10.
2008
Finnische Lektion zum Auftakt
Die Schweizer Feldspieler hatten sich bereits zur Verabschiedung aufgestellt, da kauerte Torhüter Roger Tönz noch einen langen Moment am Boden. Zehn Tore hatte er eben eingeschenkt bekommen und vermutlich haben diese ihn endgültig den Nummer 1 Status im Schweizer Tor an der Weltmeisterschaft in Tschechien gekostet. Besonders bitter für Tönz: An den zehn Toren hatte er vielleicht bei einem oder zweien eine Teilschuld, bei den restlichen war er machtlos oder wie seine Vorderleute staunender Zuschauer.
Der Richter und sein Henker
Staunen durften die Schweizer vor allem ab der nominell zweiten finnischen Linie mit Esa Jussila (Josba, Fi), Ricky Hyvärinen (Caperio/Täby, Sd) und Santtu Manner (SSV, Fi). Der wiedergenese Jussila und der enorm abschlussstarke Hyvärinen (4 Tore) liessen dabei die Schweizer Abwehrspieler wie Schulbuben aussehen, so einfach kombinierten sie sich durch die rot-weissen Reihen. Daneben sorgten die Gebrüder Kohonen in der ersten und die Zaubermäuse Kukkola und Kapanen in der dritten Formation für viel Wirbel vor dem Schweizer Tor. Für Lassi Vänttinen - immerhin am Europacup in Winterthur noch im Allstarteam - blieb da kein Platz mehr. Ab dem zweiten Drittel sah er das Spiel von der Bank aus.
Schweizer Statistenrolle
Und die Schweizer? Denen blieb nur die Rolle der Statisten. Im ersten Drittel (2:0 für Finnland) hielten sie zwar noch gut mit und auch nach dem 5:0 in der 35. Minute steckten sie nicht auf. Bis auf zwei Treffer kamen sie nach Toren von Markus Gerber (36.), Andreas Cadisch (42.) und Simon Stucki (43.) heran, doch gerade dann zeigte sich die Klasse Finnlands. 38 Sekunden nach Stuckis Treffer hiess es bereits wieder 7:3, bis zur 50. Minute fielen noch zwei weitere Tore. Die besten Momente hatte die nominell dritte Linie mit Cadisch, Stucki und Emanuel Antener, welche am meisten Druck aufs finnische Tor erzeugen konnte. Die beiden anderen Linien mit den Centern Roger Gerber und Matthias Hofbauer blieben dagegen blass. Die erste Formation rund um Dalen-Captain Hofbauer sass zu Beginn des letzten Drittels sogar zeitweilig auf der Bank.
Experimente misslungen
Rund fünf Wochen vor der Weltmeisterschaft hat die Schweizer Unihockeynati gegen einen Kontrahenten, welchen sie vor zwei Jahren im WM-Halbfinale mehr als nur forderte und damals in der Vorbereitung regelmässig schlug, eine deutliche Lektion erhalten. Die Finnen waren den Schweizern technisch und taktisch überlegen. Egal ob im Konterspiel oder im ruhigen Aufbau - die Finnen waren stets einen Schritt schneller als die Schweizer. Zu hoffen ist alleine, dass die Schweizer „nur" einen schlechten Tag erwischt haben. Alle Karten sind mit Sicherheit nicht aufgedeckt worden. Das Experiment mit Armin Brunner als Flügel neben Matthias Hofbauer wurde nach zwei Dritteln abgebrochen. An seiner Stelle dürfte morgen wohl wieder Bruder Christoph dort auflaufen und Patrick Mendelin neben Roger Gerber stürmen.
Finnland - Schweiz 10:3 (2:0, 3:1, 5:2)
Kuopiohalli, Kuopio (FIN) - 371 Zuschauer
SR: Boström/Hammerin (SWE)
Tore: 14:01 R. Hyvärinen (V. Punkari) 1:0, 19:10 T. Tiitu (L. Vänttinen) 2:0, 23:03 T. Tiitu (M. Kohonen) 3:0, 24:37 J. Kukkola (L. Kapanen) 4:0, 34:52 R. Hyvärinen (S. Manner) 5:0, 35:35 M. Gerber (C. Hofbauer) 5:1, 41:25 A. Cadisch (E. Antener) 5:2, 42:40 S. Stucki 5:3, 43:10 R. Hyvärinen (V. Punkari) 6:3, 43:18 A. Seppälä (K. Koskelainen) 7:3, 45:47 R. Hyvärinen (E. Jussila) 8:3, 48:34 E. Jussila (V. Punkari) 9:3, 57:50 S. Manner (E. Jussila) 10:3
Strafen: 08:47 M. Savolainen 2'
Finnland: Tovoniemi; Vehakoja, Kavekari; Punkari, Savolainen; Lehti (21. Seppälä), Kivilehto; Tiitu, Mika Kohonen, Vänttinen (21. Manner); Hyvärinen, Jussila, Mikko Kohonen; Kapanen, Kukkola, Koskelainen:
Schweiz: Tönz; Bill, Dysli; Bichsel, Markus Gerber; Kamaj, Flury; Brunner (41. Zürcher), Matthias Hofbauer, Zimmermann; Christoph Hofbauer, Roger Gerber, Krähenbühl; Antener, Stucki, Cadisch.
Bemerkungen: Finnland ohne Forsten (nicht eingesetzt), Schweiz ohne Philipp Gerber, Yvan Jungo, Patrick Mendelin (nicht eingesetzt), Riederer (überzählig).
Best Players: Hyvärinen (Finnland), Stucki (Schweiz).