04.
2011
Petteri Nykky im Interview
Der Kandidatenkreis war nicht sehr gross. Schweizer Namen kursierten praktisch keine, als es darum ging, Ersatz für die nach der WM in Finnland zurückgetretenen René Berliat und Peter Düggeli zu finden. Petteri Nykky? Johan Schönbeck? Es waren bei weitem nicht alle Plätze auf dem Kandidaten-Karussell besetzt. Per 1. April 2011 übernimmt nun Petteri Nykky (46) den Job. Nach zwei Weltmeistertiteln mit Finnland wurde sein Vertrag nicht verlängert - zum Glück für die Schweiz.
Petteri Nykky, haben Sie schon verdaut, dass Sie trotz des grossen Erfolges mit Finnland keinen neuen Vertrag mehr erhielten?
Der Verband wollte etwas verändern und neue Trainer ins Boot holen, solange auf Spielerseite die Weltmeister-Generation noch aktiv ist. Das muss ich akzeptieren. Ich bin stolz darauf, was wir in den letzten Jahren mit der finnischen Nationalmannschaft erreicht haben und bin glücklich, ein Teil davon gewesen zu sein.
Als Ihr Abgang feststand, haben Sie schon bald verlauten lassen, offen für den Posten des Nati-Trainers in der Schweiz zu sein.
Ja. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde.
Werden Sie in Länderspielen gegen Finnland besonders motiviert sein - um zu zeigen, dass die Nicht-Verlängerung des Vertrages ein Fehler war?
Ich denke nicht in solchen Kategorien. Wir sollten in der Unihockeywelt zusammenarbeiten und wachsen. Ziel muss es sein, dass eines Tages nicht nur drei oder vier Nationen Weltmeister werden können.
Sie waren von 1999 bis 2002 Assistent, ab 2004 Headcoach - insgesamt fast zehn Jahre im Staff Finnlands. Bis zur WM 2012 dauert es keine 20 Monate mehr. Was können Sie in dieser Zeit bewirken?
Meine Message an die Spieler lautet: Ihr müsst in den kommenden Monaten so hart arbeiten wie noch nie zuvor im Leben. Der Sport muss die Nummer 1 im Leben sein. Wir haben ein 18 Monate dauerndes Bewerbungsverfahren für einen Ein-Monat-Job im Dezember 2012 vor uns.
Aber es ist Ihnen bewusst, dass Ihre Spieler nicht mehr Kohonen, Tiitu, Kivilehto, Järvi usw. heissen? Müssen Sie Ihre Arbeitsweise anpassen?
Natürlich. Es geht immer um die Spieler, um nichts anderes. Die Aufgabe des Trainers ist es, jeden Spieler voran zu bringen. Aber man fängt ja in der Schweiz nicht bei Null an. Die Trainer vor mir haben einen guten Job gemacht, die Schweiz ist die Nummer 3 oder 4 der Welt. Nimmt man die letzte WM zum Massstab, ist sie die Nummer 4 - historisch gesehen die Nummer 3. Es ist eine grosse Herausforderung für mich, Schweizer Nationaltrainer zu sein.
Was ist bezüglich Kader zu erwarten? Ein grosser Umbruch?
Ein Kern an Spielern ist sicher vorhanden, an diesem kommt man nicht vorbei. Und viele Spieler aus dem WM-Team von 2010 sind auch 2012 im richtigen Alter. Aber natürlich wird es zu Veränderungen kommen. Bezüglich Heim-WM kann ich sagen: Bevor im November 2012 die Kaderliste an den IFF geschickt wird, werde ich das Kader selber noch nicht endgültig kennen.
An der WM in Finnland sagten Sie, mit diesem Team und diesem Staff den besten Job der Welt zu haben. Ist Nationaltrainer der Schweiz zu sein folglich nur der zweitbeste Job der Welt?
Moment. Ich meinte damit, dass es eine Ehre ist, mit den besten Spielern des Landes zu arbeiten. Hart zu arbeiten, um noch besser zu werden, alles einem Ziel unterzuordnen. Das wird auch in der Schweiz so sein.
Teile des finnischen Staffs bringen Sie gleich mit. Genauer gesagt Assistenztrainer Jussi Jäntti, der jeweils auf der Tribüne sitzt und mit Ihnen via Funk verbunden ist.
Seine Verpflichtung war für mich sehr wichtig. Wir arbeiten schon seit 15 Jahren zusammen. Wir denken gleich und verstehen uns. Ich kenne keinen, der das Spiel besser lesen kann. Gerade weil man die Nationalspieler und auch die Gegner nicht täglich sieht, ist es wichtig, diesen Blick von oben zu haben. Ich vermisse seine Stimme in meinem Ohr bei Alligator Malans jeweils.
Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Printmagazins.