01.
2014
Schwitzen gegen das Leiden
Seit fünf Wochen ist Tim Braillard bei Alligator Malans infolge eines Autounfalls nur noch Zuschauer. Der 21-jährige Stürmer hofft, während den Play-offs aufs Feld zurückzukehren. Doch dafür muss auch sein angeschlagenes Team genesen.
Während die Teamkollegen im Training nach Wegen aus dem Formtief suchen, ist Tim Braillard in diesen Tagen ein Solist. Der 21-jährige Nationalstürmer, der seit Mitte Dezember verletzt ausfällt, arbeitet im Kraftraum der «Physioluuk» des Team-Physiotherapeuten Luuk in't Zand zielstrebig an seinem Comeback.
Dass Braillard mit einer Rückkehr noch in dieser Saison liebäugeln darf, konnte vor gut einem Monat nicht erwartet werden. Am 7. Dezember war der Kübliser auf dem Weg zur Teambesammlung vor dem Auswärtsspiel bei Köniz in einen Autounfall verwickelt und verletzte sich am Rücken. Er hatte Glück im Unglück. Die Ärzte diagnostizierten eine Kompression zweier Rückenwirbel, und schon bald erhielt er die Gewissheit, ohne bleibende Schäden davonzukommen. Das Korsett, das er zwei Monate lang tragen muss, und die monatelange Unihockey-Zwangspause: ein vergleichbar kleines Übel.
Kein unnötiges Risiko
«Die Erleichterung über den positiven ärztlichen Bescheid war gross», erzählt Braillard. Der Unfall habe ihm aufgezeigt, dass es Wichtigeres gebe als den Sport. Nichtsdestotrotz hofft er auf eine baldige Rückkehr aufs Unihockeyparkett, am liebsten schon Ende Februar während den Play-offs. «Riskieren tue ich aber mit Sicherheit nichts», versichert Braillard.
Als Patient kann derzeit auch Braillards Team bezeichnet werden. Die Alligatoren gerieten nach der letzten Meistersaison und dem starken Champions Cup im Oktober in ein Loch, aus dem sie bis heute nicht herausgefunden haben. Dabei stehen kapitale Wochen vor der Tür: Morgen wird der verschobene Cup-Halbfinal gegen Wiler-Ersigen nachgeholt (18 Uhr, Turnhalle Lust, Maienfeld). Tags darauf steht das letzte Spiel der Qualifikation gegen Uster (17 Uhr, Maienfeld) auf dem Programm, ehe es ab dem 5. Februar in den Play-offs ernst gilt.
Die laufende Saison bezeichnet Braillard wenig überraschend als eine mit starken Hochs und Tiefs. «Der Champions Cup im Oktober übertraf alles. Danach gerieten wir in ein Tief, und die Berg- und Talfahrt hielt bis zum Jahreswechsel an.» Auch Braillard ortet das derzeitige Hauptproblem seiner Mannschaft im Kopf. Was die Alligatoren in der letzten Saison unbesiegbar machte, ist ihnen im laufenden Championat einige Male zum Verhängnis geworden: die auf dem grossen Selbstvertrauen fussende Selbstverständlichkeit des Siegens. «Die ‘Irgendwie-machen-wirs-dann-schon-noch'-Einstellung reicht im Moment nicht mehr», so Braillard.
Ins Grübeln geraten
«Nach einigen schwachen Partien gerieten wir ins Grübeln», gesteht Braillard, «aber der Glaube daran, dass wir den Schalter rechtzeitig umlegen können, ist zu 100 Prozent da.» Der morgige Cup-Halbfinal gegen Wiler-Ersigen könne zum Beispiel schon viel bewirken, glaubt Braillard. «Es ist ja nicht so, dass alles schlecht wäre. Ich glaube, im Moment ruft einfach kaum einer von uns das ab, was er eigentlich kann.»
Noch muss der rekonvaleszente Offensivspieler von den Zuschauerrängen aus mitverfolgen, ob die Malanser den Schalter umlegen können - etwas, woran er sich gewöhnen musste: «Nur als Zuschauer dabei zu sein ist hart, vor allem wenn es dem Team nicht läuft.» Nicht nur deshalb hofft Braillard auf siegreichere Tage. Denn: Wenn Malans den Tritt rechtzeitig findet und die Play-off-Viertelfinals übersteht, erhöhen sich die Chancen, dass er in dieser Saison noch einmal ins Geschehen eingreifen kann.