02.
2014
Sterbebett oder Auferstehung?
Die sonntägliche Spielabsage hat im Bündner Play-off-Derby die Gemüter erregt. Malanser Anhänger zweifeln an den Gründen der Churer, die zur Verschiebung der fünften Partie führten. Dabei geht Chur wohl tatsächlich auf dem Zahnfleisch.
Cornel Ehrler klingt leicht verstimmt, als er den Telefonhörer abnimmt. Ihm sind die Diskussionen um die sonntägliche Absage der vierten Play-off-Partie zwischen Chur Unihockey und Alligator Malans wegen zu vieler kranker und verletzter Spieler im Lager der Churer hörbar leid, vor allem den Vorwurf, Chur habe sich durch die Absage einen Vorteil verschaffen wollen. «Ich will keine Polemik», sagt Ehrler, «aus Rücksicht auf Malans haben wir uns deshalb damit einverstanden erklärt, dass die Partie am Freitag nachgeholt wird. Ich will nicht, dass es heisst, wir hätten von der Verschiebung profitieren wollen.» Auf der Malanser Facebook-Fanpage kursierten am Tag der Spielabsage Vorwürfe, die in diese Richtung zielten.
«Wir haben dem Freitag zugestimmt, obwohl wir lieber am Donnerstag gespielt hätten», fährt Ehrler fort. Hätten sie auf dem Donnerstagtermin beharrt, hätte eine Kommission des Verbandes bestimmt, wann gespielt wird. Darauf liessen es die Churer nicht ankommen. Unabhängig davon, an welchem Wochentag die Begegnung nachgeholt wird, ist die Verlegung auch für Chur mit Nachteilen verbunden, wie Ehrler betont: «Der Freitag ist im Vergleich zum Sonntag ein Verlustgeschäft.»
Krank, angeschlagen, verletzt
Den Vorwurf, die Churer wären am Sonntag in der Lage gewesen, aufzutreten, weist Ehrler von sich. Es sei unmöglich gewesen, eine kompetitive Mannschaft zu stellen, sagt er. «Acht Spieler waren krank, angeschlagen oder verletzt.» Die einen plagten Magendarmprobleme, andere die Grippe, Joel Hirschi hat eine Lungenentzündung und fällt wohl auch in den kommenden Spielen aus, andere waren verletzt oder sind es nach wie vor. «So hätten wir keine Chance gehabt.» Gemäss Reglement besteht ab sieben Ausfällen das Recht, die Partie - nach Vorweisen der ärztlichen Zeugnisse - zu verschieben. Der Stadtklub hat sich also nichts zuschulden kommen lassen.
Genährt werden die Spekulationen im Lager des Malanser Anhangs indes vom Umstand, dass die Churer aus den Namen der betroffenen Spieler ein Geheimnis machen. Seltsam mutet auch an, dass am Sonntag im Zuge der Absage zahlreiche Churer Akteure mit der U21 im Einsatz standen und dort Malans mit 7:2 bezwangen. Aber eben: Zur eigentlichen Sache tun diese Nebenschauplätze nichts.
U21-Abstecher mit Folgen
Dumm nur für Chur, dass Nicola Bischofberger wegen seines Einsatzes in der U21 frühestens am Sonntag wieder spielberechtigt ist. Der Stammverteidiger des Fanionteams erhielt in der U21-Partie eine Matchstrafe, die auch in der NLA wirksam ist - wegen einer nicht reglementskonformen Schaufel respektive, weil er sich vor der von den Malansern anbeorderten Kontrolle an dieser zu schaffen gemacht hatte. Nebenschauplatz Nummer 4 sozusagen.
Was zeigt uns die Aufregung abseits der eigentlichen Bühne? In erster Linie, dass das Bündner Derby auch dann viel Zündstoff beinhaltet, wenn es auf dem Spielfeld gesittet zu- und hergeht. Auf diesem hielten sich die Scharmützel in den ersten vier Partien im Rahmen. Und auf diesem besitzt Alligator Malans vor der morgigen Nachholpartie (20 Uhr, Gewerbliche Berufsschule) drei Matchbälle zum Halbfinaleinzug. Theoretisch ist aber auch ein anderes schönes Szenario möglich: Erlebt der vermeintliche Patient auf dem Sterbebett eine wundersame Auferstehung, stünden in den folgenden drei Tagen gleich drei Duelle auf dem Programm. Einen besseren Beweis dafür, dass Chur tatsächlich an Krücken geht, gibt es wohl nicht.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"