24.
02.
2018
NLA Männer | Autor: "Berner Zeitung"

Wolf will nochmals was reissen

Nicolas Wolf, 12-facher Nationalgoalie und Stütze von Meister Wiler-Ersigen, steht vor seinen letzten Wochen als Leistungssportler. Künftig will sich der 24-Jährige auf seinen Job als Art Director seiner eigenen Werbeagentur konzentrieren. Doch davor will er noch den Cupsieg holen und Meister werden.

Wolf will nochmals was reissen Nicola Wolf wird die Goaliemaske bald beiseitelegen. (Bild: André Burri)

Es gibt sie, diese Typen, denen alles irgendwie in den Schoss zu fallen scheint. Kerle, die mit vielen Talenten gesegnet sind und leichten Fusses beschwingt und erfolgreich durchs Leben hüpfen. Nicolas Wolf, gebürtig aus Wangen bei Olten, ist so ein Multitalent.

Erst 24-jährig, besitzt der ausgebildete Art Director zusammen mit seinem Geschäftspartner schon die eigene Werbeagentur Schmid & Wolf im Herzen der Stadt Olten. Gleichzeitig gehört der Kreativkopf zu den talentiertesten und besten Unihockeygoalies der Schweiz, firmiert seit der Spielzeit 2013/2014 als Stammspieler beim Rekordmeister Wiler-Ersigen, holte in dieser Zeit drei Meistertitel.

Immer öfter ertappte sich Energiebündel Wolf während dieser Saison jedoch ­dabei, wie er während der Trainingseinheiten den Kopf noch halb bei der Arbeit hatte. «Ich ­sehe keine Möglichkeiten mehr, Sport und Beruf künftig noch ef­fizient unter einen Hut zu bringen», sagt Wolf. Konsequent und zielstrebig, wie der 12-fache Nationalspieler auch im Gespräch an seinem Arbeitsplatz mit den heimeligen Dachschrägen wirkt, gab er deshalb seinen Rücktritt per Ende Saison bekannt.

«Es gibt im Moment sehr viel zu tun im Geschäft, ich will deshalb mehr Zeit investieren und mich voll auf den Beruf konzentrieren», erklärt der passionierte Tennis- und Tischtennisspieler, welcher in Zukunft als Ausgleich zur Arbeit wieder häufiger die Schläger schwingen möchte. Wolfs Geschichte vom frühen Rücktritt ist übrigens kein Einzelfall im helvetischen Spitzenunihockey.

Der Aufwand dafür, in der höchsten Liga bestehen zu können, ist enorm gross, der Verdienst und die Spesen jedoch muten im Vergleich zum Aufwand eher spärlich an. Weil zudem viele Akteure sehr gut ausgebildet sind, kommt es nach abgeschlossenem Studium im ersten Job oft zur Frage, ob sich die ganze Anstrengung noch rentiert und mit den Anforderungen im Beruf vereinbar ist.

Die Karriere krönen
Bevor Nicolas Wolf seine Goaliemaske zum Ende der Saison im Schrank verstauen oder im Büro als Erinnerungsstück ausstellen wird, möchte er indes noch seine beeindruckende Karriere krönen, die er einst auf Anraten seines Bruders als Junior beim STV Kappel begonnen und die ihn schon als Teenager zu Wiler-Ersigen geführt hatte.

«Ich will jetzt als Sportler nochmals zwei Monate so richtig Vollgas geben», sagt Wolf. Dabei wimmelt es auf der letzten Etappe seiner Karriere als Leistungssportler von Höhepunkten. Los geht es morgen Abend mit dem Cupfinal gegen die Zürcher Grasshoppers in der Berner Wankdorfhalle (siehe Infobox), ab dem kommenden Mittwoch startet zudem der Playoff-Viertelfinal gegen den UHC Uster.

In der Saison 2012/2013 gelang es Wiler-Ersigen letztmals, die Cuptrophäe ins Unteremmental zu holen, damals al­lerdings hatte Wolf als Talent hinter Wiler-Ersigens Goalielegende Daniel Streit noch den Status der Nummer 2 inne. Nur zu gerne würde er deshalb den Cuppokal in die Höhe stemmen.

«In den eigenen Händen»
Selbstbewusst und mit dem grossen Selbstverständnis, das bei den Akteuren des Rekordmeisters in Fleisch und Blut verankert ist, glaubt Wolf fest an den Cuptitel. «Wenn wir gut spielen, haben wir es meistens in den eigenen Händen, ob wir ein Spiel gewinnen oder nicht.»

Einzig die Frage, wie gut das auf diese Saison hin extrem verjüngte Team um Coach Thomas Berger mit Drucksituationen umgehen wird, lässt er offen. «Das wird sich zeigen», sagt er nur, ergänzt aber flugs: «Ich habe volles Vertrauen in die Fähigkeiten der jungen Spieler.»

Zwei Monate noch liegen vor Wolf als Leistungssportler. Zwei Monate, in denen er den Fokus nochmals voll auf den Lochball lenken, Paraden zeigen und Herzblut vergiessen wird. Es würde zum Multitalent passen, sollte ihm zum Schluss der Karriere auch noch das Double mit Cupsieg und Ligatitel in den Schoss fallen.

Quelle: "Berner Zeitung", von Adrian Lüpold

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