21.
04.
2017
NLA Männer | Autor: Micha Jegge (Berner Zeitung)

"Der Effekt ist gleich null"

Trainer Thomas Berger trifft im Superfinal vom Samstag in der Klotener Swiss-Arena (20.15 Uhr, live auf SRF 2) mit Wiler-Ersigen auf Alligator Malans. Der 48 -Jährige erklärt, warum er kein Freund des Formats ist; er spricht über den mentalen Aspekt und einen Quantensprung.

Thomas Berger ist und bleibt kein Fan des einzelen Finalspiels. (Bild: Fabian Trees)

Berner Zeitung: Am Samstag findet die dritte Auflage des Superfinals statt. Wie beurteilen Sie das Format?
Thomas Berger: Am Anfang war ich im Zwiespalt, weil ich dachte, dass der Superfinal der Sportart marketingmässig etwas bringt. Aus sportlicher Sicht ist die Situation indiskutabel, das Format nicht salonfähig.

Sie sprechen vom Anfang - wie sieht es jetzt aus?
Soweit ich informiert bin, sind die Auswirkungen auf der Marketingseite irrelevant. Der Anlass wurde zweimal durchgeführt, der Effekt ist gleich null. Die Medienpräsenz ist nicht gestiegen, der Kreis der Zuschauer nicht viel grösser geworden; es sind nach meinem Wissensstand kaum Externe dazugekommen. Krass ausgedrückt, ist es auch mit Superfinal eine Inzuchtveranstaltung.

Trotzdem findet das Männerspiel am Samstag erstmals zur Primetime statt. 20.15 Uhr, live auf SRF 2: Weist das nicht darauf hin, dass Unihockey als Sportart salonfähig geworden ist?
Die Eishockeymeisterschaft ist zu Ende, im Fussball bietet sich gerade nichts an. Bei der ersten Austragung begann das Spiel mit Verspätung, weil Giulia Steingruber noch einen Sprung absolvierte. Das zeigt den Stellenwert auf. Ob die Primetime zu einer höheren Einschaltquote führen wird, wage ich zu bezweifeln. Zur Primetime laufen auch auf andern Kanälen viel beachtete Sendungen.

Ihre Gesamtbeurteilung fällt ziemlich negativ aus.
Mittlerweile schon, ja. Fallen am Spieltag drei, vier wichtige Spieler krankheitsbedingt aus, hast du keine Chance, den Titel zu gewinnen. In einer Serie setzt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die bessere Mannschaft durch, in einer einzelnen Partie spielt das Glück eine wesentlich grössere Rolle.

Ist die Ausgangslage gleich wie vor dem Cupfinal oder sehen Sie Unterschiede?
Der Stellenwert des Superfinals ist deutlich höher. Ansonsten ist die Ausgangslage vergleichbar.

Worin besteht in der Vorbereitung die grösste Herausforderung?
Es geht um die mentale Komponente, um das Ausblenden der speziellen Rahmenbedingungen. Rein sportlich sind wir bereit, haben wir alles Nötige getan.

Im Unterschied zu Gegner Malans haben Sie mit Matthias Hofbauer, Tatu Väänänen und Adrian Zimmermann drei Mittdreissiger im Team, welche immer noch zu den Leistungsträgern gehören. Wie wichtig ist Erfahrung in dieser Situation?
Ich glaube, das ist eine individuelle, mehr mit der Persönlichkeit als mit dem Alter zusammenhängende Geschichte. Wichtig ist vor allem, dass der Spieler mit Drucksituationen umgehen kann.

Was in Ihrer Equipe Patrick Mendelin zum Schlüsselspieler werden lässt.
Er kann ein sehr wichtiger Faktor werden, aber eben nicht des Alters wegen. Sondern weil er Mendelin ist, weil er sich auch von 20 000 Zuschauern nicht beeindrucken liesse.

In Ihrer ersten Amtszeit bei Wiler-Ersigen gewann die Mannschaft sechs von sieben möglichen Meistertiteln. In dieser Saison, der ersten in ihrer zweiten Amtszeit, hat sie die Qualifikation auf Rang abgeschlossen. Sehen Sie zwischen damals und heute mehr Parallelen oder Unterschiede?
Wir hatten nach der letzten Saison (Out im Viertelfinal; die Red.) nicht erwartet, dass wir ganz vorne stehen würden. Sicher, in den letzten Monaten ist bei uns vieles gut gelaufen. Anderseits kann es auch sein, dass das Niveau insgesamt nicht mehr so hoch ist wie vor fünf, sechs oder sieben Jahren.

Heisst das, die Ausgeglichenheit der letzten drei, vier Jahre beruht nicht auf stärker gewordener Konkurrenz, sondern auf einer schwächeren Phase Wiler-Ersigens?
Das ist schwierig abzuschätzen. Ich habe länger mit Olle Thorsell (früher Spieler, nun Assistenztrainer) über dieses Thema diskutiert. Wir sind der Meinung, dass wir mit unserem besten Team aus dem letzten Jahrzehnt die heutige Mannschaft deutlich schlagen würden. Was den Schluss zulässt, dass Wiler-Ersigen etwas schwächer, die Konkurrenz hingegen etwas stärker geworden ist. Die obere Hälfte der Liga ist dadurch zusammengerückt.

Hat sich das Spiel verändert?
Physisch bewegen sich mittlerweile alle auf sehr hohem Level. Es wird zuweilen wesentlich härter gespielt als früher, wenn auch nicht auf eine gesunde Art. Aber wirklich weitergekommen sind wir unter dem Strich nicht.

Warum nicht?
Wir bewegen uns alle am Limit. Wenn wir aus den Spielern mehr herausholen wollen, müssen wir sie stärker belasten ...

... was nicht möglich ist, weil sie Amateure sind.
Der nächste Schritt wäre die Entlastung der Spieler, damit diese mehr Zeit und Energie in den Sport investieren könnten. Kriegen wir das nicht hin, bleiben wir stehen. Das Kernproblem ist, dass es sich beim nächsten Schritt um einen Quantensprung handelt.

Wie sähe dieser aus?
Wir müssten einem ganzen Kader, also mindestens zwanzig Leuten, den Halbprofistatus ermöglichen. Was nur realistisch wäre, wenn es uns gelänge, das Budget im Minimum zu verdoppeln.

Sie sprechen im Konjunktiv.
Womöglich ist dieser Schritt für das Unihockey zu gross. Die Handballer hätten wohl das gleiche Problem, wenn nicht ein paar Leute mit Handballvergangenheit bei grossen Firmen in einflussreichen Positionen sässen. Dem Unihockey fehlt die Verankerung in der Wirtschaft.

Mittlerweile fehlen auch Zuschauer; bei Wiler-Ersigen sind sicher zehn Prozent weniger Leute in der Halle als im letzten Jahrzehnt. Warum ist das so?
Ich weiss es nicht, aber es erstaunt mich. In keinem anderen Mannschaftssport ist derart viel «Action» verpackt. Beim Eishockey schlafe ich manchmal fast ein. Da gibt es vier Bullys und drei Wechsel, ohne dass etwas Spannendes passiert. Wir hätten ein Topprodukt, aber es schaut kaum einer hin.

Freuen Sie sich trotzdem auf Samstag?
Natürlich. Solche Spiele hast du nicht oft im Leben. Riesenambiente, Riesenshow. Schön, dass man Teil davon sein darf. Für den Einzelnen ist der Anlass ein Supererlebnis, der Sportart scheint er aber nicht zu helfen.

Interview: Micha Jegge (Berner Zeitung)

Hotz#12 77.3.202.166

11:55:03
26. 04. 2017
Thomas Berger arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich im Unihockey und seine Meinung hat daher viel Gewicht. Seine Anmerkungen zum heutigen Niveau der NLA,dem sportlichen Wert eines Superfinals teile ich uneingeschränkt. Beim Marketingeffekt sehe ich die Sache etwas anderst.Das Schweizer Fernsehen und der Verband gehen hier einen spannenden, wenn auch risikoreichen, Weg. Aber, und da bin ich wieder bei Thomas Berger, mit dem nächsten Schritt, Halb oder gar Vollprofis im Unihockey, steht und fällt das Produkt bzw. die Qualität des Spieles.

@r27 134.21.55.49

13:47:15
25. 04. 2017
Das Interview hätte man im Jahr 2013 so abdrucken können, da waren wohl noch einige Aussagen wahr! Aber statt nur zu motzen, sind Leute gefragt die etwas VERBESSERN wollen und da sind wir mit dem Superfinal auf dem richigen Weg. Der Querverweis zum Handball ist somit auch gut gewählt, wenn wir die Sportart einem breiten Publikum bekannt machen wollen, muss man einfach einen gehörigen Batzen Geld in die Hand nehmen - Eventspiele wie vom HCR sind cool, aber schon wenn das Datum ein halbes Jahr im Voraus bekannt ist, ein riesen Aufwand.

r27 46.127.86.51

09:56:46
23. 04. 2017
Er hat mit jedem Satz Recht. Auch wenn die übrigen Kommentatoren hier das nicht wahr haben wollen. Klar tönt "Inzucht, Priorität zwei, Effekt null" drastisch. Nur: Wo bitte zeigt sich das Gegenteil? Beispiel: Freitag gibt su und srg die Zusammenarbeit bekannt, Samstag nachmittags bin ich weg, habe aber den Damenfinal programmiert zur Aufnahme, und Samstag abend die Enttäuschung: Auf dem Video ist halt FedCup...

Tömu 178.197.234.96

12:09:26
22. 04. 2017
Thomas sollte einfach nichts mit Sport zu tun haben ... motzt seit Jahren nur rum und zeigt keine Loyalität

eiswolf

10:22:53
22. 04. 2017
Das der Effekt gleich null ist würde ich stark bestreiten. Immerhin können so die Leute in der Unihockeyszene abgeholt werden (der Superfinal ist seit 3 Jahren ein Teamevent) und das Fernsehen strahlt tolle Bilder von einem schnellen Sport in einer vollen Arena aus. Das es sportlich hart sein kann ist klar, habe mich auch aufgeregt als Köniz letztes Jahr die ganze Meisterschaft in einem Drittel vergeigte. Nur mit jammern kommt man einfach nicht weiter.

@Mika 5.149.36.21

22:16:24
21. 04. 2017
Ja 2 Stunden danach auf Unihockey.ch, in der Berner Zeitung wurde das Interview jedoch am morgen publiziert.

Mika 188.226.213.28

21:57:08
21. 04. 2017
"Playoffs ab 2018 auf SRF zu sehen". 2 Stunden später "Der Effekt ist gleich null". Ja, Thomas, Dir ist nicht mehr zu helfen. Nicht der Sportart.
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3.Floorball Fribourg+2946.000
4.Pfannenstiel Egg+138.000
5.Ticino Unihockey+1235.000
6.UHC Grünenmatt+133.000
7.Unihockey Langenthal Aarwangen-1133.000
8.Ad Astra Obwalden-229.000
9.I. M. Davos-Klosters-4323.000
10.Regazzi Verbano UH Gordola-5619.000
11.UHC Lok Reinach-2418.000
12.Unihockey Limmattal-4717.000
1.Floorball Uri+5946.000
2.Aergera Giffers+836.000
3.Nesslau Sharks+1533.000
4.Chilis Rümlang-Regensdorf+1333.000
5.UH Appenzell+1230.000
6.UH Lejon Zäziwil+323.000
7.Unihockey Basel Regio-2222.000
8.UHC Bremgarten-3820.000
9.Visper Lions-2217.000
10.Red Lions Frauenfeld-2810.000

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