01.
2017
Flexibel und erfolgreich
Besser kann das neue Jahr kaum beginnen: Wiler-Ersigen hat am Wochenende zwei direkte Konkurrenten zurückgebunden. Die Berner schlagen aus der Breite im Kader Profit.
Aus der Garderobe ist Applaus zu hören, der bald in rhythmisches Klatschen übergeht. Elektronische Musik ertönt, dazu Jubelschreie. Die Spieler von Wiler-Ersigen feiern, wie sie das nicht nach jedem Sieg tun. Wenige Minuten zuvor haben die 411 Zuschauer in der Zuchwiler Sporthalle applaudiert - stehend. Der Tabellenführerdemonstrierte im sonntäglichen Duell mit Meister GC eindrücklich, wie stark er derzeit ist.
Das Resultat von 8:1 spiegelt das Spielgeschehen, tatsächlich war Wiler-Ersigen den Gästen aus Zürich derart überlegen. Letztere wussten sich zeitweise kaum zu befreien, hatten grosse Mühe, überhaupt in die Nähe des Tors von Goalie Nicolas Wolf zu gelangen. Auf der anderen Seite rollte ein Angriff nach dem anderen auf Nationaltorhüter Pascal Meier zu. Das Heimteam schoss aus allen möglichen Positionen, variierte und rotierte, die GC-Verteidiger waren überfordert. «Besonders zufrieden bin ich, wie wir in Ballbesitz agiert haben», sagt Trainer Thomas Berger.
Der alte neue Favorit
Vor Beginn dieser Spielzeit waren sich die Experten über die Kräfteverhältnisse in der NLA noch nicht einig gewesen. Wiler-Ersigen ist nach einer Saison ohne Titel besonders hungrig, die Ansprüche beim Serienmeister sind unverändert hoch. Doch haben die Verantwortlichen stets betont, nicht Titelgewinne stünden heuer an erster Stelle, sondern das Aufgleisen des Generationenwechsels. Der Zurückhaltung zum Trotz: Der zehnfache Schweizer Meister hat sich mit nur einer einzigen Niederlage aus 16 Spielen selbst wieder in die Rolle des Titelfavoriten gebracht.
Spätestens in der ersten Doppelrunde im neuen Jahr hat Wiler-Ersigen nun ein starkes Zeichen gesetzt. Nicht nur mit dem Kantersieg gegen GC vom Sonntag, sondern auch tags zuvor, als die Berner in Winterthur mit 6:2 gewannen. Der HC Rychenberg war bis anhin jener Kontrahent gewesen, der ihnen am meisten Mühe bereitet hatte. Winterthur zeichnete sowohl für die einzige Niederlage Wiler-Ersigens in der Meisterschaft als auch für dessen Ausscheiden aus dem Cup verantwortlich.
Achsen statt Blöcke
Was am Auftritt der Unteremmentaler besonders beeindruckt, ist die Stabilität, die sie trotz personellen Rochaden aufweisen. Neue Spieler scheinen sich mühelos in eine Formation zu integrieren - auch wenn sie ihr erstes NLA-Spiel bestreiten, wie der U-21-Junior Lukas Moser im Spiel gegen GC. Durch verschiedene Ausfälle im Team spielt ein Block selten zweimal in genau derselben Zusammensetzung. Die permanente Rotation ist Teil von Thomas Bergers System. «Ich stelle keine Blöcke mit fünf Leuten zusammen und lasse die immer zusammen spielen. Ich baue vielmehr auf kleine Achsen», erklärt der Trainer. So sind beispielsweise Tatu Väänänen und Adrian Zimmermann meist zusammen auf dem Feld.
Gleichzeitig muss jeder um seinen Platz kämpfen, der Konkurrenzkampf ist gross. Was Spieler der vermeintlich zweiten Garde zu Höchstleistungen anzutreiben scheint. Vier der acht Tore am Sonntag erzielte der nominell dritte Block. Die Mannschaft wächst offensichtlich schneller zusammen, als viele geglaubt haben. Berger erkennt erhebliche Fortschritte: «Seit Oktober und der letzten Begegnung mit GC sehe ich eine Entwicklung, die mich sehr freut.»
Damals, beim 8:6-Sieg in Zürich, hatten die Berner für die drei Punkte deutlich härter arbeiten müssen. Am Sonntag erreichte die Verfassung des Teams von Wiler-Ersigen nun ihren vorläufigen Höchststand.
Quelle: Berner Zeitung, Lukas Siegfried