05.
Schweiz verliert Penaltykrimi
Torflut im ersten Drittel, mit Wille die Partie gedreht, Aline Joye rettete ihre Farben in die Verlängerung und ins Penaltyschiessen - dann war der Traum von der WM-Medaille vorbei, die Schweizerinnen verlieren gegen Tschechien mit 5:6 n.P.
Vorsichtiges Abtasten angesichts der Wichtigkeit der Partie? Pustekuchen. Vier Tschechinnen tauchten im Schweizer Slot auf, Najsrova trifft zum 1:0. Eine Kombination über Reusser und Hürlimann führt zum Ausgleich durch Kurz. Härtsch findet Kläy am langen Pfosten, die Schweiz führt. Sekunden später steht es nach Blahovas Treffer 2:2. Rums. Keine fünf Minuten sind gespielt. Im Anschluss daran besitzen die Schweizerinnen drei, vier Möglichkeiten zum Führungstreffer. Stattdessen treffen die Tschechinnen vor der ersten Sirene zweimal, erst mit Svajcrova, dann mit Dubcova per Traumsolo. Die Schweiz liegt nach dem ersten Drittel 2:4 im Hintertreffen, ein schlechter Lohn für einen guten Auftritt.
Mit Wille das Spiel gedreht
Im zweiten Drittel können die Schweizerinnen trotz viel Ballbesitz lange nicht viel Gefährliches produzieren. Eine Hands-Strafe hilft - in der 28. Minute muss Janosova raus, Härtsch und Kurz spielen sich den Ball zu, bis Kurz abzieht. Dreieinhalb Minuten später liegen die Tschechinnen aber bereits wieder zwei Längen voraus. Nun braucht es Willen - Hürlimann beweist diesen mit einem Schuss aus der Drehung, das 5:4 in der 36. Minute. Dann zieht Kurz ab, verfehlt das Tor, holt sich den Ball gleich wieder und bedient die aufgerückte Verteidigerin Schilliger im Slot. 5:5, nach zwei Dritteln beginnt alles wieder von vorne. Was für ein Spiel.
Joye hext
Keine Tore im Schlussdrittel. Das liegt an den beiden Teams, die nun mehr Vorsicht walten lassen, da jedes Tor die Entscheidung bringen kann. Torhüterin Aline Joye wirft im Spagat und im Liegen mehrfach all ihre Körperteile in die Schlacht, um den sechsten tschechischen Treffer zur verhindern. Werden die Beine der Schweizerinnen, die im zweiten Drittel bereits länger auf zwei Linien reduzierten, schon etwas schwer? Es ist schliesslich das fünfte Spiel in fünf Tagen. Und die Energiereserven werden noch weiter geleert, es kommt zur Verlängerung. Die Bronzemedaille der U19-WM 2026 in Italien wird in extremis vergeben. Herzschlagmomente auf beiden Seiten, Tschechien ist aktiver, die Schweiz hat Joye. Auf der Bank sitzt niemand mehr. Sechs Sekunden vor Schluss der Verlängerung ein Freischlag für Tschechien vor dem Schweizer Tor, Timeout Tschechien. Die Entscheidung? Nein, die einhändige Banditin Joye klaut den Tschechinnen mit den Fingerspitzen mirakulös die Medaille. Vorderhand, denn nun entscheidet das Penaltyschiessen.
Die „Penalty-Lotterie"
Aline Joye vs. Katerina Vrlova, die Torhüterinnen.
Sladkova - Joye hält
Norina Reusser läuft an - scheitert
Stekerova (schon im WM-Final in Ostrava im Einsatz) - Joye hält
Anja Gross läuft an - lupft den Ball an den Pfosten
Svajcrova - trifft links oben
Corin Haldemann rutscht der Ball von der Schaufel.
1:0 für Tschechien nach je drei Schützinnen.
Vyborna schiebt den Ball unter Joye hindurch. 2:0.
Jetzt muss Noemi Stoll treffen. Aber sie zieht den Ball zurück, ihr Versuch wird abgepiffen. Der zweite Schweizer Versuch, der nicht bis aufs Tor kommt.
Tschechien gewinnt das Spiel und die Bronzemedaille. Die Schweiz muss weiterhin auf erstes weibliches U19-Edelmetall seit 2016 (Kanada) warten.
Tschechien U19 - Schweiz U19 6:5 n.P. (4:2, 1:3, 0:0)
Bella Italia, Lignano Sabbiadoro (ITA); 334 Zuschauer; SR Hultberg/Sabanovic (SWE)
Tore: 3. Najsrova (Janosova) 1:0. 4. Kurz (Hürlimann) 1:1. 5. Kläy (Härtsch) 1:2. 5. Blahova (Liskovcova) 2:2. 16. Svajcrova (Blahova) 3:2. 19. Dubcova 4:2. 28. Kurz (Härtsch; Ausschluss Janosova) 4:3. 32. Veverkova (Dubcova) 5:3. 36. Hürlimann (Kurz) 5:4. 38. Schilliger (Kurz) 5:5.
Strafen: 1x2 Minuten gegen Tschechien, keine Strafe gegen die Schweiz
Tschechien: Vrlova; Blahova, Liskovcova; Veverkova, Vitkova; Hackova, Stipkova; Jaskova, Stekerova, Svajcrova; Sladkova, Dubcova, Vojackova; Najsrova, Janosova, Vyborna.
Schweiz: Joye; Schilliger, Meier; Oertle, O'Grady; Härtsch, Stoll; Odermatt; Kurz, Hürlimann, Reusser; Haldemann, Gross, Meryem; Kläy, Oehri, Pleisch.
Bemerkungen: Monika Blahova (CZE) und Livia Kurz (SUI) als beste Spielerinnen ausgezeichnet.