sonne das Panorama auf, am Horizont zieht der Jura den Strich. Passend zum Wetter sind Hofbauers Gedanken. Er wäre kein Optimist, würde er dem Rücktritt nicht eine schöne Perspektive gegenüberstellen. «Die Freizeit war vorwiegend vom Unihockey bestimmt. Nun freue ich mich auf mehr Freiheit.» Darunter versteht der Mediamatiker zum Beispiel: Aufs Bike steigen, drauflosfahren, die Landschaft erkunden. «Die Natur gibt mir viel.»

Der Blick schweift in die Ausläufer des unteren Emmentals. Die Grossmatthalle, Heimstätte Wiler-Ersigens, ist nah und doch ein gutes Stück entfernt. Das passt. Denn ganz weg zu sein vom Unihockey, das dürfte für Hofbauer schwierig werden - schon nur aus privaten Gründen. Bruder Matthias und Freundin Seraina Ulber sind auf höchster Stufe aktiv. Und Hofbauer sagt: «Ich brauche eine gewisse Nähe zum Mannschaftssport. Allein auf dem Bike zu sitzen, das wird mich nicht ausfüllen.»

Wie sollte das einem genügen, der bereits als Fünfjähriger im Zälgliquartier in B ätterkinden bei den Türen Sturm läutete, um die Buben zum Hockeyspielen herauszuholen. Das ihm einverleibte Mass an Emotionen wird er nach dem Rücktritt anderweitig ausleben. «Das Feuer brennt noch immer», sagt Hofbauer. Er wird es zumindest bei seiner neuen Tätigkeit zu zähmen wissen: Ab Ende Februar steht der Berner für SRF bei den Liveübertragungen der Playoffs und des Cupfinals als CoKommentator im Einsatz.

Quelle: "Berner Zeitung", von Reto Kirchofer

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