Same procedure as every (second) year: Schweden wird zum sechsten Mal Weltmeister. In einem dramatischen Spiel gewinnen sie den WM-Final vor 12'325 Zuschauern gegen Finnland in der Verlängerung mit 7:6.
Zwischen „Himmel und Hölle“ habe sie sich gefühlt, erzählte die abtretende Schwedische Nationaltrainern Kristina Landgren Carestam bei der Pressekonferenz nach dem dramatischen Finalspiel. Klitschnass waren ihre Haare von der „Weltmeisterdusche“, fast wären sie wohl gefroren, als der finnische Coach Petteri Nykky den Raum betrat. Mit versteinerter Mine nahm er Platz, die schwedischen Trainer nicht eines Blickes würdigend. „Das ist Sport. Die Schiedsrichter haben uns zwei Jahre Arbeit zerstört“ waren seine ersten Worte. Er sprach die entscheidende Szene an, die in Finnland wohl noch lange zu reden gibt: Schwedens Henrik Quist war hinter dem Tor in ein Gerangel mit Peik Salminen verwickelt. Dieser zupfte den Schweden an den Haaren, was gross auf dem Videowürfel in Zeitlupe gezeigt wurde. Die Schweizer Refs Thomas Baumgartner und Thomas Kläsi gaben Salminen dafür eine zwei Minuten Strafe, Quist kam ungeschoren davon. „Es wäre nicht gut, wenn ich das kommentieren würde“ zeigte sich Finnlands Captain Jaako Hintikka diplomatischer. In Überzahl passte Daniel Calebsson perfekt zu Magnus Svensson, der volley zur Entscheidung traf (67.).
Frühe finnische Führung
Aus finnischer Sicht soll der schwedische Captain Niklas Jihde die Schweizer Schiedsrichter zu sehr beeinflusst haben, da er in der ersten Drittelspause ohne den finnischen Spielführer mit ihnen gesprochen haben soll. Jihde verneinte, Hintikka gab nur zu Protokoll, dass er nach dem ehemaligen Grasshopper erschienen sei. Wie auch immer – den Fehler sollten die Finnen definitiv bei sich suchen. 3:0 führten sie nach neun Minuten, liessen dann aber nach, was die Schweden bis Spielmitte mit dem 3:3 auszunutzen wussten. Erneut ging Finnland durch Mika Kohonen und Hintikka in Führung, doch das 5:3 kehrte Schweden bis zur 56. Minute in ein 5:6. Calebsson behielt bei einem Penalty die Nerven. Nur eine Minute später glich Wiler-Stürmer Lassi Vänttinen aber bereits wieder aus.
Grossartiges Finalspiel
Die Weltmeisterschaft nahm mit dem packenden Finalspiel vor der grossartigen Kulisse von 12'325 Zuschauern ein würdiges Ende. Die Stimmung und die Intensität waren einmalig. Dass zum sechsten Male Schweden gewann, passte in die Selbstinszenierung des Schwedischen Unihockeys an dieser WM. Nach aussen hatte keiner der schwedischen Vertreter Zweifel an der Titelverteidigung. Man muss ihnen zu Gute halten, dass sie sich im Finale von Minute zu Minute steigerten, während die Finnen nach dem frühen 3:0 vom Weg abkamen. Und wer sich in der Verlängerung zu Tätlichkeiten hinreissen lässt, muss zuerst vor der eigenen Haustüre kehren. Dass der Unihockeysport dringend einen neuen Weltmeister braucht, ist unbestritten. In zwei Jahren werden die Schweiz und Finnland das wahrscheinlich neuaufgebaute Schwedische Team wieder jagen. Wir freuen uns bereits darauf.
Schweden - Finnland 7:6 n.V. (1:3, 2:1, 3:2, 1:0)
Globen, Stockholm (SWE) - 12325 Zuschauer
SR: Baumgartner / Kläsi (CHE)
Tore: 04:53 T. Tiitu (M. Kohonen) 0:1, 07:48 M. Kohonen (Penalty) 0:2, 08:13 T. Tiitu (M. Kohonen) 0:3, 14:48 M. Svensson (A. Hellgard) 1:3, 29:03 C. Vesterlund (D. Calebsson) 2:3, 31:20 P. Fischerström (H. Quist) 3:3, 34:56 M. Kohonen (T. Tiitu) 3:4, 44:46 J. Hintikka (J. Vehkaoja) 3:5, 45:32 N. Jihde (A. Hellgard) 4:5, 52:26 J. Olofsson (D. Calebsson) 5:5, 55:26 D. Calebsson (Penalty) 6:5, 56:29 L. Vänttinen (P. Salminen) 6:6, 67:54 M. Svensson (D. Calebsson) 7:6
Strafen: 13:49 M. Bollström 2', 37:30 C. Vesterlund 2', 66:43 P. Salminen 2'
Beste Spieler: M. Svensson / M. Kohonen