14.
12.
2013
NLA Männer | Autor: Schneeberger Jonas (SO)

Kollegen bei der Arbeit und Gegner

Im Job begegnen sie sich in der Pause als Kollegen, in der Halle sind sie Gegner: die Nationalspieler Renato Schneider (Chur Unihockey) und Joel Friolet (Alligator Malans). Vor dem morgigen Derby trafen sie sich mit der "Südostschweiz" zum verbalen Schlagabtausch.

Kollegen bei der Arbeit und Gegner Joel Friolet trifft heute auf einen Arbeitskollegen (Bild Erwin Keller)

Die Südostschweiz: Renato Schneider und Joel Friolet, Ihr arbeitet beide bei der Firma Inventx und begegnet Euch in den Pausen. Worüber sprecht Ihr?
Renato Schneider: Da gehts vor allem um Unihockey.

Joel Friolet, welchen Spruch hatten Sie in der Firma des Churer Hauptsponsors vor dem morgigen Derby parat?
Friolet: Ich sagte demjenigen, der die beiden Saisonkarten der Firma reservierte, dass es bestimmt ein gutes Derby wird, aber ein einseitiges.

Was sagten Sie zum Malanser Stürmer im Hause Inventx?
Schneider: Dass es wieder so rauskommen wird wie beim letzten Mal. Vor zwei Monaten gewannen wir 6:4.

Joel Friolet, welche Argumente setzten Sie dem entgegen?
Friolet: Wir haben auf jeden Fall die ausgeglichenere Mannschaft. Offensiv sind wir meiner Meinung nach das beste Team der Liga. Wahrscheinlich haben wir mehr Druck als die Churer, aber gemessen an der Klasse sind wir besser. Zudem haben wir natürlich Revanchegelüste.

Es gibt noch etwas, das für Malans spricht.
Schneider: Das wäre?

Die Statistik. In den letzten sieben Jahren gewann nie eine Mannschaft beide Bündner Derbys in der Qualifikation.
Schneider: Ich mag zwar Zahlenspiele, aber davon lasse ich mich nicht beeinflussen.
Friolet: Das mag stimmen, ist aber bei uns überhaupt kein Thema. Ich glaube, es kann nur gut kommen. Wir wollen das Derby unbedingt gewinnen, die Churer Halle wird wie gewohnt ein Hexenkessel sein, und der neue Boden ist, wie ich finde, der beste in der Schweiz.

Renato Schneider, welche Argumente führten Sie beim verbalen Schlagabtausch im Pausenraum ins Feld?
Schneider: Ich sagte, dass wir absolut bereit sein werden. Wenn wir so konzentriert spielen und fokussiert bleiben wie im ersten Spiel der Saison gegen Malans, dann sieht es gut aus. Allerdings möchte ich hierzu betonen, dass wir mit dem Kopf noch nicht beim Derby sind. Das Spiel gegen Grünenmatt am Vortag ist für uns genauso wichtig respektive es ist fast wichtiger. Die Berner sind in der Tabelle direkt hinter uns klassiert.

Ist es ein Nachteil, dass Chur tags zuvor auswärts spielt, während Malans zu Hause gegen Olten-Zofingen antreten kann?
Schneider: Das würde ich nicht sagen. Wir reisen mittlerweile ziemlich bequem. Das Carfahren empfinde ich nicht als Anstrengung.

Was verbindet Ihr mit dem Derby?
Schneider: Gute Stimmung, viele Leute und viele Emotionen. Das Duell gehört natürlich zu meinen Lieblingsspielen.
Friolet: Als ich neu bei Malans war, hiess es ständig, das Bündner Derby sei das geilste in der Schweiz, und ich belächelte die Worte ein wenig. Aber jetzt, nachdem ich bei vier NLA-Duellen dabei war, muss ich sagen: Es ist wirklich so.

Im Vorjahr war der Vergleich mit Blick auf die Tabelle ein Spitzenspiel. Dieses Mal nicht: Malans ist aktuell Fünfter, Chur Sechster. Woran liegts?
Schneider: Zurzeit dümpeln tatsächlich beide ein wenig im Mittelfeld herum. Bei uns ist es in dieser Saison vor allem die Konstanz, die fehlt. Zudem sind wir defensiv anfällig. Wir kassieren viel zu viele Tore. Einzelne Fehler werden von den Gegnern sofort ausgenutzt. In den letzten Spielen haben wir auch noch an Effizienz abgebaut. Wir hatten viele Chancen, auch gute, 100-prozentige, die wir nicht «reinmachten».
Friolet: Ich glaube, vom Niveau her ist es nach wie vor ein Spitzenspiel. Aber auf dem Papier sieht es im Moment anders aus. Bei uns ist der Champions Cup ein Faktor. Man hörte zuvor von Wiler-Ersigen immer wieder von diesem Champions-Cup-Blues und glaubte es nicht. Aber es ist in der Tat so, dass sich das Turnier in Finnland auf unsere Leistungen auswirkt. Physisch sind wir auf der Höhe, aber psychisch merken wir, dass wir nach dem frühen Saisonhöhepunkt, auf den wir ein halbes Jahr hingearbeitet haben, in ein Loch gefallen sind. Der Champions Cup ist ein Faktor, aber nicht der Hauptgrund.

Sondern?
Friolet: Es sind wohl viele kleine Dinge, die im Moment nicht passen. Es ist ja nicht so, dass wir schlecht spielen. Wenn wir verloren haben, dann nie hoch. Ausser beim 4:6 gegen Chur betrug die Differenz bei den Niederlagen immer nur einen Treffer. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass wir in den Play-offs im Final stehen werden. Und auch davon, dass wir es in der Qualifikation unter die ersten drei schaffen werden. Alles andere würde den Qualitäten, die wir in unserer Mannschaft haben, nicht gerecht.

Alles nur ein grosser Bluff also?
Friolet: Das nicht. Natürlich wurmt es uns, dass wir in der Tabelle nur im Mittelfeld stehen und es nicht nach Wunsch läuft. Fürs Selbstvertrauen wäre es gut, wenn wir weiter vorne stünden, denn dieses leidet zurzeit bei einigen von uns. Aber es ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.

Zum Abschluss: Wie lautet Euer Tipp für morgen?
Schneider: Wir gewinnen 7:5.
Friolet: 7:3 für uns.

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