05.
2006
Geisterspiel wider Willen
Um 20:00 Uhr sollte im Globen das erste Platzierungsspiel dieser Weltmeisterschaft stattfinden. Zwei Stunden zuvor waren noch alle Türen geschlossen- bis Spielbeginn blieb dies so. Folgte man den italienischen Fans, fand man den Eingang: Via VIP-Entry gings ins Stadion. Kein Plakat, kein Hinweis, rein gar nichts. Rund 15'000 Plätze fasst die prachtvolle Stätte – für das Spiel Italien – Norwegen blieben die Tribünen aber geschlossen. Nur auf Zusatzstühle rund ums Spielfeld durfte man absitzen. Begründung? Keine, „stängdt“ (geschlossen) war die einzige Auskunft. Zustände wie in der Bülacher Kasernenhalle. Wer in der vierten Reihe Platz nehmen musste, durfte auf die Stühle stehen – wenn er die Schuhe auszog. Zwanzig Minuten nach Spielschluss treffen immer noch Zuschauer ein, 546 sinds schlussendlich, der Speaker hat aber tatsächlich den Mut die Zuschauer zu bitten, zusammenzurücken: „Auf der anderen Seite hat es auch noch Plätze“. Ein Hohn. Das dachte sich wohl auch der anwesende norwegische Sportminister, der extra für das Spiel angereist war…
Grümpelturnier-Organisation
„Sehr peinlich“ fands
Norwegens Coach Urban Karlsson, „meine Freundin hat mir gesagt, dass es nirgends
etwas zu trinken oder essen gibt.“ Eine Festwirtschaft ist tatsächlich nicht zu
finden. Fünf Stunden waren die Norweger mit dem Zug angereist um die WM noch
anständig zu beenden, für Willy Fauskanger und Glen Evensen war’s das letzte
Spiel im Natitrikot - ein unwürdiger Abgang. Die Italiener erfuhren beim
Eintreffen in die Halle, dass nur ein Eingang geöffnet wurde. Per Handy
informierten sie ihre Fans. Jedes Grümpelturnier ist besser organisiert. Noch
ein Beispiel? Nach jedem Spiel der A und B Gruppe wurde eine Pressekonferenz
abgehalten. Erst hiess es, dass gar nichts dergleichen geplant ist, per
Nachfragen wurde mitgeteilt, dass die Spieler und Trainer zehn Minuten nach dem
Spiel doch noch interviewt werden durften. Von Offiziellen des IFF war natürlich
nichts zu sehen.
Norwegische
Lektion
Gespielt wurde auch noch: Die überraschende Führung der
Italiener kehrten die Norweger bis zur ersten Pause auf 3:1. Im zweiten
Abschnitt erteilten die Nordländern dem Aufsteiger eine kurze Lektion. Sechs
Tore setzten sie Fernando Cazzato ins Netz. Zu Hilfe kamen ihnen auch die
tschechischen Schiedsrichter, die einmal mehr mit ihrer Strafengebung für viel
Kopfschütteln sorgten. „Wir hatten viermal sehr gute Schiedsrichter, das hat
sehr viel Spass gemacht. Heute hab ich mich aber oft geärgert“ sagte
Italien-Coach Luca Tomatis nach der Partie. Im Schlussabschnitt fing sich die
Squadra Azzura wieder und kann wieder mit den Norwegern mithalten. Der Höhepunkt
war das 10:2 durch Fauskanger: Nach seinem Freistoss zeigte er endlich wieder
seinen berühmten Salto. Wenigstens noch eine kleine Entschädigung an die Fans
für den schmachvollen Rahmen der Partie. Immerhin war der Eintritt gratis. Alles
andere wäre auch eine Zumutung gewesen.