06.
2006
Kick-off des neuen HCR
Rychenbergs diesjährige Betriebsamkeit auf dem Transfermarkt war keine Besonderheit in der NLA. Vor allem die Grasshoppers, Köniz, Langnau und Aufsteiger Reinach gestalten ihre Kader ebenfalls, teilweise gezwungenermassen - teilweise freiwillig - kräftig um. Über die Hälfte des Personals wechselte indessen nur Rychenberg.
Der sukzessive, behutsame Umbau einer Mannschaft ist erheblich gesünder als eine Rosskur. Trainer Philippe Soutter ist, dieser Binsenwahrheit zum Trotz, vom eingeschlagenen Weg überzeugt: „Wir scheiterten letzte Saison als Team; auf einem gewissen Niveau freilich, wie die Qualifikation für den Cupfinal zeigt.“ Nicht die Resultate, sprich das erstmalige Verpassen der Play-offs nach drei erfolgreichen Jahren, waren der Grund für den massiven Eingriff. Der fünfte Platz lag im Bereich der Erwartungen. Nein, es war der schale, leidenschaftslose Eindruck, den die Equipe oft hinterliess, der zum Handeln Anlass gab. Ein Indiz für diese Wahrnehmung war, dass die Mannschaft in keinem Meisterschaftsspiel einen Rückstand nach zwanzig Minuten zu kehren vermochte.
Dass die Neuen vorwiegend aus Clubs kommen, in denen Soutter früher einmal als Ausbildner tätig war, entspricht einem logischen, gängigen Muster. Trainer jedweder Sportart verpflichten mit Vorliebe Spieler, deren Stärken und Schwächen sie genau kennen. Dass dieses Jahr kein Talent aus der eigenen Juniorenabteilung nachrückt, hatte erwartet werden müssen und ist mit natürlichen Jahrgangsschwankungen zu erklären. Umso erfreulicher ist, dass das Loch mit hoffnungsvollen jungen Spielern aus der Region aufgefüllt werden konnte.
Auch wenn der eine oder andere Transferwunsch nicht in Erfüllung ging, ist Soutter von der Qualität seiner neuen Mannschaft überzeugt: „Vermutlich hat sie etwas weniger Klasse als die letzte, dafür mehr Format. Ich bin mir sicher, dass wir genug Potential für die Nationalliga A besitzen.“ Zwei Blöcke gestandener NLA-Spieler bilden das Rückgrat der Mannschaft. Routiniers wie Simon Eichmann, Roger Gerber, Rolf Kern und Thomas Weber oder Urs Helbling sind die Lebensversicherung. Die andere Hälfte sind jüngere, ehrgeizige und talentierte Spieler, die den Gestandenen Dampf machen werden. Die Mischung und die Altersstruktur scheinen erfolgsversprechend zu sein.
Bei allem Optimismus, die radikale Blutauffrischung wirft auch Fragen auf. Wer wird in die Fussstapfen von Radim Cepek, Michael Zürcher und Mark Schuler treten, die zusammen fast 110 Skorerpunkte gebucht hatten? Gelingt es bis zum Saisonstart, das Puzzle zusammenzufügen und ein in sich stimmiges Ganzes zu formen? Soutter ist kein Prophet und weiss die abschliessenden Antworten noch nicht. Noch kennt er nur die Fähigkeiten der einzelnen Spieler. Wohin das Kollektiv steuern wird, ist auch für den Cheftrainer noch unklar. Eines weiss er aber mit absoluter Gewissheit: „So viele Halbpatzigkeiten und Kompromisse wie letzte Saison darf es nicht mehr geben.“ Der neue Betreuerstab wird ihn dabei unterstützen: „Wir trainieren lediglich drei Mal pro Woche gemeinsam in der Halle. Die Verpflichtung der neuen Co-Trainerin Carry Prins ermöglicht es uns aber, die beiden Einzeltrainings zusammen mit Patrick Albrecht individueller zu gestalten und besser zu steuern.“