25.
05.
2006
NLA Männer | Autor: Boesch Klaus

Schweiz weiter ungeschlagen

Die Schweiz knöpft als erstes Team überhaupt Schweden während einer WM einen Punkt ab. Nun treffen die Eidgenossen am Samstag im Halbfinale auf Finnland.
Schweiz weiter ungeschlagen

Time-out
Er sei enttäuscht, sagte Nationaltrainer Markus Wolf nach dem Remis gegen den fünffachen Weltmeister Schweden: „Unser Ziel war der Gruppensieg.“ Darum nahm er 41 Sekunden vor Spielende seinen Torhüter Roger Tönz vom Feld, um mit einem sechsten Feldspieler noch den Siegtreffer erzielen zu können. Fast wäre es gelungen – Matthias Hofbauers Schuss verfehlte sein Ziel wenige Sekunden vor Abpfiff nur knapp. Hätte er getroffen, wäre die Schweiz im Halbfinale auf Tschechien getroffen. Für Wolf kein Problem: „Wenn wir in den Final wollen, müssen wir jeden Gegner bezwingen.“ Auf Finnland freut er sich trotzdem: „Wir haben viermal nicht gegen sie verloren, sie liegen uns.“ Schweden trifft nun im Halbfinale auf Tschechien. Nationaltrainerin Kristina Landgren Carestam wirkte ratlos nach dem überraschenden Punktverlust: „Wir müssen einiges analysieren heute abend.“ Vor allem die schwachen Abschlüsse ihrer Stürmer gaben Landgren Carestam zu denken: „Wir brauchen zu viele Chancen für ein Tor.“

Schweizer Beton

Wolf hatte seine Antipodin mit einer sehr defensiven Aufstellung überrascht. Die Schweizer spielten nicht wie erwartet eine Manndeckung über das ganze Feld, sondern zogen sich bei den Schwedischen Angriffen sehr weit in die eigene Platzhälfte zurück. Mit Kontern wollten sie zum Erfolg kommen. „Wir wussten, dass die Schweden trotz guten Einzelspielern in der Abwehr nicht so gut stehen.“ Trotz der Defensivtaktik lagen die Schweizer bis zur 40. Minute 1:3 im Rückstand. Im Startdrittel bekamen sie die erste schwedische Formation mit Niklas Jihde, Martin Olofsson und Anders Hellgard nicht in Griff – zweimal (10./14.) nutzte Jihde den Freiraum. Michael Zürchers 1:2 in der 24. Minute beantwortete Peter Fischerström neun Sekunden vor der zweiten Pause mit dem dritten schwedischen Treffer. Notabene in Unterzahl – sein Drehschuss passte haargenau ins rechte obere Toreck.

Schnelle Tore

Ausgleich
Im Schlussabschnitt drehten die Schweizer aber gehörig auf. Mit drei Treffern innert zwei Minuten kehrten sie die Partie. Erst passte Andreas Cadisch überraschend zu Patrick Bachmann, danach traf Adrian Zimmermann nach einem Konter und schlussendlich setzte Simon Stucki einen Freistoss ins Tor von Niklas Olofsson. Die Schweden waren irritiert und verstärkten ihr Forechecking – die Schweizer Abwehr rund um den starken Goalie Roger Tönz stand aber sicher. Erst einen Weitschuss von Hellgard in der 56. Minute musste er passieren lassen. Ex-Teamkollege Martin Olofsson hatte ihm geschickt die Sicht genommen. Zu mehr reichte es nicht mehr.

Stammspieler geschont

Überraschend war der Schweizer Erfolg auch deshalb, weil einige wichtige Teamstützen wie Christoph Hofbauer und Daniel Bill nur auf der Ersatzbank sassen, Captain Marcel Kaltenbrunner sass gar zu Schonungszwecken nur auf der Tribüne. Marc Dysli schlüpfte in die Rolle des Abwehrchefs und spielte seine beste Partie an dieser Weltmeisterschaft. Auch Matthias Hofbauer steigerte sich ohne seinen Bruder kontinuerlich und war vor allem defensiv überragend. „Spass haben“ wünschte Naticoach Wolf seinen Spielern vor der Partie. Dieses Motto sollten seine Schützlinge auch am Samstag beherzigen.


Schweden - Schweiz 4:4 (2:0, 1:1, 1:3)
Baltiska hallen, Malmö (SWE) - 2477 Zuschauer
SR: Riihimäki/Sirkka (FIN)
Tore: 09:55 N. Jihde (A. Hellgard) 1:0, 13:29 N. Jihde (P. Fischerström) 2:0, 23:16 M. Zürcher (A. Zimmermann) 2:1, 39:51 P. Fischerström 3:1, 42:16 P. Bachmann (A. Cadisch) 3:2, 42:28 C. Hofbauer (M. Zürcher) 3:3, 44:50 S. Stucki (M. Gerber) 3:4, 53:46 A. Hellgard (P. Fischerström) 4:4
Strafen: 18:45 H. Quist 2', 24:39 J. Gustafsson 2', 34:03 H. Lohrendahl 2', 39:24 M. Svensson 2'
Schweden:N. Olofsson; Fischerström, Quist; Lorendahl, Larsson; Kranberg, J. Olofsson; Jihde, Hellgard, M. Olofsson; Hedlund, Gustafsson, Vesterlund; Calebsson, Djurling, Svensson
Schweiz:Tönz; Flury, Schneeberger; M. Gerber, Dysli; Rohner, R. Gerber I; M. Hofbauer, Zürcher, Zimmermann; Brunner, Stucki, Aeschlimann; Cadisch, Bachmann, Weingart; Ch. Hofbauer
Bemerkungen:Schweden ohne Domeij, Eskelinen, Berggren (alle überzählig), Schweiz ohne Wolf, Kaltenbrunner (beide überzählig) und Krähenbühl, Roger Gerber II (beide verletzt)
Beste Spieler: Fischerström / Tönz

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