01.
2009
Künstler der Emotionen entzaubert
Am 7. März darf Wiler-Ersigen, nach dem Krampfsieg im Halbfinal gegen Rychenberg, zum sechsten Mal in der Berner Wankdorfhalle um den Cupsieg spielen. Gegner werden die Tigers Langnau sein. Es ist Wilers fünfter Finaleinzug in den letzten sechs Jahren. Als Sieger verliessen die Emmentaler Bern allerdings erst einmal. Für den Europacup-Zweiten des letzten Jahres ist es bereits der 15. grosse Final der Vereinsgeschichte (7-mal Meisterschaft, 6-mal Cup, 2-mal Europacup).
Es war ein hartes Stück Arbeit gestern im Sportzentrum zu Zuchwil. Wie Gladiatoren stellten sich die Winterthurer dem grossen Favoriten gegenüber. Die Zürcher schrien wie am Spiess, peitschten sich nach vorne. Sie sind die Künstler der Emotionen. Mit ihrem agressiven Stil wollten sie dem Gegner von Beginn weg Angst einflössen. Die Emmentaler hielten aber gut dagegen, liessen sich nicht aus dem Konzept bringen. Am Ende siegte die spielerische Klasse über das kämpferische Element. Und wie im letzten Jahr (4:0-Sieg) lachte im Cup-Halbfinal die Sonne erneut für die Berner.
Noch vor einer Woche demontierte Wiler denselben Gegner in dessen Halle mit 10:1. Gestern ein völlig verwandeltes Winterthur. Bis zum Umkippen kämpften die Gäste. Dreimal lagen die Zürcher in Führung (2:1, 3:2, 4:3). Sie machten die Partie für die Berger-Truppe zum Charaktertest. Nach zwei Dritteln stand es 4:4. Für die Gastgeber trafen mit Jungo, Eggs, Wallgren und Berger gleich vier Verteidiger. Spektakulär war die 29. Minute: Innert 17 Sekunden fielen drei Treffer.
Die Entscheidung musste im Schlussdrittel fallen. Und Rychenberg nahm sich den Wind gleich selber aus den Segeln. Die agressive, kämpferische Spielweise der Zürcher birgt auch Risiken. Zuerst musste Heller für zwei Minuten auf die Strafbank (44.) - Tor im Powerplay durch Zimmermann. Nur eine Minute später erhöhte Gerber - mit Gysin und Weber sassen gleich zwei Winterthurer auf der Strafbank - auf 6:4. 50. Minute: Gerber, der beste Wiler-Skorer im Cup (13 Punkte in vier Spielen), traf erneut und sorgte für die Vorentscheidung. Aber die Gladiatoren gaben nicht auf. Arg verwundetet setzten sie zum Schlussfurioso an. Und 117 Sekunden vor dem Ende stand es plötzlich nur noch 7:6. Wiler verfiel nicht in Panik und brachte das Ding schliesslich über die Runden.
Fabian Eggs schoss sein erstes Tor im Wiler-Dress. Die Goalgetter Mendelin und Vänttinen blieben ohne jede Wirkung. «Wenns vorne nicht klappt, müssen halt wir Verteidiger die Tore schiessen», flachste Eggs. «Ich hatte nie Angst, dass wir verlieren. Denn sie sind durch unsere Fehler zu ihren Toren gekommen. Die zwei Powerplay-Treffer zu Beginn des Schlussdrittels waren der Knackpunkt.»
Wiler-Ersigen - Rychenberg Winterthur 7:6 (1:1, 3:3, 3:2)
Sportzentrum, Zuchwil - 495 Zuschauer
SR: Gmür / Wunden
Tore: 11. Jungo (Zürcher) 1:0. 16. Skalik 1:1. 21. (20:25) Schadegg (Cepek) 1:2. 29. (28:16) Eggs (Wittwer) 2:2. 29. (28:20) Schadegg 2:3. 29. (28:33) Wallgren 3:3. 32. Skalik (Weber/Ausschluss Jungo) 3:4. 36. Berger (Zeller) 4:4. 44. (43:42) Zimmermann (Mendelin/Ausschluss Heller) 5:4. 45. (44:43) Gerber (Vänttinen/Ausschlüsse Gysin, Weber) 6:4. 50. Gerber (Vänttinen) 7:4. 56. Skalik (Moschen) 7:5. 59. Wolfer (D. Mucha) 7:6
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Wiler, 5-mal 2 Minuten gegen Rychenberg.
Wiler-Ersigen: Streit; Bichsel, Thorsell; Eggs, Wallgren; Berger, Jungo; Mendelin, Gerber, Vänttinen; Krähenbühl, Balmer, Wittwer; Zürcher, Zeller, Zimmermann.
Rychenberg Winterthur: Schütz; Weber, Moschen; Gysin, Heller; Huber, Kast; Schadegg, Cepek, Skalik; M. Mucha, Grunder, Wolfer; D. Mucha, Friolet, Locher
Bemerkungen: Wiler ohne Mutti und Bieber (beide krank). 57:08 Time-out Rychenberg. 57:08 bis 58:03, 58:18 bis 58.56, 59:03 bis 60:00 Rychenberg ohne Torhüter, dafür mit sechs Feldspielern