02.
2010
„Ich möchte mich nicht beklagen“
Er ist weder ein begeisternder Filigrantechniker noch ein regelmässiger Skorer, noch ein gefürchteter Distanz- und Penaltyschütze. Trotzdem ist Dominik Heller nicht aus Rychenbergs Mannschaft wegzudenken. Was ihn in hohem Mass auszeichnet sind weit weniger spektakuläre Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Zweikampfstärke, Laufvermögen und Teamgeist. Ablesen lassen sich solche Qualitäten weder an den Skorerpunkten - in bislang 120 Spielen für den HC Rychenberg waren es neun Tore und fünfzehn Assists. Sie machen ihn aber bestens geeignet als Führungsspieler, oder wie es ein früherer Trainer formulierte, als „Verteidigungsminister".
Seit wie vielen Jahren spielst du inzwischen Unihockey?
Derzeit spiele ich meine achtzehnte Saison. Davon bestritt ich elf mit den Jona-Uznach Flames, wie mein Stammverein nach einer Fusion heisst, deren zwei in der NLA. Dazu gesellten sich zwei NLA-Saisons in Chur und fünf mit dem HC Rychenberg Winterthur.
Zum Ende dieser Saison willst du vom Spitzensport zurücktreten. Welches waren die entscheidenden Argumente?
Es gibt eigentlich nur ein entscheidendes Argument: Die Zeit. Seit ich von Jona-Uznach wegging, nehme ich einen enormen zeitlichen Aufwand für die Trainings, Spiele auf mich. Schliesslich wohne ich weiterhin in Jona wohnhaft. Ich möchte mich aber nicht beklagen, schliesslich habe ich das so gewollt und ich war mir stets bewusst, dass ich einen gewissen zeitlichen Aufwand akzeptieren muss, wenn ich auf dem höchsten nationalen Unihockeyniveau spielen will. Und bis heute habe ich den Aufwand stets gerne in Kauf genommen. Seitdem ich aber im August 2008 Vater einer Tochter geworden bin, ist mir der Zeitaufwand allmählich zu gross geworden.
Spielte bei deinem Entscheid auch eine Rolle, dass du bald 31 Jahre alt sein wirst und damit zu den Veteranen im Schweizer Unihockey zählst?
Ab Samstag werde ich bereits 31 Jahre jung sein! Natürlich merke auch ich, dass mein Körper für die Regeneration mehr Zeit beansprucht. Aber mein Alter spielte bei meinem Entscheid in keiner Weise eine Rolle.
Ist mit deinem Weggang vom HC Rychenberg deine Unihockeykarriere endgültig zu Ende?
Nein, das ist sie nicht. Ich werde zu meinem Stammverein Jona-Uznach Flames zurückkehren. Erstens spiele ich nach wie vor sehr gerne Unihockey und fühle mich auch immer noch fit genug, dies auf einem gewissen Niveau zu tun. Ich kann und will den Stock noch nicht in die Ecke stellen. Und zweitens möchte ich meinem Stammverein etwas von meiner gewonnenen Erfahrung zurückgeben. Schliesslich bin ich da gross geworden.
Beim HCR wurdest du vom Stürmer zum „Verteidigungsminister" gemacht. Welche Rolle passte besser zu dir und welche gefiel dir besser?
Vielleicht zuerst eine kleine Korrektur. Als Junior wurde ich im Prinzip als Zweiwegstürmer ausgebildet. Bereits in meiner ersten NLB-Saison wurde ich dann grösstenteils als Verteidiger eingesetzt. Während den Jahren bei den Flames wurde ich aber jeweils alternierend als Stürmer oder als Verteidiger eingesetzt, je nachdem, wo ich gerade gebraucht wurde. Welche Rolle besser zu mir passt, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, dass ich als Verteidiger sehr gute Arbeit mache und dem HCR in dieser Funktion sicher habe helfen können. Deshalb war ich mit dieser Rolle immer zufrieden.
Ist absehbar, dass du eine Trainerlaufbahn einschlagen und irgendwann zum HCR zurückkehren wirst?
Ich sage es mit den Worten, welche auch einmal für einen Titel eines James Bond-Filmes benutzt wurden: „Sag niemals nie". Im Moment sehe ich mich jedoch nicht als Trainer.
Jetzt ist aber zuerst noch „Crunch Time" angesagt. Was ist mit der aktuellen HCR-Mannschaft in den Playoffs möglich?
Ich bin mir sicher, dass die Viertelfinalserie gegen GC weitere enge, aber spannende Partien bringen wird. In der Qualifikation haben wir bewiesen, dass wir jeden Gegner besiegen können. Das gibt uns bestimmt das nötige Selbstvertrauen für die bevorstehenden Aufgaben. Ich sehe für meine Mannschaft gute Chancen, den Einzug in den Halbfinal zu schaffen. Ganz entscheidend wird sein, dass wir noch mehr nur von Spiel zu Spiel schauen und nicht zu sehr in die Zukunft blicken.
Und was ist von Dominik Heller auf seiner Abschiedstour zu erwarten?
Ich werde wie immer versuchen, meine Aufgaben fehlerfrei und mit vollem Einsatz zu erfüllen und so meinen Teil zum Erfolg der ganzen Mannschaft beizutragen.