10.
2011
Der letzte Schliff
Majestätisch erheben sich die Churfirsten, verträumt liegt daneben das Dörfchen Amden, weit unten ruht der strahlend blaue Walensee - der Ausblick aus dem Speisesaal des Sportzentrums Kerenzerberg in Filzbach ist schon fast kitschig schön. Für das beeindruckende Panorama haben die 29 Unihockey-Nationalspielerinnen derzeit herzlich wenig Zeit. In 45 Tagen beginnt die 8. Frauen-Unihockey-Weltmeisterschaft im St. Galler Athletik-Zentrum. Ein Ereignis, das seine Schatten vorauswirft. So professionell wie möglich können sich die Frauen auf die WM vorbereiten. Beispielsweise wird die Meisterschaft einen Monat vorher unterbrochen, damit die Nationaltrainer Felix Coray und Marco Moser ihre Spielerinnen zusammenziehen können. Bereits im Sommer wurden Physistests in Davos durchgeführt. Der offizielle Kick-off der WM-Kampagne erfolgte dann in der St. Galler Fussball-Arena. Dass zufällig auch gleich die Spanischen Weltmeister dort trainierten, sollte eigentlich fast ein gutes Omen sein.
Lange Tage in Filzbach
Das Ziel der Schweizerinnen ist klar: Der Final muss wieder her. Vor zwei Jahren in Västeras (Schweden) unterlagen die Schweizer Frauen mit 2:6. Für die Heim-Weltmeisterschaft haben viele Extra-Schichten eingelegt im Sommer. „Einige haben in der Meisterschaft schon gezeigt, dass sie in Form sind", hat Nationaltrainer Coray festgestellt. In Filzbach wartet auf die Nationalspielerinnen ein gedrängtes Programm. Einerseits stehen natürlich Hallentrainings an, andererseits werden die Spielerinnen auch zu Jugend und Sport-Leiterinnen ausgebildet. Eine intensive Sache. „Die Tage sind lang und vor allem auch kopflastig", ist sich auch Coray bewusst, welcher die J+S-Kurse gleich selber leitet. Dazwischen gibt es auch Auflockerung. So wie beispielsweise am Dienstag als Steffi Buchli, die Sportmoderatorin vom Schweizer Fernsehen, den Spielerinnen Tipps im Umgang mit der Kamera gab.
Kader muss reduziert werden
Wer denn schlussendlich die Schweizer Farben in St. Gallen trägt, ist derzeit noch nicht ganz klar. 30 Spielerinnen haben Coray und Moser für das Camp auf dem Kerenzerberg aufgeboten, mit Andrea Benz musste eine bereits verletzungsbedingt absagen. 20 davon - 18 Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen - dürfen mit nach St. Gallen. „Die Selektion ist für mich mittlerweile Routine", sagt Coray, welcher nach der letzten Heim-WM vor acht Jahren sein Amt antrat. „Das grosse Bild, welches wir noch letztes Jahr hatten, wird immer kleiner", umschreibt er den Selektionsprozess. An den Länderspielen in Finnland vom 4. bis 6. November erhalten die Spielerinnen die letzte Möglichkeit sich den Nationaltrainern zu zeigen. Am 14. November ist Meldeschluss für das WM-Kader. Das grösste Fragezeichen bildet die Nomination der Torhüterinnen. Im Rennen sind die beiden Dietlikerinnen Sarah Schwendener und Monika Schmid, sowie Helen Bircher (Zug) und Heidi Jud (Riders Dürnten). Letztere überzeugte in der Meisterschaft mit starken Vorstellungen, obwohl sie in der Saison zuvor eine Babypause einlegte.
Gemeinsame Anreise
Auf die besonderen Umstände einer Heim-Weltmeisterschaft will Coach Felix Coray seine Spielerinnen vorbereiten. Er weiss wovon er spricht. An der Männer-Europameisterschaft 1995 in Zürich stand Coray an der Schweizer Bande. Im Halbfinal versagten damals ausgerechnet Routinier Sepp Ebneter die Nerven und die Schweiz verlor 1:2 in der Verlängerung. Ebenso unvergessen die WM 2004 der Männer in Kloten, wo die Schweizer im Halbfinale gegen Tschechien versagten. „Gewisse Dinge kann man da vorbereiten", ist Coray überzeugt. Bis jetzt stimme der WM-Fahrplan, so der Cheftrainer weiter. Anders als vor zwei Jahren, wo die Mannschaft direkt von Filzbach an die letzte EuroFloorball Tour reiste, gibt es nun fünf Tage Pause zur Erholung, ehe die Reise nach Finnland ansteht. Apropos Reise: Damit es auch bei der Heim-WM eine gemeinsame Anreise gibt - ein ausdrücklicher Wunsch des Teams - wird die Schweizer Equipe nach dem letzten Zusammenzug in Zuchwil direkt nach St. Gallen fahren.