01.
2021
Mittelholzer: "Frage mich simple Sachen"
Roman Mittelholzer hat mit Waldkirch-St. Gallen die Qualifikation für die Master-Round verpasst. Den Playoff-Traum will der 12-fache Nationalspieler allerdings noch nicht aufgeben. Im Interview spricht der WaSa-Captain über das Spiel gegen Köniz, die Winterzugänge und seine neue Position als Verteidiger.
Obwohl mit der Niederlage gegen Floorball Köniz vom letzten Samstag der Zug für die Master-Round abgefahren ist, dürftest du mit der Leistung deines Teams nicht ganz unzufrieden sein. Ihr konntet das Spiel lange Zeit offen gestalten.
Es war sicher nicht eine schlechte Leistung von uns, Was uns fehlte, war aber wie schon in den letzten Spielen die Effizienz. Die braucht es schlichtweg, um ein Top-Team bezwingen zu können. Wir hatten im ersten Drittel die besseren Chancen - hätten wir eine oder zwei davon genutzt, wäre die Partie vielleicht in eine andere Richtung gelenkt worden.
Nach 45 Minuten stand es nur 1:2, was auf eine gute Abwehrarbeit auf beiden Seiten hindeutet.
Beide haben über weite Strecken taktisch sehr diszipliniert agiert. Zudem waren die beiden Torhüter sehr stark und haben etliche Chancen zu Nichte gemacht. In defensiver Hinsicht können wir uns nichts vorwerfen.
Was habt ihr euch in der zweiten Drittelspause vorgenommen? Weiter am Plan festhalten oder schon mehr riskieren?
Es war ja nur ein Tor. Deshalb wollten wir so weiterfahren, wie in den ersten beiden Abschnitten. Zehn Minuten vor Schluss mussten wir dann aber etwas öffnen. Das erhöhte Risiko hat sich aber nicht ausbezahlt - Köniz nutzte dagegen die freigewordenen Räume brutal aus.
Interessant war eure erste Linie mit Chiplunkar, Jordan, Alder, Schiess und dir - als Verteidiger. Hast du nach dem Meisterschaftsunterbruch eine neue Rolle als Abräumer gefasst?
(lacht) Offiziell wurde ich zuletzt als Verteidiger aufgeführt. Da wir aber ein 1-2-2-System spielen und ich in der zweiten Reihe agiere, würde ich mich eher als Mittelfeldspieler bezeichnen.
Wann kam es zu diesem Wechsel? Du warst jahrelang linker Flügel oder Center...
Die lange Pause wollten wir für neue Sachen nützen. Armin Brunner kam einmal auf mich zu und fragte mich, was ich von dieser Idee halte. Ich war sofort damit einverstanden.
Und, wie gefällt es dir?
Ich spielte jahrelang auf der gleichen Position. Im „hohen Alter" wird man langsam etwas resistent für neue Inputs. Es tut mir von dem her gut, mal aus meinen gewohnten Abläufen auszubrechen. Plötzlich fange ich an, mich ganz simple Sachen zu fragen - das ist sehr spannend und ich bin überrascht, wie schnell ich mich an die neue Position gewöhnen konnte.
Im Spiel mit Ball hat sich für dich nicht viel verändert. Schwieriger dürfte die Umstellung sein, wenn der Gegner tief kommt.
Genau. Als Stürmer kommst du eigentlich nur nach hinten, um zu helfen. Als Verteidiger muss ich nun plötzlich agieren, wenn der Gegner in die Ecke kommt. Wird es chaotisch, habe ich zugegebenermassen noch etwas Probleme mit dem Positionsspiel. Aber es ist auch in physischer Hinsicht ein Unterschied. Es ist agiler, mehr rechts-links, rechts-links.
Über Silvester hat WaSa unter anderem mit Sami Saarinen und Jacob Glas zwei neue Ausländer erhalten. Was bringen sie euch?
Grundsätzlich finde ich es gut, dass wir die Möglichkeit haben, Spieler aus der NLB bei uns aufzunehmen. Die Beiden wurden bei uns sofort akzeptiert. Ich denke, sie verstärken uns vor allem in der Breite und können beispielsweise unsere dritte Linie oder die Special Teams stärker machen.
Mit der Niederlage kann WaSa die Master-Round nicht mehr erreichen, weil Chur und Winterthur noch aufeinandertreffen und damit sicher mindestens einer punkten wird. Aber das dürfte euch egal sein, das Ziel lautet wohl weiterhin Playoffs?
Auf jeden Fall. Klar wollten wir uns in diesen Spielen noch auf den sechsten Platz vorschieben. Wir haben uns in den letzten Jahren stetig gesteigert und wollen das auch in dieser Saison machen. Jetzt müssen wir halt probieren, über die Challenge Round den Sprung unter die ersten Acht zu schaffen.
Das muss ja nicht unbedingt ein Nachteil sein. Ihr dürft nun gegen die fünf schlechteren Teams der Liga spielen. Liegt euch die Rolle des Favoriten mehr als diejenige des Aussenseiters?
Wir kommen immer besser damit zu Recht, das Spiel zu gestalten. Mit Schiess, Alder oder Eschbach haben wir Spieler, die in solchen Partien für viel Offensiv-Gefahr sorgen können. Deshalb bin ich jetzt auch nicht zu Tode betrübt, dass wir die Master-Round verpasst haben. Wenn wir die nächsten fünf Spiele gewinnen, werden wir uns wahrscheinlich für die Playoffs qualifizieren.