08.
2013
Malans überzeugt, Chur nur sonntags
Schweizer Meister Alligator Malans hat am Champy-Cup in Maienfeld trotz verpasstem Sieg (und Platz 3) gezeigt, dass die Titelverteidigung realistisch ist. Der Auftritt von Chur Unihockey warf Fragen auf.
Nachdem die Malanser am Samstag gegen Langnau trotz Chancenplus den Finaleinzug verpasst hatten, sicherten sie sich gestern mit einem ungefährdeten 10:4 über Tatran Stresovice (Tschechien) Platz 3. Die Churer fanden auch im Duell der Gruppenletzten gegen die Esport Oilers aus Finnland nicht zum Siegen und wurde wie im Vorjahr Letzte.
Natürlich ist die Platzierung an einem Saisonvorbereitungsturnier zweitrangig. Am letzten Platz ist der negative Eindruck, den das Churer Ensemble am Champy-Cup hinterliess, auch nicht festgemacht. Auch nicht allein am mangelnden Einsatz. Vielmehr war es das Drumherum bei den Niederlagen am Freitag und insbesondere am Samstag, das den Zuschauern missfiel.
Da waren die Spieler, die sich über fast jeden Schiedsrichterpfiff zu ihren Ungunsten lautstark und gestikulierend enervierten. Da waren die vielen unnötigen Strafen, die sie mit ungestümem und kopflosem Einsatz kassierten. Und da war Trainer Thomas Berger, der lustlos wirkte. Desillusioniert, frustriert, resignierend sass er am Samstag während der Partie gegen Köniz hinter der Spielerbank, zurückgezogen unterm Garagentor, nachdem er sich zuvor stehend den Kopf kopfschüttelnd und fluchend aufgeregt hatte. Er habe sich lediglich der Mannschaft angepasst. «Wenn die Mannschaft nicht Gas gibt, tu ich das auch nicht», sagte er trotzig. Es war nicht nur Bergers Gemüt, das am Wochenende litt, sondern auch das Image der Churer. Es gehe ihm am Champy-Cup nicht um Eigenwerbung, sondern nur ums Sportliche, rechtfertigt sich der Trainer.
Schadensbegrenzung am Sonntag
Immerhin zeigte Chur am Sonntag im Spiel gegen den letzten Platz Charakter. Berger hatte seine Emotionen im Griff, er stand diesmal auch hinter der Bank und erteilte Anweisungen, wie es sich für einen Trainer gehört. Patrick Kellenbergers Paraden im dennoch verlorenen Penaltyschiessen zauberten ihm sogar kurzzeitig ein Lächeln ins Gesicht. Der Abschluss des Turniers misslang zwar resultatmässig, weil sämtliche Churer Penaltyschützen scheiterten. Aber der Auftritt taugte, um das angekratzte Image einigermassen zu korrigieren.
Malans in anderer Liga
Zum direkten Vergleich der beiden Bündner Rivalen kam es in Maienfeld nicht. Weil die Teams derzeit auf einem unterschiedlichen Niveau agieren. Während es bei Chur harzt, setzt Meister Malans scheinbar nahtlos an die letzte Saison an. Nach dem dritten Platz konstatierte Assistenztrainer Patrick Britt zufrieden: «Alle kamen zum Einsatz, alle gaben 100 Prozent Einsatz, und wir verzeichneten eine grosse Steigerung gegenüber Freitag.»
Malans zückte längst nicht alle seine Trümpfe. Und doch war ersichtlich, dass der Titelverteidiger im Kampf um die Pokale in der am 21. September beginnenden Saison erneut ein gewichtiges Wort mitreden wird. Die Neuen fügten sich sehr gut ins Team ein. Der finnische Verteidiger Tommi Aro: souverän und grundsolide. Stürmer Vojtech Skalik (Tschechien): der beste Skorer. Rückkehrer Daniel Kläger: bereit, die Lücke des zurückgetretenen Captains Michael Pfiffner zu schliessen.
Ein positives Fazit durfte auch der OK-Präsident des Champy-Cups, Hermann Eggler, von der Premiere in Maienfeld ziehen: «Ich bin sehr, sehr zufrieden. Im Nachhinein denke ich, hätten wir schon früher in Maienfeld spielen sollen
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"