11.
2008
Schweizer schnuppern an Sensation
56.30 zeigte die Anzeigetafel an, als Schwedens Verteidiger Olle Thorsell noch einmal kräftig Anlauf holte auf Höhe der Mittellinie und zum Weitschuss ansetzte. Immer länger wurde dieser und der Ball flog an Freund und Feind vorbei ins Schweizer Tor zum 3:3 Ausgleich. Ausgerechnet Thorsell, der seit Jahren in der Schweiz wohnt, perfekt Schweizerdeutsch spricht und nach eigenen Angaben sich bald wie ein halber Schweizer fühlt, liess die Hoffnungen auf einen Schweizer Sieg gegen Weltmeister Schweden platzen. Und es wäre nicht einfach „ein Sieg" gewesen, sondern der erste gegen Schweden.
Schweizer Nati "angekommen" in Kuopio
Dass die Schweizer bis zur 57. Minute auf einen Sieg hoffen durften, lag vor allem an der eklatanten Leistungssteigerung gegenüber dem Finnland-Spiel von gestern. „Wir waren wohl nach der späten Ankunft und dem harten Trainingslager in Magglingen noch nicht bereit", erklärte Adrian Zimmermann, welcher sich verletzt als Kameramann betätigte. Bereit waren die Schweizer tatsächlich, trotzdem führten die Schweden nach den ersten 20 Minuten völlig unverdient mit 2:0. Aufwand und Ertrag standen dabei in keinem Verhältnis, doch im Gegensatz zu den Skandinaviern vergaben die Schweizer ihre Torchancen gleich mehrmals.
Schweiz Top, Schweden Flop
Der Vorsprung machte die Schweden aber träge, noch viel träger als sie in die Partie gestartet waren. Teilweise erinnerte ihr Auftritt an Arbeitsverweigerung. Die Eidgenossen hingegen spürten, dass an diesem Abend etwas zu holen ist. Erst traf Emanuel Antener im Powerplay (33.) und danach Patrick Mendelin 14 Sekunden vor der zweiten Pause. Im letzten Drittel schoss Michael Zürcher nach einem Konter in der 49. Minute sogar 3:2 in Führung. Die Schweden hatten bis dahin aber die Temposchraube im letzten Drittel stark angeschraubt. Trotzdem zeigten sie erstaunliche Schwächen im Abschluss. In alle Richtungen flogen ihre Abschlüsse und was aufs Tor kam, wurde zur sicheren Beute von Philipp Gerber.
Starkes Schweizer Kollektiv
Der Langnauer Goalie stand am Anfang der verbesserten Schweizer Leistung. Wie immer katzenartig brachte er auch die hochgelobten Schwedischen Stürmer zur Verzweiflung. Aus dem starken Schweizer Kollektiv - wo neben Zimmermann auch Matthias Hofbauer (krank) und Simon Bichsel (verletzt) kurz vor der Partie Forfait geben mussten - ragten Roger Gerber und Joel Krähenbühl heraus. Gerber sprühte wieder vor Spielfreude, während der wuselige Krähenbühl den schwedischen Verteidigern Knoten in die Beine lief. Ebenfalls gute Noten verdiente sich wieder die dritte Linie, welche (vor allem dank Antener) im letzten Drittel mehrmals nahe an einem weiteren Schweizer Treffer war. Morgen um 14:30 Uhr treffen die Schweizer im letzten Spiel dieses Turniers auf Tschechien.
Schweden - Schweiz 3:3 (2:0, 0:2, 1:1)
Kuopiohalli, Kuopi (FIN). - 700 Zuschauer. - SR Tuomi/Suvanto (FIN).
Tore: 10. Eskelinen (Calebsson) 1:0. 19. Carlsson (Hagberg) 2:0. 33. Antener (Cadisch/Ausschluss Calebsson) 2:1. 40. (39.46) Mendelin (Krähenbühl) 2:2. 49. Zürcher (Bill) 3:2. 57. Thorsell (Djurling) 3:3.
Strafen: je 1-mal 2 Minuten.
Schweden: Ramsin; Eskelinen, Wallgren; Thorsell, Samuelsson; Asp, Dahl; Calebsson, Emanuelsson, Svensson (21. Djurling); Carlsson, Johansson, Gillek; Andersson, Hagberg, Boden.
Schweiz: Philipp Gerber; Dysli, Bill; Markus Gerber, Jungo; Flury, Kamaj (21. Riederer); Christoph Hofbauer, Brunner, Zürcher; Krähenbühl, Roger Gerber, Mendelin; Antener, Stucki, Cadisch.
Bemerkungen: Schweden ohne Jihde, Sjögren (beide nicht eingesetzt), Schweiz ohne Zimmermann, Bichsel (beide verletzt), Matthias Hofbauer (krank) und Tönz (nicht eingesetzt).