06.
2009
„Eine WM im Mai steht im Schatten“
In Tschechien fanden vor einem halben Jahr zum ersten Mal grosse Titelkämpfe im Dezember statt wie bis dahin im Mai statt. Filip Suman und sein Team sorgten für ein Unihockeyfest - noch nie zuvor waren über 100'000 Zuschauer an einer Unihockey-WM gewesen.
Herr Suman, wie haben Sie auf den Antrag von Swiss Unihockey reagiert, die WM vom Dezember zurück in den Mai zu verschieben?
Das hat mich sehr überrascht. Der neue internationale Kalender wurde vom IFF im Februar 2007 abgesegnet. Zwei Jahre später so einen Antrag zu lesen, ist wirklich überraschend.
Swiss Unihockey führt als Argument an, dass der Kalender erst nach der Vergabe der Weltmeisterschaften 2011 und 2012 geändert wurde. Ist das nicht nachvollziehbar?
Das ist richtig, die Vergabe an den Schweizerischen Verband erfolgte im Januar 2007. Als der Kalender geändert wurde, kommunizierte Swiss Unihockey schnell daraus resultierende Probleme mit der Organisation der U19-WM der Frauen im Mai 2008. Mit der Folge, dass im Mai 2007 Polen als neuer Ausrichter dieser WM gefunden wurde.
Was halten Sie generell vom Dezember-Datum im Vergleich mit dem alten Mai-Datum? Hat sich die WM in Tschechien positiv auf die letztjährige Meisterschaft ausgewirkt, etwa bei den Zuschauerzahlen oder bezüglich Medieninteresse?
Meiner Meinung nach ist der Dezembertermin viel besser als derjenige im Mai. Der Frühling und Sommer 2008 war - wie es auch 2012 sein wird - vollgepackt mit grossen Sportevents. Eishockey-WM, Euro 08, die Olympischen Spiele in China (2012 London). Eine WM im Mai wäre völlig im Schatten dieser Grossevents, mit denen wir nach wie vor nicht konkurrieren können.
Wir haben an der WM 2008 eine Rekordzahl an Bilder verbreitenden TV-Stationen verzeichnet. Und da die WM während der Saison stattfand, nicht erst einen Monat danach, konnte auch mehr Medieninteresse und ein höheres Zuschauerinteresse für die Meisterschaft festgestellt werden.
Ich kann verstehen, dass das gleiche Datum in verschiedenen Ländern unterschiedliche Effekte hat und auch Nachteile bringen kann, aber der internationale Verband muss darauf achten, was für das internationale Unihockey die beste Lösung ist.
Sehen Sie einen Weg, wie dem Anliegen des Schweizer Verbandes entsprochen werden kann?
Der IFF hält am Dezember-Datum fest. Unter anderem würde eine Rückverschiebung Probleme für die Organisatoren der U19-Weltmeisterschaften bringen. Auch das Timing der Qualifikation würde auf den Kopf gestellt. Zudem wäre eine erneute Datumsänderung sicher kein Zeichen der Verlässlichkeit bei den Sponsoren und Medien.
Sollte die Schweiz nicht in der Lage sein, für die Männer-WM im Dezember 2012 eine Halle mit mindestens 10'000 Besucherplätzen zu garantieren und die TV-Abdeckung in Frage gestellt sein - ist die WM in der Schweiz in Gefahr?
Der Schweizer Verband hat schon mehrmals bewiesen, ein hervorragender Organisator internationaler Events zu sein. Das habe ich bei all meinen Besuchen in der Schweiz gesehen, das waren stets Top-Anlässe. Ich bin sicher, dass Swiss Unihockey zwei hervorragende Weltmeisterschaften ausrichten wird.
Dennoch ist die Verfügbarkeit - und Finanzierbarkeit - der Hallen im Dezember ein grosses Problem in der Schweiz. Man spricht von 100'000 Franken pro Tag, die das Hallenstadion Zürich kosten würde. Wie war das für Sie in Prag?
Die O2-Arena in Prag war einiges teurer als die Halle in Ostrava. In Prag bezahlten wir für die beiden Spieltage ungefähr 120'000 Franken.
Und wie sah am Ende das finanzielle Ergebnis des WM-Turniers aus?
Die WM 2008 war ein grösserer Erfolg, als ich mir je hätte träumen lassen. Wir gingen von einem Budget von rund einer Million Euro aus und hofften auf eine „schwarze Null". Durch die Einnahmen von den Zuschauern und Sponsoren, die beide weit über dem Budget lagen, erreichten wir einen Gewinn von rund 200'000 Euro. Ich denke, es ist ein grossartiges Zeichen für unseren Sport, wenn Anlässe dieser Grössenordnung auch aus wirtschaftlicher Sicht einen Erfolg darstellen können. Für uns war dieser Erfolg besonders wichtig, da der Unihockeyverband vom Staat mit leider immer weniger Mitteln unterstützt wird.
Boesch Klaus
12. 06. 2009
Gygax
11. 06. 2009