20.
11.
2014
Nati Männer A | Autor: Mahler Raphael (ZOL)

Faule Schweden und Taktik in Türkei

In zwei Wochen nimmt Florian Bolliger erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. Dass der Hinteregger mit der Schweizer Nati nach Göteborg reisen darf, hat auch damit zu tun, dass er bei seinem neuen Klub in Schweden weiter Fortschritte gemacht hat.

Faule Schweden und Taktik in Türkei Alles im Griff: Florian Bolliger gefällt es in Schweden (Bild Severin Binkert)

Der Schweizer Nationaltrainer Petteri Nykky lässt sich nicht gerne in die Karten blicken. Nicht nur für Aussenstehende ist der schweigsame Finne ein Buch mit sieben Siegeln, sondern gelegentlich auch für seine eigenen Spieler. «Ich habe nie ein Feedback erhalten und wusste nicht, woran ich bin», sagt Florian Bolliger. Er habe lange ein schlechtes Gefühl gehabt. Als der Hinteregger am Montag von seiner ersten WM-Nomination erfuhr, war er dementsprechend erleichtert. Dabei ist der 24-Jährige seit zwei Jahren fester Bestandteil des Nationalkaders und zeigte auch zuletzt am Vierländerturnier in Finnland gute Leistungen.

2012 an der Heim-WM sass Bolliger noch als Zuschauer auf der Tribüne und beobachtete die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft. «Nie hätte ich damals gedacht, selbst einmal dort unten zu stehen. Es ist schon ein Traum, der in Erfüllung geht», sagt er heute.

Stetige Entwicklung
Dabei ist das WM-Aufgebot der logische nächste Schritt. 2010 debütierte Bolliger bei Uster in der NLA und entwickelte sich schnell zum Leistungsträger. Im Januar 2013 folgte das erste ­Nationalmannschafts-Aufgebot für den physisch starken Spieler. Der nächste grosse Schritt kam im letzten Sommer mit dem Wechsel in die schwedische «Superligan» - der besten Unihockey-Liga der Welt. Dort unterschrieb er bei Aufsteiger Kais Mora einen Vertrag.

Während für andere Nationalspieler der Wechsel im Sommer nach Schweden zum Verhängnis wurde und sie aufgrund der fehlenden Spielpraxis den Sprung ins WM-Kader nicht schafften, ging bei Bolliger alles auf. «Er zeigt den Weg auf, wie es laufen muss», sagt Remo Manser, Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft. «Er hat sich für einen kleineren Verein entschieden, bekommt dort aber viel Spielzeit und Verantwortung.» Manser bezeichnet Bolliger als ruhigen Typ, der sehr besonnen und clever sei.

Keine Ablenkung in Mora
Dass Bolliger in Mora eine wichtige Rolle spielen kann, hat auch damit zu tun, dass er fast keine Angewöhnungszeit benötigte. «Ich fühlte mich von Anfang an wohl», sagt Bolliger, als er auf seine ersten Monate im kalten Schweden zurückblickt. Es ist ihm anzumerken, dass er es geniesst, sich ausschliesslich auf den Sport konzentrieren zu können.

Während er in der Schweiz sein ETH-Studium und die Trainings unter einen Hut bringen musste, kann er in Schweden ­alles dem Unihockey unterordnen. «Hier in diesem Städtchen gibt es nichts, das ablenken kann», sagt er.

Zwar hat er ursprünglich geplant, eine Arbeit zu suchen, ­geniesst aber momentan seine Freiheiten. Eine 100-Prozen-Stelle in einer Werkstatt lehnte er ab. So verbringt er seine Tage oft in der 31/2-Zimmer-Wohnung, die er mit einem Mitspieler bewohnt, geht mit Teamkollegen mittagessen oder besucht den Kraftraum. Anfangs noch alleine, inzwischen konnte er ein paar Kollegen dazu motivieren, ihn zu begleiten. «Individuell trainieren ist nicht gerade ihr Ding», sagt Bolliger mit einem Lachen.

Er selbst will sich weiter entwickeln und betrachtet das Unihockey in Schweden pragmatischer als in der Schweiz. «Ich konzen­triere mich nur auf mich. Niederlagen sind einfacher zu verdauen als in Uster, wo ich emotional mit dem Klub verbunden war.»

Abgeklärt, aber unerfahren
Dabei ist die sportliche Situation durchaus mit seinem früheren Verein vergleichbar. Mit fünf Punkten aus elf Partien liegt der Aufsteiger auf dem letzten Platz. «Viele Spiele haben wir dumm und knapp verloren», sagt Bolliger. Er selbst zeigt sich mit seinen Leistungen zufrieden. Zwar verschweigt er nicht, dass die passivere schwedische Spiel­weise ihm nicht sehr behagt, mit sechs Punkten (4 Tore) ist er aber immerhin siebtbester Skorer seines Teams. «Ich habe mich nochmals weiter entwickeln können, bin jetzt auch in Drucksituationen ruhiger am Ball.»

Dies bestätigt auch Manser, der Bolligers Stärken im physischen Bereich und in seiner Abschlussstärke sieht. «Manchmal trifft er noch falsche Entscheidungen, aber das ist eine Frage der Erfahrung.» Für Manser ist aber klar, dass Bolliger auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Nationalmannschaft spielen wird.

Noch bestreitet Bolliger in Schweden ein Spiel, ehe die ­letzte WM-Vorbereitung ansteht. Diese verbringt die Schweiz in der Türkei, wo Taktik und Teambildung im Vor­dergrund stehen. Dazwischen bleibt etwas Zeit, um seine Freundin wieder zu sehen. Sie ist das Einzige, was Bolliger zurzeit in der Schweiz vermisst.

Zeitungsbericht "Zürcher Oberländer"

Der Schweizer Nationaltrainer Johan Schönbeck hat sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Tampere (FIN) vom 5. bis 13. Dezember 2026 bekannt gegeben. Zehn Spieler stehen... Mit zehn Debütanten nach Tampere
Elia Seiler durfte bei den beiden Länderspielen in Biglen mit drei Teamkollegen auflaufen und zahlte das Vertrauen mit soliden Leistungen zurück. Nun hofft der 22-jährige... Elia Seiler: "Das könnte eine Waffe sein"
Die Schweizer Nati präsentiert sich am Sonntag gegenüber dem Spiel gegen die Slowaken deutlich verbessert, verspielt allerdings einen 3:1-Vorsprung, ehe der Sieg gegen... Schweiz rehabilitiert sich gegen Tschechien
In Biglen verspielt Tschechien einen 3:0-Vorsprung gegen die Slowakei und kommt erst spät zum Sieg, in Finnland verliert Lettland gegen Schweden und Finnland. Am... Auch Tschechien mit Mühe, Lettland verliert zweimal

Community Updates

Tabellen

1.UHC Thun+9756.000
2.Kloten-Dietlikon Jets+4349.000
3.Floorball Fribourg+2946.000
4.Pfannenstiel Egg+138.000
5.Ticino Unihockey+1235.000
6.UHC Grünenmatt+133.000
7.Unihockey Langenthal Aarwangen-1133.000
8.Ad Astra Obwalden-229.000
9.I. M. Davos-Klosters-4323.000
10.Regazzi Verbano UH Gordola-5619.000
11.UHC Lok Reinach-2418.000
12.Unihockey Limmattal-4717.000
1.Floorball Uri+5946.000
2.Aergera Giffers+836.000
3.Nesslau Sharks+1533.000
4.Chilis Rümlang-Regensdorf+1333.000
5.UH Appenzell+1230.000
6.UH Lejon Zäziwil+323.000
7.Unihockey Basel Regio-2222.000
8.UHC Bremgarten-3820.000
9.Visper Lions-2217.000
10.Red Lions Frauenfeld-2810.000

Quicklinks