08.
2021
"Geniesse alles viel mehr"
Am Sonntag hat Alligator Malans nach einer sechsjährigen Durststrecke wieder einmal einen Titel gewinnen können. Einer, der beim Cupsieg 2015 schon dabei war, ist Joel Friolet. Mit seinen bald 32 Jahren gehört der Stürmer zu den ältesten Spielern der Liga. Die Lust am Unihockey hat er aber auch nach über 13 Saisons in der NLA noch nicht verloren.
In der Schlussphase der ersten Titelentscheidung der Saison überschlugen sich im Final des Supercups zwischen Wiler-Ersigen und Alligator Malans die Ereignisse. Marco Louis traf nach 36 torlosen Minuten zum scheinbar entscheidenden 4:3 für den Vize-Meister. Doch Malans reagierte mit einem Doppelschlag und kehrte die Partie noch in extremis. Mitten drin im Getümmel war Joel Friolet, der sich mit seiner Linie an fast allen Toren beteiligt sah und mangels Alternativen in dieser Saison wohl vermehrt auf der linken Seite zum Einsatz kommen wird. Im Interview erzählt der 32-fache Nationalspieler was ihm nach dem Rückstand durch den Kopf ging, welche Änderungen der neue Assistenztrainer Theo Jonsson reingebracht hat und warum die Alligatoren über den Sommer keine «Chropfleerete» brauchten.
Nach der Schlusssirene beim Final des Supercups brachen bei euch grosse Jubelstürme aus. War die Euphorie so gross, weil der letzte Titelgewinn (5:3 im Cupfinal gegen die Tigers, Anm.d.Red.) bereits über sechs Jahre zurück liegt?
Ja, wir mussten lange auf solch einen Erfolg warten. Auch wenn es sich «nur» um den Supercup handelt, ist es trotzdem ein schönes Gefühl, wieder einmal einen Pokal in die Höhe stemmen zu dürfen. Es wurde höchste Zeit, dass wir wieder mal einen Final oder ein enges Spiel gegen ein Top-Team gewinnen können.
Malans hat wie die Feuerwehr losgelegt. Nach dem Startdrittel mit sechs Toren, passierte bis zu den hektischen Schlussminuten nicht mehr viel.
Ich denke, wir haben den Zuschauern ein attraktives Spiel geboten. Allgemein bin ich der Meinung, dass es eine Partie auf sehr hohem Niveau war. Zur Spielmitte hatten wir einige gute Gelegenheiten - wenn wir die genützt hätten, wäre die Schlussphase wahrscheinlich gar nicht mehr so hektisch geworden.
Was ging dir durch den Kopf, als Marco Louis drei Minuten vor Schluss das 4:3 erzielte?
F**k, nicht schon wieder ein enges Spiel verlieren!
Aber dann kam ja Christoph Camenisch und glich die Partie wieder aus. Und nur 12 Sekunden später verwertete Tim Braillard dein Zuspiel zum Siegestreffer. Habt ihr euch vorgenommen, gleich nach dem Ausgleich nachzudoppeln?
Nicht explizit. Aber ich sah, dass bei Wiler die Ausländer-Formation das Feld verliess. Irgendwie war das doch eine Chance, um noch ein Tor zu erzielen. Einstudiert war der Spielzug allerdings nicht. Und wenn wir dann nicht das fünfte Tor erzielt hätten, bin ich überzeugt, dass dies in der Verlängerung der Fall gewesen wäre. Die Stimmung auf unserer Bank war einfach zu gut.
Deine Linie mit Berry, Tromm, Buchli und Braillard hat das Spiel mit vier Toren fast alleine entschieden.
Auch gegen GC lief es uns schon ziemlich gut. Es ist erfreulich, dass wir an diesem Wochenende so gut harmoniert haben. Denn die Vorbereitung verlief in unserer Formation alles andere als gut, obwohl wir uns alle schon sehr lange kennen.
Das Halbfinal-Out in den letzten Playoffs gegen Köniz war eine bittere Pille. Gab es über den Sommer eine «Chropfleerete»?
Wahrscheinlich wirkte diese Serie gegen Aussen etwas anders, als sie wirklich war. Ich denke, wir waren trotz den engen Resultaten einfach zu weit weg von Köniz. Deshalb gab es auch keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen. Wir versuchen unser Spiel sowieso stets weiterzuentwickeln und leichte Veränderungen vorzunehmen. Mit Theo Jonsson haben wir beispielsweise einen neuen Assistenztrainer erhalten, der uns viele neue Impulse im Offensivspiel gibt.
Verändert hat sich auch das Kader. Anton Vestlund und Jarkko Nurmela sind nicht mehr da, Lukas Veltsmid bleibt der einzige Ausländer. Ist das ein Problem?
Ich sehe es eher als Chance. Das Team rückt näher zusammen, jeder muss oder darf mehr Verantwortung übernehmen. Wir haben an diesem Wochenende gesehen, dass viele junge Spieler bereit für höhere Aufgaben sind. Durch die Abgänge von Anton und Jarkko entstand eine Lücke auf der linken Stürmerseite - aber auch das konnten wir in den Spielen gut kompensieren. Auch ich musste mich dementsprechend umstellen.
Und das im hohen Unihockeyalter von fast 32 Jahren... wie lange wird man dich eigentlich noch auf den Unihockeyfeldern sehen?
(lacht) 2019 erlitt ich einen Kreuzbandriss und fiel lange aus. Im Nachhinein tat mir das mental sogar gut. Ich lernte den Sport mehr schätzen. Irgendwie sehe ich alles mit anderen Augen, geniesse die Momente viel mehr als früher, gehe alles auch etwas lockerer und unbeschwerter an. Im Moment gefällt es mir mit diesem Team wie selten zuvor. Jetzt mache ich mal diese Saison und dann schaue ich, ob ich noch weitermache - und ob ich überhaupt noch gebraucht werde. (lacht)
Alligator fans 178.197.201.114
31. 08. 2021