09.
2020
Was bewirkt der Königs-Transfer?
Zug United hat im Sommer mit dem Transfer von Nationalspieler Luca Graf für Aufsehen gesorgt. Welche Rolle wird der Berner bei den Zentralschweizern einnehmen und welche Lücke hinterlässt er bei GC? Diese Frage beantworten wir in unserem dritten Teil der Saisonvorschau. Ausserdem stellen wir euch auch das Team der Grasshoppers und des UHC Thun etwas genauer vor.
Grasshopper Club Zürich
Kader: Die Abwehr hat nach dem Verlust von Luca Graf deutlich an Substanz verloren. Diesbezüglich ruhen die Hoffnungen auf Tobias Heller und Moritz Mock, der Rest muss sich erst noch richtig beweisen. Der Engpass könnte dazu führen, dass Misini im Notfall einen Stürmer in die Abwehr nimmt, wie er das in der Vergangenheit schon mit Meier, Zürcher, Vizzini oder Berlinger getan hat. Das Prunkstück bleibt der Sturm: Meier, Göldi und Laubscher bilden eine starke Center-Achse. Laely, Riedi, Rüegger und - der allerdings verletzungsanfällige - Johnsson sind torgefährliche Flügel.
System: Kein Team geht so viel Risiko ein wie GC. Aber Trainer Misini will das ja auch so. Neben dem gewohnten 2-2-1-System praktiziert die Nati-Linie bisweilen auch ein hohes 1-2-2-Pressing. Das 1-vs-1-Pressing in der Defensive gibt dem Gegner oft Räume für Querpässe - wenn er es clever spielt. In der Offensive ist GC variabel und nicht nur beim Festsetzen stark. Wird das Pressing des Gegners zu wenig konsequent gespielt, führt der darauffolgende Konter oft zu einem Gegentor.
Keyplayers: Was wäre GC ohne Pascal Meier? Wenn das Team einen schlechten Tag einzieht, gibt er ihm mit seinen spektakulären Paraden die Chance zum siegen. Christoph Meier gibt im Spiel mit Ball den Takt vor. In offensiver Hinsicht kann er praktisch alles.
Newcomer: David Dürler muss zwar physisch noch etwas zulegen, ist aber ein Versprechen für die Zukunft. Ein Allrounder mit feinen Händen und tiefer Fehlerquote. Mit elf Punkten (5+6) hat er in seiner Rookie-Saison bereits eine Duftmarke gesetzt.
Aussichten: Die Abwehr ist zu schwach besetzt - vor allem bei diesem Spielstil. GC wird zweifellos ein Spitzenteam bleiben und kann jedes Team schlagen. Die Konkurrenz ist aber im Sommer leicht weiter vorangekommen.
Tipp: Rang 3.
Zug United
Kader: Die Ausländerpositionen sind bei den Zentralschweizern wie gewohnt überdurchschnittlich gut besetzt. Alexander Hallen spielte bei Falun zwar «nur» hinter den Stars, hat aber auch dort 21 Tore erzielt. Andre Andersson gelang als Rechtsausleger bei Växjö das gleiche Kunststück. Mit Alexander Larsson und Königs-Transfer Luca Graf ergibt das eine erste Top-Linie. Dahinter könnte Nati-Spieler Adrian Furger mit den Jungspunden Tim Mock und Severin Nigg eine solide zwei Formation stellen. Aber: die Abwehr besteht ausser Manuel Staub und Graf vorwiegend aus Defensiv-Soldaten.
Taktik: In der letzten Saison agierte das Team von Niklas Hedstal vermehrt in einem 2-2-1-System. Dieses wurde aber nicht so hoch und aggressiv praktiziert, wie es die Grasshoppers machen. Hedstal ist jedoch auch immer für eine kleine Überraschung gut, wie beispielsweise im Playoff-Viertelfinal gegen Köniz als er über das ganze Feld Manndeckung spielen liess. In der Offensive ist Zug das pure Gegenteil von Wiler-Ersigen: es wird schnell und von überall der Abschluss gesucht. Das Powerplay ist hervorragend besetzt, Graf bringt dort ein neues Element rein.
Keyplayers: Generell gilt für die Gegner: irgendwie die erste Linie unter Kontrolle bringen. Luca Graf wird bei den Spielauslösungen das Zepter in die Hand nehmen. Zeit kann man ihm geben, aber Platz für seine Rushes lieber nicht.
Newcomer: Nils Schällin wird seit langer Zeit als grosses Goalie-Talent gehandelt. Nach dem Abgang von Daniel Mück ist er nun die Nummer 2 und wird seinen ersten Bewährungschancen in der NLA erhalten.
Aussichten: Den Zentralschweizern wird auch in dieser Saison ein Schritt nach vorne gelingen. Allzu gross wird dieser aber auch diesmal nicht sein. Die Playoffs sind auf sicher, aber gegen die Top-4-Teams reicht es in den Ausscheidungsspielen (noch) nicht.
Tipp: Rang 5
UHC Thun
Kader: Am Tigers Cup Ende August hat die erste Sturmreihe mit Josef Pluhar, David Simek und Tobias Baumann für viel Torgefahr gesorgt. Die drei ergänzen sich gut und suchen den direkten Weg zum Tor - auch wenn Baumann und Simek beides Linksaulseger sind. Mit Mendrek, der dahinter die zweite Linie stärkt, ist auch das Powerplay gut besetzt. Weil sich in der dritten Formation aber vorwiegend junge und unerfahrene Spieler befinden, wird der neue alte Trainer Daniel Steiner wohl jeweils schon sehr früh und oft auf zwei Linien runtergehen müssen.
Taktik: Thun agiert nicht mehr so weit zurückgezogen wie in der Vergangenheit. Ab und an war in der Vorbereitungsphase sogar ein hohes Pressing mit mehreren Männern zu beobachten. Der Steuerflügel kommt oft sehr hoch und versucht, den Gegenspieler zur Auslösung zu zwingen - die restlichen vier Spieler schliessen die Räume für Querpässe und blocken Schüsse. Vorne baut man auf das Konterspiel.
Keyplayers: David Simek ist brandgefährlich. Er braucht nicht viele Chancen für ein Tor und sucht fast immer den Abschluss. Seine Tore werden die Thuner dringend brauchen. Mit Pluhar kam zudem ein Zweiweg-Center, der seinem Landsmann in der Defensive den Rücken freihalten soll.
Newcomer: Janik Saurer hat sich in der Vorbereitung einen Platz in der Top-Linie geschnappt. Der 21-Jährige beeindruckt mit seiner Postur, hat einen guten Abschluss und gewinnt viele Zweikämpfe.
Aussichten: Die Berner Oberländer zeigten eine gute Vorbereitung, für die Playoffs wird es aber trotzdem nicht reichen, weil die Breite im Kader weiterhin fehlt. Bleiben die Schlüsselspieler verletzungsfrei und produzieren Tore, kann sich Thun aber vielleicht eine bessere Ausgangslage für die Playouts verschaffen.
Tipp: Rang 11.
Ranglisten-Tipp nach der Qualifikation der unihockey.ch-Redaktion:
1. SV Wiler-Ersigen
2.
3. Grasshopper Club
4. UHC Alligator Malans
5. Zug United
6. UHC Waldkirch-St. Gallen
7.
8. UHC Uster
9.
10. Tigers Langnau
11. UHC Thun
12. Ad Astra Sarnen