02.
2014
Hartmann hofft auf Crunch-Time
Die Tigers Langnau haben mit 20 Siegen in Serie die Qualifikation dominiert. Wird in den Playoff-Viertelfinals auch der HC Rychenberg weggefegt? HCR-Verteidiger Joe Hartmann glaubt an die Chance seines Teams.
Fünf Minuten vor Ende der Qualifikation lag der HCR aufgrund der aktuellen Spielstände auf den anderen Plätzen noch auf einem Playout-Platz. Dann schoss Verteidiger Joe Hartmann aufs Könizer Tor, Felix Buff verwertete den Abpraller - Rychenberg gewann die Auswärtspartie 4:3 und qualifizierte sich auf den letzten Drücker doch noch für die Playoffs. „Wir wussten nie, wie es bei der Konkurrenz steht", versichert Hartmann und ergänzt: „Das war wohl gut so, sonst wären wir nur kopflos angerannt." Die Bilanz der Qualifikation fällt für den 28-Jährigen zwiespältig aus. „Wir schwankten zwischen sehr gut und sehr schlecht. Die Konstanz hat gefehlt", fasst er die Leistungen seines Teams zusammen. Er meinte damit etwa die Heimniederlagen gegen Uster oder Waldkirch-St. Gallen, zwei Playout-Teams - aber auch die Siege über Meister Alligator Malans oder eben Köniz. Die Winterthurer können aber auch von Glück reden, dass die Konkurrenz oft für sie spielte.
Hartmann selber litt an einer Sehnenentzündung im Bauchbereich, konnte jedoch aufgrund der engen Tabellensituation nie eine Pause einlegen. „Dass im Vergleich zum Vorjahr in der Offensive einige Tore fehlen würden, war absehbar", sagt er mit Verweis auf die Finnen des letztjährigen ersten Blocks, die den Verein verlassen haben. „Aber als wir in Köniz einfach gewinnen mussten, war das Team auf der Höhe." Daraus lässt sich Selbstvertrauen für die am Donnerstag beginnenden Playoffs ziehen.
Husarenstreich gefragt
Der HCR trifft auf die Tigers Langnau, die nach zwei Niederlagen zum Saisonbeginn 20 Siege in Folge aneinander reihten. Unfassbar. Kurz vor Schluss der Qualifikation kam es bei den Emmentalern aber zum grossen Knall. Der Verein gab bekannt, den Vertrag mit Cheftrainer Markus Schneider Ende Saison nicht zu verlängern. Als Reaktion auf diesen Entscheid schmiss Schneider den Bettel per sofort hin. „Das muss kein Nachteil für uns sein", sagt Hartmann schmunzelnd. „Entscheidend wird sein, dass wir die Tigers in einem der ersten beiden Spiele schlagen können. Wir müssen ihr Selbstvertrauen ankratzen, ihren Lauf bremsen", verlangt der Verteidiger.
In der vorletzten Saison kam es bereits einmal zum Duell Emmental gegen Eulachstadt - damals setzten sich die Tigers in der Verlängerung des siebten Duells dank eines Treffers von Simon Stucki durch. „Eine Einzelleistung entschied die Serie - wir hätten genau so gut gewinnen können oder gar müssen", erinnert sich Hartmann. Noch mehr Mut schöpft der HCR aber natürlich aus der Viertelfinalserie im Vorjahr gegen Wiler-Ersigen. Das Ausschalten des Serienmeisters war eine der grössten Sensationen der bisherigen Playoff-Geschichte im Unihockey. Einen ähnlichen Husarenstreich wird es nun auch gegen die Tigers brauchen.
Der Playoff-Schalter
Joe Hartmann gehört zu den letzten NLA-Spielern, die noch als Quereinsteiger bezeichnet werden können. Lange spielte er im Plauschverein IBEX Chur, erst als 19-Jähriger wechselte er in die U21 von Chur Unihockey. Nach zwei Saisons in der NLB in Davos kam er vor vier Jahren aus Studiengründen (Wirtschaftsinformatik an der ZHAW) nach Winterthur. In der ersten Saison wurde er noch als Stürmer eingesetzt, obwohl er sich als Verteidiger sah. „Vermutlich, weil ich bei Chur noch im Sturm spielte. Ein Missverständnis", wie er es heute formuliert - wie die ganze Saison unter dem damaligen Trainer Lasse Eriksson, denn der HCR musste im Frühling 2011 in die Playouts. Erst danach fand der Bündner seinen Platz in der HCR-Verteidigung. Mit Rolf Kern hat er seit der letzten Saison zudem einen Trainer, der ihm voll vertraut. „Das ist extrem wichtig für mich", so Hartmann. Das ganze Team wird entsprechendes Selbstvertrauen zeigen müssen, sollen die Emmentaler in der Best-of-7-Serie bezwungen werden. „Zum Glück wissen wir seit der letzten Saison, dass wir einen Playoff-Schalter haben", sagt Hartmann. It's Crunch Time, wie die Amerikaner sagen - die durchzogene Qualifikation zählt ab sofort nichts mehr.