03.
2010
"Hauptsache, wir gewinnen!"
Liga-Krösus Wiler-Ersigen hat sich zum neunten Mal in Serie für den Playofffinal qualifiziert. In diesem empfängt der Titelverteidiger die Überraschungsmannschaft aus Winterthur. Fabio Mutti ist bei Wiler zu einer festen Grösse in der dritten Linie geworden und reiht sich wie gewohnt in den Playoffs unter die Torschützen, in diesem Jahr sogar regelmässig. Der 29-jährige stiess von drei Jahren von Basel zu Wiler und war während einigen Jahren ein Aushängeschild der italienischen Nationalmannschaft.
Fabio, in knapp einer Woche geht es los mit dem Playofffinal. Wie schätzt du die Ausgangslage ein?
Klar sind wir gewillt, das Spiel zu bestimmen. Wir erwarten Rychenberg ziemlich kompakt, so haben sie zuletzt erfolgreich gespielt und können zu ihrem gefährlichen Konterspiel ansetzen. Es gibt also keinen Grund, sie zu unterschätzen, weshalb wir den nötigen Respekt sicher aufbringen. Es war nämlich oft ein „Geknorze" gegen sie, in der Quali etwa haben wir eines der Spiele verloren. Dass sie sich als Tabellensechster für den Final qualifiziert haben, spielt keine Rolle: Sie haben zwei Serien gewonnen und werden uns bestimmt mit ihren Mitteln fordern.
Eurer Spielweise kommt es entgegen, viel Ballbesitz und Offensivzeit zu haben, Rychenberg hingegen mag es, aus einer kompakten Defense zu schnellen Kontern anzusetzen. Gewinnt also, wer seine Rolle besser spielt?
Ein Grund, weshalb wir mit Rychenberg in den letzten Vergleichen Mühe hatten, besteht sicher darin, dass ihnen unsere Spielweise liegt. Denn wir sind sicher zu einem gewissen Grad konteranfällig, das ist das Mittel gegen uns. Andererseits sind wir es von der Quali und insbesondere vom Viertelfinal gegen Grünenmatt her gewohnt, dass sich unsere Gegner zurückziehen und mit kurzen Angriffen zu verwunden versuchen. Hauptsache, wir gewinnen, wie und warum ist für mich sekundär.
Resultatmässig, also was das Verhältnis von Siegen zu Niederlagen betrifft, seid ihr ja noch nicht gross gefordert worden. Was nehmt ihr mit aus dem bisherigen Playoffverlauf?
Die Grünenmatt-Serie war enger, als es letztlich aussah. Vielleicht haben wir das aber auch gebraucht, um auf unser Playoffniveau zu kommen. Dass wir die spielerischen Mittel haben, ist bekannt. In dieser Serie haben wir aber zusätzlich gelernt, zu kämpfen. Wir hatten einige ungewohnte Situationen wie Rückstände mit mehreren Toren zu überstehen beziehungsweise zu lösen. Dass uns dies gelang, gab uns Selbstvertrauen, welches wiederum zu einer letztlich klaren Sache im Halbfinal führte. Gegen die Tigers waren wir deutlich überlegen und es lief wie am Schnürchen.
Es ist wie eigentlich jedes Jahr: wenn die Playoffs beginnen, ist Mutti mit seinen Toren zur Stelle. Stimmst du zu?
Nein. In den letzten zwei Jahren habe ich sicher auch mal ein wichtiges Tor geschossen. Aber sicher nicht in dem Ausmass wie jetzt. Diese Saison spielte ich wie jetzt in den Playoffs oft mit Mäkipää und Zürcher. Wir hatten also viel Kontinuität in unserer Linie, was zu funktionierenden Mechanismen und letztlich zu konstanten Leistungen führt. Dies ist ein Hauptgrund, dass es uns als Linie gut läuft und ich mich wohl fühle und meine Qualitäten einsetzen kann.
In Basel warst du Captain und Führungsspieler, bei Wiler spieltest du nicht immer oder wenn, dann in der dritten Linie und kommst zu weniger „Eiszeit". Hat sich der Wechsel trotzdem gelohnt?
Mittlerweile kann ich sagen, ja. Die aktuelle Saison hat mir einiges zurückgegeben. Sie hat mir gezeigt, dass ich mich richtig entschieden habe und es sich lohnte, mich durchzubeissen. Am Anfang war es schon ein ziemliches Umgewöhnen, ich musste ja auch mein Spiel etwas verändern. Momentan fühle ich mich aber sehr wohl und meine Rolle in der Mannschaft und in unserer Linie entspricht mir. Ich kann mein kämpferisches Spiel gut einbringen.
Wie sieht deine sportliche Zukunft aus? Bleibst du bei Wiler und sieht man dich allenfalls gar wieder an der WM im italienischen Natidress?
Die WM in Helsinki sowie allgemein die Nati ist für mich kein Thema mehr. Spätestens an der letzten WM habe ich gemerkt, dass der Zenit mit einem Land wie Italien erreicht ist. Wir sind an eine Grenze gestossen, wo es nicht mehr weiter ging. Ganz zu schweigen vom grossen Aufwand, den ich nicht mehr zu betreiben bereit war. Abgesehen davon möchte ich auf Klubebene, also bei Wiler, schon noch ein Jährchen dranhängen. Meine Absicht ist da, der Entscheid aber noch nicht gefällt. Es gilt andere Sachen wie Beruf und Familie miteinzubeziehen. Aber ich will auch nicht zu früh aufhören und mich dann später darüber ärgern.