01.
2011
Rychenberg muss in die Playouts
Aus und vorbei. Durch eine Heimniederlage gegen Köniz, bei einem gleichzeitigen Sieg von Kloten-Bülach in Reinach, verspielte der HC Rychenberg in der drittletzten Runde der Qualifikation seine letzte Chance, sich für die Playoffs zu qualifizieren. Danach muss die Mannschaft von Lars Eriksson zum zweiten Mal nach 2007/08 den schweren Gang in die Playouts auf sich nehmen und dort um den Ligaerhalt kämpfen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wäre dort der Kantonsrivale Uster erster Gegner.
Für den HCR wars gegen Köniz ein Déjà-vu, das der Niederlage Vorschub leistete: Das Heimteam war ein ebenbürtiger Kontrahent, liess am Ende indes wie schon mehrmals Punkte liegen, die zu holen möglich gewesen wären. Dieses Mal war es ein kollektiver Blackout in der Endphase, der das Verderben herbeiführte. Vier Gegentore in den letzten 78 Sekunden machten aus dem 4:3 ein 4:7. Solche individuelle oder kollektive Aussetzer und die eklatanten Probleme beim Ummünzen der oft ordentlichen eigenen Leistungen in positive Ergebnisse kennzeichneten den Saisonverlauf seit dem Beginn Mitte September letzten Jahres und kosteten in der Summe die sehr wohl mögliche Teilnahme an den Viertelfinals.
Dabei hatte es lange Zeit nach dem erhofften Heimsieg ausgesehen. Der HCR agierte konzentriert und engagiert, sprich solide und bot den Gästen kaum Angriffsfläche für gefährliche Abschlüsse. Dasselbe galt freilich auch für die Berner, sodass die 430 Zuschauern ein Duell zweier ebenbürtiger Kontrahenten zu sehen bekamen, in der die Abwehrreihen meist die Oberhand behielten und nur selten Torchancen zuliessen. Köniz war etwas öfter im Ballbesitz und führte die feinere Klinge, dafür erspielte sich der HCR im Startdrittel die besseren Möglichkeiten. Sascha Dolskis Abstauber zum 1:1 in der 11. Minute blieb allerdings bis zur ersten Pause die einzige Ausbeute.
An der grundsätzlichen Konstellation änderte sich im Mitteldrittel nichts. Der einzige essentielle Unterschied war, dass der Könizer Nationalverteidiger Florian Kuchen zwei Mal die Strafbank drückte, was der HCR das eine Mal zu einem Tor nutzte. Captain Thomas Wolfer traf in der 25. Minute mit einem Direktschuss zum 2:2. Und da beide Mannschaften bei gleichem Spielerbestand wiederum je ein Mal ins Schwarze trafen, führte das Heimteam nach zwei Dritteln 3:2. Fürs Heimteam war Vojtech Skalík zur Spielhälfte mit einem verdeckt abgegebenen Schuss erfolgreich.
Als der tschechische Internationale zu Beginn des Schlussdrittels in Überzahl auf 4:2 erhöhte, schien der HCR auf gutem Weg zu drei Punkten zu sein. Ein missratener und obendrein noch abgelenkter Schuss Daniel Danusers, der durch ein Gewirr an Beinen den Weg ins Tor fand, brachte die Spannung jedoch postwendend wieder zurück. Köniz drückte in der Folge aufs Tempo, kam aber nur selten zu guten Möglichkeiten. Der HCR seinerseits tat in dieser Phase offensiv zu wenig, um den Todesstoss versetzen zu können.
Den Sieg auf dem Silbertablett serviert bekam der HCR wenige Minuten vor Schluss. Kuchen wanderte zum dritten Mal auf die Strafbank und Routinier Daniel Bill folgte ihm wegen Reklamierens auf den Fuss. Doch war das Powerplay in dieser entscheidenden Phase wenig überzeugend, sodass das beruhigende 5:3 nicht fiel. Die einzige hochkarätige Chance vergab Youngster Niklaus Gassmann, als er ein scharfes Zuspiel allein vor dem leeren Tor verpasste.
Nach Ablauf der Strafen ersetzte Köniz den Goalie durch einen zusätzlichen Feldspieler und kam in Überzahl 78 Sekunden vor Schluss zum späten Ausgleich. Die Winterthur verloren daraufhin die Nerven. Statt zuerst den einen Punkt zu sichern und in der Verlängerung den Sieg anzustreben, liefen sie im Bemühen, die drei Punkte doch noch zu holen, in einen Konter, der mit dem 4:5 bestraft wurde. Und als der tadellose Pascal Meier einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hatte, gabs noch zwei Gegentore obendrauf.
Für Rychenbergs konsternierten Assistenztrainer Thomas Weber wars schwer nachvollziehbar, was in der Schlussphase passiert war. Von Naivität sprach er und dass womöglich fehlende Erfahrung eine Ursache für das Fehlverhalten gewesen sei. Mangelndes Selbstvertrauen dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Für die verbleibenden Qualifikationsspiele gegen Grünenmatt Sumiswald und Uster gibt Weber die Marschroute vor: «Einerseits wollen wir sie zur Vorbereitung der Playouts nutzen, andererseits müssen wir die Tabellensituation im Auge behalten.» Rang 9 brächte Reinach als Gegner, doch dafür müssten gegenüber Waldkirch-St. Gallen vier Punkte aufgeholt werden; und der vermeintlich leichtere Gegner liegt dem HCR nicht. Rang 10 oder 11 brächten Derbys gegen Uster, was zumindest viele Zuschauer bedeuten und die Finanzchefin freuen dürfte.
HC Rychenberg Winterthur - Floorball Köniz 4:7 (1:1, 2:1, 1:5)
Eulachhalle 2, Winterthur. - 431 Zuschauer. - SR Brugger/Moser.
Tore: 10. Kaeser (Tröhler) 0:1. 11. Dolski (Schadegg) 1:1. 24. N. Wälti (D. Wälti) 1:2. 25. Wolfer (Skalik) 2:2. 30. Skalik (Huber) 3:2. 43. Skalik (Weber) 4:2. 46. Danuser (Kuchen) 4:3. 59. Danuser (Bill) 4:4. 60. D. Wälti (Zingg) 4:5. 60. Tröhler (Danuser) 4:6. 60. Tröhler (Danuser) 4:7.
Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Rychenberg. 6-mal 2 Minuten gegen Köniz.