18.
04.
2009
NLA Männer | Autor: Voneschen Reto

Wiler-Ersigen mit mehr Pfuus zum fünften Titel

Der SV Wiler-Ersigen hat seinen Titel erfolgreich verteidigt. Das entscheidende fünfte Playoff-Finalspiel gegen die Langnau Tigers gewann Wiler-Ersigen mit 6:3 vor 2'425 Zuschauern in Hasle-Rüegsau.

Als die meisten der 2425 Zuschauer bereits aus der Brünnli Halle in Hasle-Rüegsau waren und draussen nochmals über das eben Geschehene diskutierten, wurde es in der Halle plötzlich wieder laut. Der Grund war einfach: Unter dem Getöse seiner Teamkollegen wurde Wilers finnischer Stürmer Lassi Vänttinen aufs Spielfeld gezerrt. Kaum wieder zu erkennen war der Finne - unter der Leitung von Simon Bichsel fiel die Lockenpracht Vänttinens der Schere zum Opfer. Ein altes Versprechen des Finnen. „Wenn ich mit Wiler-Ersigen einen Titel gewinne, schneide ich meine langen Haare ab", sagte er bereits bei seinem Engagement vor drei Jahren.

Entscheidung kurz vor Schluss
Nach der WM-Goldmedaille im Dezember war es für Vänttinen bereits der zweite Titel in dieser Saison. Wie im WM-Finale traf er auch in der „Finalissma", dem fünften Playoff-Finalspiel, mit einem wichtigen Treffer. Nach Ales Zalesnys mörderischem Querpass vor dem eigenen Tor hindurch, bezwang Vänttinen den Tigers-Goalie Philipp Gerber souverän zum entscheidenden 5:3. Die Tigers versuchten zwar noch mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle Gerbers den Anschlusstreffer zu erzielen - rund 90 Sekunden vor Spielschluss fing aber Wilers Adrian Zimmermann den Ball ab und bediente Dave Wittwer, welcher zum 6:3 ins leere Tor einschob.

Mendelin trifft im zweiten Einsatz
Den Knackpunkt in einer animierten und harten, aber mehrheitlich fairen Partie, erfolgte aber bereits in der 47. Minute. Wilers Angreifer Patrick Mendelin umkurvte einhändig seinen Gegenspieler, passte zu Roger Gerber, der seinerseits zwischen seinen Beinen hindurch wieder Mendelin zum 4:3 bediente. Ein Treffer, bei welchem Hans Rosenthal anno Dazumal bei „Dalli Dalli" nicht nur einmal  „das war Spitze!" gerufen hätte. Und besonders speziell: Wiler-Trainer Thomas Berger hatte Mendelin zuvor 100 Minuten aus dem Spiel genommen - bei seinem zweiten Einsatz im Schlussdrittel war der Basler bereits wieder erfolgreich, nachdem er während den ersten beiden Spielabschnitten beinahe Hufe scharrend hinter der Spielerbank auf einen Einsatz hoffte.

Tigers dreimal in Führung
Während den ersten 40 Minuten deutete wenig auf einen klaren Sieg Wiler-Ersigens hin. Dreimal gingen die frisch aufspielenden Tigers verdient in Führung, allen voran Simon Stuckis Gewaltschuss zum 3:2 in der 33. Minute wird in Erinnerung bleiben. Selbst Cristiano Ronaldo wäre ob der Präzision und der Wucht dieses Treffers erstaunt gewesen. Doch Wiler-Ersigen biss sich zurück, kam - nachdem Torhüter Daniel Streit einige Male in extremis parieren musste - gegen Ende der zweiten Periode immer besser ins Spiel. Und als eigentlich schon alle mit der Tigers-Führung zur Pause rechneten, wurstelte sich Adrian Zimmermann in der Mitte durch und irgendwie fand sein Verlegenheitsschuss 14 Sekunden vor der Sirene den Weg zum 3:3 ins Langnauer Tor. Es war der erste Genickschlag für die Tiger.

Unterschiedliche Joker
Taktisch blieben Überraschungen auf beiden Seiten aus. Einem Paarlauf mit fünf Teilnehmern glich das Geschehen mehrheitlich. Viel Kampf und Einsatz prägten auch die letzte Partie der Unihockeysaison 2008-09. Mit Joker Mendelin zog SVWE-Coach Berger das entscheidende Blatt im Schlussabschnitt - Tigers Dompteur Philippe Soutter konnte seinen angeschlagenen Spielmacher Olli Oilinki erst in der 50. Minute bringen. Akzente konnte, der nach einer Attacke von Wiler-Verteidiger Mattias Wallgren in Partie 2 am Knie verletzte Finne, aber keine grossen mehr setzen. Diese setzte dafür - vor allem zu Beginn - der Tscheche Ales Zalesny mit den ersten beiden Langnauer Treffern (3./17.).

Verdienter Titel
Dass Wiler-Ersigen am Schluss den Pokal in die Luft stemmte, war eben so wenig überraschend wie unverdient. Der Meister arbeitet seit Jahren auf und neben dem Feld deutlich besser als die Konkurrenz. Erstmals seit Rot-Weiss Chur in den 90er Jahren schaffte es der SVWE dreimal hintereinander den Titel zu gewinnen. Gar achtmal in Serie standen die Unteremmentaler in einem Finalspiel. Gefordert wurde der Zweite des letzten Europacups von den Langnauer Tigern aber mehr als ihm lieb war. Die aufsässige Manndeckung liess den Wiler-Kreisel, das Einschnüren des Gegners mit schnellen Pässen, nicht aufkommen. Mit ihrem emotionsgeladenen Spiel können sich die Langnauer immer wieder in einen Rausch spielen. Im letzten Spiel fehlten ihnen aber dazu die entscheidenden Kräfte.

Wiler-Ersigen - Tigers Langnau 6:3 (1:2, 2:1,3:0)
Brünnli Hasle-Rüegsau. - 2‘425 Zuschauer. - SR Baumgartner/Kläsi.
Tore: 3. Zalesny (Stucki) 0:1. 12. Wittwer (Krähenbühl) 1:1. 17. Zalesny (Markus Gerber/Ausschluss Vänttinen) 1:2. 29. Roger Gerber (Wittwer) 2:2. 33. Stucki (Markus Gerber) 2:3. 40. Zimmermann 3:3. 47. Mendelin (Roger Gerber) 4:3. 57. Vänttinen 5:3. 59. Wittwer (Zimmermann/ins leere Tor) 6:3.
Strafen: 3-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten (Zürcher) gegen Wiler-Ersigen, 1-mal 2 Minuten gegen Tigers Langnau.
Wiler-Ersigen: Streit; Thorsell, Bichsel; Wallgren, Berger; Bieber, Jungo; Krähenbühl, Roger Gerber, Wittwer; Zürcher, Zimmermann, Vänttinen; Fankhauser, Balmer, Mutti; Mendelin.
Tigers Langnau: Philipp Gerber; Suter, Markus Gerber; Lehti, Wyss; Zalesny, Stucki, Liechti (50. Oilinki); Mühlethaler, Lüthi, Pergelius; Burkhalter, Marc-Oliver Gerber.
Bemerkungen: Wiler-Ersigen komplett, Tigers Langnau ohne Buser (verletzt). - 21. Pfostenschuss Zimmermann, 57. Timeout Tigers Langnau, anschliessend ohne Torhüter.

 

 

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