04.
2013
Die Nummer 41 tritt ab
Torhüter Daniel Streit beendet seine Karriere. Ein Rück- und Ausblick mit dem Torhüter von Wiler-Ersigen und der Nationalmannschaft.
Den Entscheid fasste er nach Weihnachten. Daniel Streit spürte, dass die Luft draussen war. Sein Klub, Wiler-Ersigen, hat den Rücktritt bis heute nicht offiziell kommuniziert. «Vielleicht hofft man, dass ich mir es nochmals anders überlege.» Streit winkt ab. «Jetzt ist es definitiv», versichert er. Vor eineinhalb Jahren zog der 32-Jährige schon einmal einen Schlussstrich. Damals liess er sich umstimmen. «Die Weltmeisterschaften im eigenen Land lockten.» Daniel Streit streifte das Tenü mit der Nummer 41 nochmals über.
Endlich mehr Zeit für die Familie
Die Bilanz seines Rücktritts vom Rücktritt kann sich sehen lassen: Streit wurde mit Wiler-Ersigen 2012 nochmals Meister. Im März holte sich die Mannschaft den zweiten Cupsieg in der Vereinsgeschichte. Es war ein würdiger Abschluss unter eine Saison, die von Nebengeräuschen begleitet war (siehe auch Box). Wiler-Ersigen verlor den Nimbus der Unbezwingbaren. In den Playoffs war bereits im Viertelfinal Endstation. In Rychenberg Winterthur fanden Streit und seine Teamkollegen ihren Meister.
Fünfzehn Jahre prägte der bullige Schlussmann mit dem feinen Humor das Unihockey. National und international. 36-mal hütete Streit das Tor der Nationalmannschaft. Neun Jahre stand er bei Wiler-Ersigen zwischen den Pfosten. «Irgendwann ist es Zeit, aufzuhören», sagt Familienmensch Streit. Seine Frau Katja und sein dreijähriger Sohn Lauri hätten oft ohne Ehemann bzw. Vater auskommen müssen. «Das wird sich nun ändern. Am Abend endlich einmal keine Verpflichtungen haben, das geniesse ich. Bis jetzt jedenfalls.» Ehefrau Katja habe ihm geraten, in absehbarer Zeit ein neues Hobby zu suchen, lacht Streit. Sie weiss, wovon sie spricht. «Wenn ich zu lange nichts tue, werde ich ungeniessbar.»
Streit wird bei Wiler-Ersigen eine Lücke hinterlassen. Nicht nur auf dem Feld. Mit seiner umgänglichen, gewinnenden Art war er die Seele des Teams. «Um die Mannschaft mache ich mir keine Sorgen. Sie wird auch in Zukunft zu jenen Teams gehören, die es zu schlagen gilt», ist der Projekt- und Verkaufsleiter in einer Elektrotechnikfirma überzeugt. «Der Meistertitel der U18-Equipe am Wochenende hat aufgezeigt, dass genügend Talente nachkommen.»
Verschnaufpause mit Reisen
Ob er im Organigramm des Vereins eine Aufgabe übernehmen wird, ist momentan offen. Goalietrainer wäre naheliegend. «Denkbar wäre es», gibt er sich sibyllinisch. Zunächst gönnt er sich vom Unihockey aber eine Verschnaufpause. Eine Einladung an den Playoff-Final zwischen Malans und Köniz schlug er aus. In der neu gewonnenen Freizeit will er Interessen pflegen, die zuletzt zu kurz gekommen sind. Zum Beispiel Reisen. Konkret Städtereisen. Ein Abstecher nach München wäre bei Daniel Streit längst wieder einmal fällig. Der Anlass dazu wäre gegeben. Der bekennende Bayern-Fan könnte auf die Meisterschaft anstossen, etwas, das ihm mit Wiler-Ersigen in seiner letzten Saison verwehrt blieb.
Tops und Flops in der Karriere von Daniel Streit
Top 1 «Der Playoff-Final 2009 gegen Tigers Langnau, als wir im entscheidenden fünften Spiel vor fast 2500 Zuschauern Schweizer Meister wurden.»
Top 2 «Der Sieg im Europacup 2005 war die Krönung in einer Saison mit Meistertitel und Cupsieg.»
Top 3 «Die WM im eigenen Land im vergangenen Jahr war ein Höhepunkt und ein würdiger Abschluss.»
Flop 1 «Die letzte Saison mit dem frühen Aus in den Playoffs und dem Europacup. Eine Spielzeit mit vielen Hochs und Tiefs.»
Flop 2 «Die Finalserie 2006 gegen Alligator Malans, als wir im entscheidenden Spiel in Zuchwil verloren.»
Flop 3 Die Niederlage im WM-Halbfinal gegen Finnland. Das Gegentor in der Verlängerung war ärgerlich. Es wurde mir als Fehler angekreidet. Ich sah das anders.»
Zeitungsbericht "Solothurner Zeitung/MLZ" von Daniel Weissenbrunner