20.
05.
2002
NLA Männer | Autor: Keller Damian

WFC 2002: Schweiz schlägt Finnland-Bezwinger Tschechien klar

Mit nur zwei Blöcken und einer konzentrierten Leistung bezwang die Schweiz den gestrigen Riesentöter Tschechien mit 6:4. Am Schluss kamen wie erwartet taktische Spielereien zum Zug - mit dem vermeintlichen Verlierer Tschechien.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Spielen bestritten die Schweizer die ganze Partie mit nur zwei Blöcken. Erst in den Schlussminuten kam Aeschlimann als 11. Feldspieler noch zum Einsatz. Diese Massnahme bewährte sich - das Spiel der Schweizer war um Klassen besser als gegen die Letten in den ersten 40 Minuten. Es wurden viel weniger Fehler gemacht und die Offensivaktionen zielstrebiger abgeschlossen. Dennoch brauchte es am Anfang einen gut haltenden Wolf, um Gegentore zu vermeiden. Wolf erwies sich bisher als die klare Nummer 1 im Kasten der Schweizer, auch wenn er an den beiden ersten Treffern der Tschechen mitschuldig war. Seine anderen Paraden waren äusserst wertvoll für das Team.

Stefan Lüthi
Stefan Lüthi freut sich über seinen Shorthander zum 3:1

Dan Telli brachte die Schweiz nach 17 Minuten auf Zuspiel von Gerber in Führung. Nach 19.26 schloss Capatt eine herrliche Kombination zum 2:0 ab. Leider brachte man diese Zweitoreführung nicht in die Drittelspause, denn 7 Sekunden vor der Sirene verkürzten die Tschechen durch Trnavsky zum 2:1. Die Schweizer blieben im mittleren Abschnitt ihrer Linie treu und beherrschten die Tschechen erstaunlich deutlich. Diese wirkten um einiges matter als noch bei ihrem Sieg gegen Finnland, was der Leistung der Eidgenossen aber keinen Abbruch tun soll. In der 26. Minute, Capatt sass gerade eine Zweiminutenstrafe ab, spielten sich Kern und Stefan Lüthi wunderbar durch die Reihen des Gegners und produzierten per Shorthander das 3:1. Und als Kern rund 90 Sekunden später per Drehschuss sogar das 4:1 erzielte, begann man im Lager der Schweizer sogar vom Gruppensieg zu träumen. Dafür wäre ein Sieg mit 5 Toren nötig gewesen, mindestens jedoch ein 7:2. Das 4:2 durch Jakubek in der 36. Minute war ein Dämpfer auf diesem Weg, der die Schweiz aber offensichtlich wenig beeindruckte.

WM 2002
Das Schweizer Tor für einmal völlig unbewacht.

Auch im letzten Drittel waren die Schweizer tonangebend. Die Tschechen wirkten jetzt noch fahriger und unkonzentrierter als zuvor. Keine Spur mehr von den pfeilschnellen Kontern, die sie im Match gegen Finnland so stark gemacht hatte. In der 43. Minute gelang Hofbauer das 5:2 - der Sieg war jetzt praktisch besiegelt, es ging nur noch um die Gruppenkonstellation. Bei diesem Resultat waren die Finnen erster, die Tschechen Zweiter und die Schweizer Dritter - mit dem Resultat, dass - erfolgreiche Viertelfinals vorausgesetzt - die Halbfinals Schweden-Tschechien und Finnland-Schweiz lauten würde. Der zweite Gruppenplatz mit Halbfinalgegner Schweden schien zumindest den Presseleuten die unattraktivste Variante... Den Schweizern winkte ja aber sogar noch der Gruppensieg, wofür zwei weitere Treffer nötig gewesen wären. Und prompt war Stefan Lüthi - wieder er, nach einer ganz starken Leistung - zwei Minuten vor dem Ende für das 6:2 besorgt. Bei diesem Schlussresultat wären die Schweizer aber genau Gruppenzweiter gewesen. Nun hiess es also hop oder top, Jani Westerlund gab Mark Wolf schon Anweisungen, wann er seinen Kasten verlassen soll. Aber Radim Cepek, der Neo-Winterthurer, beendete alle Spekulationen. Innert 24 Sekunden nach dem Treffer der Schweizer schlug er zweimal zu - und dieses Schlussresultat von 6:4 ergibt nun die obige Konstellation.

Die Schweizer zeigten die klar beste Leistung des Turniers und haben nun hoffentlich das nötige Selbstvertrauen getankt, welches vorher gemäss Aussagen mehrerer Spieler gefehlt hat. Und auch die Finnen werden den Schweizern dankbar sein. Mit diesem Resultat ist ihr "Traumfinale" gegen Schweden noch möglich. Sie hatten schon berechtigte Angst, bereits im Halbfinale auf den Erzfeind zu treffen.


Schweiz - Tschechien 6:4 (2:1, 2:1, 2:2)
Hartwall Arena, Helsinki - 408 Zuschauer
SR: Nyström / Birkebo (SWE)
Schweiz: Wolf; R.Weber, Gerber; Bill, Helbling; Capatt, Hofbauer, Bachmann; Telli, Kern, S.Lüthi; Aeschlimann
Tschechien: Kafka; Jandacek, Dvorak; Jakubek, Pekar; Jochmann, Kotlas; Zalesny, Rohel, Folta; Petr Kozusnik, Cepek, Pavel Kozusnik; Trnavsky, Sikora, Vasicek.
Tore: 17. Telli (Gerber) 1:0; 20. Capatt (Hofbauer) 2:0; 20. Trnavsky 2:1; 26. S.Lüthi (Kern; Ausschluss Capatt!) 3:1; 28. Kern (Telli) 4:1; 36. Jakubek (Cepek) 4:2; 43. Hofbauer (Capatt) 5:2; 59. (58.03) Lüthi (R. Weber) 6:2; 59. (58.08) Cepek 6:3; 59. (58.27) Cepek (Folta) 6:4
Strafen: Schweiz 2x2 Minuten, Tschechien keine
Best Players: Capatt, Cepek
Schussstatistik: 12:17 (5:8, 3:5, 4:4)

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