10.
2025
Nelio Rottaris: "Anspannung in positive Energie umwandeln"
Am Samstag trug bei Floorball Köniz Bern der junge Düdinger Nelio Rottaris das Topscorer-Shirt. Sein Werdegang ist sehr speziell: Er spielte erst bis zur Stufe U12 Unihockey, setzte dann sechs Jahre voll aufs Tennis und kehrte in der Könizer U21-A zurück aufs Spielfeld.
Am Samstag stellten sich beim ersten Bully die Topskorer gleich nebeneinander auf: Alexander Galante Carlström, der 17 Jahre lang in der SSL im Schnitt über 40 Tore pro Saison schoss und Nelio Rottaris - dritte Saison in der höchsten Liga, bisher total 14 Tore, davon acht in der laufenden Spielzeit. Ein spezielles Gefühl?
Nelio Rottaris: Das einzige Mal wo ich merkte, dass etwas anders ist war kurz vor dem Spiel in der Garderobe, als ich das Leibchen erhielt und merkte, dass ich ohne Rückennummer spielen werde. Sobald ich einen Fuss auf das Spielfeld setze, sind diese Gedanken aber weg und der Fokus liegt voll und ganz auf der Partie. Aber gegenüber jemanden wie Galante zu sehen, ist eine riesige Motivation, selber seine beste Leistung abzurufen.
Stürmer werden gerne an Skorerpunkten gemessen, was manchmal eine Vereinfachung ist - sehen wir aktuell den besten Nelio Rottaris, den es jemals gab?
Ich glaube, das gehört ein bisschen dazu, sich als Stürmer an den Punkten messen zu lassen. Die Trainer betonen aber immer wieder: Das ist ein Kriterium, aber nicht das einzige. Was die Skorerwerte anbelangt, sieht man im Moment sicher die beste Version von mir. Ich hoffe, dass es so weitergehen wird und bin diesbezüglich auch guten Mutes.
Spieler wie Du und Vinz Burren machen einen extrem starken Eindruck aktuell und sind etwas weiter oben im Line Up, als vor der Saison vielleicht erwartet - dennoch hätte wohl niemand etwas dagegen, wenn die vielen Verletzten (zuletzt Hermle, Kainulainen, Willfratt, Michel, die Redaktion) alle mal wieder da wären?
Das ist so, wir hoffen natürlich, dass wir bald einmal vollzählig antreten können. Dadurch gibt es mehr Breite im Team und man hat dementsprechend mehr Möglichkeiten bei den Linienzusammenstellungen. So gesehen, klar: Wir sind froh, wenn die Verletztenliste kürzer wird.
Deine Laufbahn ist wohl völlig unüblich für einen Könizer NLA-Spieler, wie lange hast du genau vom Unihockey pausiert, bevor du in der U21-A wieder angefagen hast? Fünf oder sechs Jahre müssten es sein?
Das ist mir bewusst, dass der Weg sehr speziell ist. Es waren sicher 6 Jahre, in denen ich vom Unihockey pausiert habe. Ich kam im Herbst 2019 auf das erste U21-Jahr hin zurück und der Rückstand machte sich eindeutig bemerkbar. Ich kannte René Berliat (damals U21-Trainer bei Köniz, die Redaktion) schon von früher und er sagte mir, dass er mir die Zeit gibt. So ging es etwa ein bis anderthalb Jahre, bis ich in der U21-A wieder richtig Fuss fassen konnte. Dafür habe ich viel und intensiv trainiert - Spiele zu bestreiten, war am Anfang noch kein Thema. Als einen kompletten Unterbruch würde ich es aber nicht bezeichnen, im Tennis konnte ich mich in anderen Bereichen extrem weiter entwickeln, vor allem mental und physisch. Das hat mir danach geholfen, den Weg so weiterzugehen, wie er jetzt bis in die UPL geführt hat.
Wenn man an jemanden denkt, der auf hohem Niveau Tennis gespielt hat, kommt der Gedanke: Du bist mental sicher sehr stark. Trifft das zu? Bist du jemals nervös vor einem Spiel?
Genau, das ist ein wichtiger Punkt. Durch das Tennis wurde ich mental sehr stark. Es ist ein Einzelsport und der Druck ist ganz anders. Man steht ganz alleine auf dem Feld, reist von Turnier zu Turnier und weiss: Wenn ich gewinne, komme ich weiter, wenn ich verliere, muss ich wieder nachhause. Es ist wirklich eine andere Belastung als im Unihockey und darum würde ich sagen, dass das Mentale sicher eine Stärke von mir ist. Zum Thema Nervosität muss ich trotzdem sagen: Ein bisschen Anspannung braucht es vor jedem Spiel. Ich kann aber gut damit umgehen und diese Anspannung in positive Energie umwandeln. Ich denke, das ist der Unterschied.
Schonmal daran gedacht, wie cool es wäre den Superfinal in Fribourg zu spielen? Der familiäre Bezug wäre ja offensichtlich (Nelios Vater Mario Rottaris war lange Captain von Fribourg-Gottéron, seine Rückennummer hängt in der BCF Arena unter dem Hallendach, die Redaktion).
Das ist ein riesiges Ziel und auch ein Traum - erstens den Superfinal überhaupt einmal spielen zu dürfen, und zweitens, wenn es in der Freiburger Arena möglich ist, wäre das noch einmal ein Zückerchen obendrauf, das so ein Spiel zu einem ganz besonderen Moment machen würde.
Am Samstag fand neben Wiler-Köniz mit Gottéron-Bern noch ein zweites Derby statt - wie ist da jeweils die Stimmung im Team? Deine "Fribourger Fraktion" befindet seit einiger Zeit gegenüber der "SCB-Fraktion" mit Headcoach René Berliat im Hoch... Eher ein Thema, das verdrängt wird oder Anlass für freundschaftliche Sticheleien?
Sicher kein Tabuthema, wir diskutieren viel über Eishockey und gerade mit ein paar Trainern und Mitspielern, da trifft es die Bezeichnung "freundschaftliche Stichelei" sehr gut. Wobei man auch sagen muss, dass der Konter am Ende immer der gleiche ist, wegen den Null Meistertiteln von Gottéron. Da gibt es leider nicht viel zu entgegnen. Aber wir nehmen es alle mit sehr viel Humor.