17.
03.
2022
NLA Männer | Autor: Güngerich Etienne

"Waren im Stolz verletzt"

Nach einer Baisse zu Jahresbeginn und einem verpatzten Start in die Playoffs hat sich Alligator Malans im zweiten Spiel der Serie gegen Zug eindrücklich zurückgemeldet. Die letzten drei Partien entschieden die Herrschäftler mit einem Torverhältnis von 25:3 für sich. Einen grossen Anteil am Umschwung hat der wieder zur Topform zurückgefundene Dan Hartmann.

Dan Hartmann hat in den Playoffs wieder zu seiner Bestform gefunden. (Bild: Erwin Keller)

Nach dem Jahreswechsel konnte der UHC Alligator Malans aus den letzten sieben Qualifikationsspielen nur noch deren zwei gewinnen - und rutschte in der Tabelle bis auf den sechsten Rang ab. Die gute Ausgangslage für die Playoffs und der Heimvorteil waren dahin, dazu kam das Cup-Aus im Halbfinal gegen Winterthur. Auch der Start in die Viertelfinal-Serie gegen Zug misslang dem Team von Pius Caluori, doch dann kam in Spiel 2 die grosse Wende: mit 4:0 wurden die Zentralschweizer vor eigenem Publikum besiegt. Am letzten Wochenende legten die Alligatoren ein 12:3 sowie ein 9:0 nach. Der Halbfinal-Einzug ist wieder in Griffnähe.

Sinnbildlich für die Wiederauferstehung der Malanser steht Dan Hartmann. Nach zwei schwierigen Saisons, in dem der Nationalspieler immer wieder mit einer hartnäckigen Verletzung zu kämpfen hatte, fand er just auf die entscheidenden Spiele zu seiner Top-Form zurück. Zweimal Doppeltorschütze in den ersten beiden Begegnungen, zweimal ein Hattrick in Spiel 3 und 4 - macht 10 Tore in vier Spielen. Grund genug, beim 25-jährigen Center nachzufragen, warum es plötzlich wieder läuft.


Wir fragen gleich direkt: hast du vor den Playoffs etwas Spezielles gegessen?
Em, nein. Nicht wirklich.

Die Frage kommt, weil du in den letzten vier Spielen zehn Mal getroffen hast. Das ist so viel, wie in den ganzen letzten beiden Saisons.
Es hat einfach angehängt - nicht nur bei mir, sondern beim ganzen Team. Mit jedem Tor steigen das Selbstvertrauen und die Lockerheit. Momentan stimmt bei uns auch die Linienkonstellation.

Du hast zwei nicht ganz einfache Spielzeiten hinter dir, bist lange deiner Form nachgerannt. Es hiess, du hättest Verletzungsprobleme. Was genau war es?
Die Hüfte machte mir oft zu schaffen, es gab immer wieder Reibungen. Mal ging es eine Zeit lang gut, dann kamen wieder die Schmerzen. Es war eine langwierige Sache, die mich immer wieder leicht zurückgeworfen hat. Es war mühsam und mental frustrierend, nur Stückweise trainieren zu können.

Hätte diese Verletzung nicht mit einer Operation in den Griff gekriegt werden können?
Das war für mich nie eine Option. Wir haben die Beschwerden auf konservativem Wege in den Griff bekommen. Mit gezielten Übungen in der Physiotherapie, Osteopathie und Akkupunktur. Wenn ich wieder Schmerzen verspüre, gibt es nun keinen Grund mehr, in Panik auszubrechen - weil ich weiss, von wo sie kommen und dass nichts weiter passieren wird.

Du hast mit deinen Toren die Wiederauferstehung der Alligatoren eingeleitet. Was war noch der Grund, warum ihr nach dem schlechten Qualifikationsende die Kurve gekriegt habt?
Wir waren alle mit unseren Leistungen nicht zufrieden und haben viel darüber gesprochen - das Tief hat an unserem Stolz gekratzt. Wir sagten uns, dass wir wieder näher zusammenrücken und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen müssen. Zwischen Quali-Ende und Playoff-Start hatten wir etwas Zeit, in der wir gut trainierten - es machte sich eine Aufbruchstimmung breit. Und grossen Einfluss auf unsere Leistungen hat auch, dass wir endlich wieder vor unseren Fans spielen können. Wir sind ein Team, dass von diesen Emotionen lebt.

Trotzdem ging das erste Spiel gegen Zug noch verloren. Erst in der zweiten Partie hattet ihr den Gegner vollkommen im Griff. Welche taktischen Anpassungen wurden dafür vorgenommen?
Ich fand auch schon Spiel 1 nicht so schlecht, da ging unser Gameplan aber noch nicht ganz auf. Wir wussten, dass Zug sehr stark auf Konter ist. Also haben wir uns auf die Defensive und unser eigenes Konterspiel fokussiert.

Bei Zug wird oft über deren starke Ausländer gesprochen. In den letzten Spielen hattet ihr sie aber gut unter Kontrolle, warum?
Weil wir ihnen nicht viel Platz liessen und kaum Kontermöglichkeiten gaben. Dadurch kamen sie nie in ihren Spielfluss, was mit der Zeit auch die Spielfreude mindert.

Du wurdest in den letzten Spielen mit deiner Linie auf Zugs Top-Formation angesetzt. Dabei habt ihr ein für Malans eher ungewöhnliches 2:2:1-System praktiziert. Inwiefern hatte dies Einfluss?
Vielleicht können wir dadurch in unserer eigenen Zone etwas mehr Ballgewinne generieren und ihnen weniger Gratis-Konter schenken. Das System haben wir schon vor den Playoffs manchmal probiert. Und es war eigentlich nicht von Anfang an der Plan, dass wir so gegen ihre Top-Linie spielen. Aber als wir es gemacht haben, hat es auf Anhieb funktioniert.

Nach dem Ausfall von Stammkeeper Jonas Wittwer wurde Martin Hitz reaktiviert, der sogleich zwei Shutouts feiern konnte. Inwiefern ist er für euch eine Verstärkung?
Er ist nicht unbedingt der Goalie, der in jedem Spiel mit Monster-Saves brilliert. Aber er hat ein hervorragendes Stellungsspiel und kann das Spiel ausgezeichnet lesen. Dadurch macht er eher unspektakuläre Paraden und wird nie hektisch. Seine Erfahrung und Ruhe haben uns in letzter Zeit sicher sehr geholfen.

Nach einer Doppelrunde folgen jeweils fünf Ruhetage, ehe wieder zwei Playoff-Partien anstehen. Runterfahren, rauffahren - wie gehst du mit diesem ungewöhnlichen Playoff-Rhythmus um?
Wir sind es uns ja schon seit Jahren so gewohnt. Ich bin eigentlich ganz froh, wenn es ein paar Tage Pause gibt, denn die Spiele am Wochenende sind immer sehr intensiv.

Nun fehlt Malans noch ein Sieg für die Halbfinal-Qualifikation. Wenn nicht am Samstag, dann wollt ihr spätestens am Sonntag den Sack zu machen, oder?
Bis Sonntag schaue ich noch gar nicht. Wichtig ist vorerst, dass wir am Samstag ein gutes Spiel zeigen. Die Serie ist noch nicht fertig, wir brauchen immer noch einen Sieg. Ein guter Start in die Partie könnte für uns allerdings ein Pluspunkt sein und den Druck auf Zug erhöhen.

 

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