05.
2006
WM 2006 – Kein Ruhmesblatt für Schwedens Unihockey
Die Schwarzhändler vor dem Globen standen sich vor dem Final die Beine in den Bauch, sie wurden ihre Tickets nicht los. 12'535 Zuschauer fanden sich offiziell zum Finalspiel ein – die immer noch grossen Lücken in der riesigen Arena, die etwas über 15'000 Plätze fasst, lassen vermuten, dass auch diese Zahl noch geschönt war. Jedenfalls war von der verbreiteten Meldung, dass der Finaltag „seit Monaten“ ausverkauft sei, nichts zu spüren. Natürlich, in absoluten Zahlen waren die Zuschauerzahlen vor zwei Jahren in der Schweiz nicht höher – aber die Schweiz zählt ja auch fünf Mal weniger Lizenzierte und bezeichnet sich nicht als Unihockey-Nation Nummer 1.
Desinteresse der
Schweden
„Floorball is coming home“ hiess es so schön – nur machten
die Gastgeber nicht mit bei dem, was man sich als grösstes Unihockey-Fest aller
Zeiten vorgestellt hatte. Plakate in den Strassen: Fehlanzeige. Die
Gruppenspiele waren kümmerlich besucht, einzig in Helsingborg (über 1000
Zuschauer bei Australien gegen Slowenien) haben es die Veranstalter geschafft,
Publikum in die Halle zu locken. Eingeladene Schüler oder Vereine bei den
anderen Spielen ausser denen der Schweden: Fehlanzeige. Selbst wenn man das
eigene Unihockey für das beste der Welt hält – eine WM ist nicht nur für den
Gastgeber da. Dass rein gar nichts für die Stimmung bei den restlichen Spielen
getan wurde, kann man nur als Respektlosigkeit werten. Zu diesem Schluss führen
einen auch diverse Mängel in der Organisation: Über das Skandalspiel zwischen
Italien und Norwegen im Globen haben wir schon berichtet. Dazu kamen auch
ausgefallene Trainings von Teams weil keine Halle vorhanden war, fehlende
Verpflegungsmöglichkeiten für die Fans bei „ungünstigen Zeiten“ und auf dem Feld
minutenlang stehen gelassene Mannschaften wie die Schweizer und Tschechen vor
dem kleinen Final. Dass man bei den offiziellen Pressekonferenzen die Namen der
Nicht-Schweden und Nicht-Finnen regelmässig falsch aussprach oder gar
vertauschte, passt ebenso ins Bild, wie dass die schwedischen TV-Leute offenbar
Sascha Brendler für Markus Wolf hielten.
Die Demütigung für den Gastgeber
fand am Halbfinaltag statt, als Schweiz-Finnland besser besucht war als
Schweden-Tschechien. Die Fans aus Finnland und der Schweiz brachten im
halbleeren Globen sogar eine Welle zu Stande. Mit Wehmut dachte man an die
rappelvolle Schluefweghalle vor zwei Jahren.
Fünf Spielorte
sind Unsinn
Mit beigetragen zu den oben erwähnten Problemen hat mit
Sicherheit die Verteilung des Anlasses auf vier Spielorte, bzw. sogar auf fünf,
wenn man den Globen dazu rechnet. Für einen Sport wie Unihockey ein Unsinn. Das
hat schon in Norwegen 2000 (Drammen, Sarpsborg, Oslo) nicht funktioniert, dafür
umso besser 2002 in Finnland (alle Spiele innerhalb der Hartvall-Arena) und auch
2004 in der Schweiz (Zürich und Kloten). Bereits hört man Gerüchte, dass die WM
2008 in Tschechien in Prag und Ostrava ausgetragen werden soll – es ist zu
hoffen, dass es nicht zu diesen beiden durch mehrere hundert Kilometer
getrennten Spielorten kommen wird. Auch wenn Tschechien als Reisedestination
sicher für mehr Unihockey-Touristen erschwinglich sein wird – dass die Tschechen
selber nicht Weltmeister in Sachen Stimmungsmache sind, haben sie am letzten
Europacup eindrücklich unter Beweis gestellt.
Sportlich wie
gehabt
Die Schweden sind also wieder Weltmeister, zum sechsten Mal.
Noch nie wären sie so „leicht“ zu packen gewesen wie in diesem Jahr. Sie
überzeugten nicht, sondern langweilten sogar über weite Strecken. Die
Willensleistung im Final verdient jedoch mit Sicherheit grossen Respekt.
Die
Schweizer schafften in der Vorrunde immerhin die Premiere, erstmals überhaupt
einen schwedischen Sieg zu verhindern. Die Tschechen zeigten im Halbfinal zu
viel Angst und brachten sich so selber um eine ernsthafte Chance. Und im Final,
der mit seiner Klasse, der Ambiance und dem spannenden Spielverlauf für vieles
entschädigte, waren die Finnen unglücklich. Oder halt eben doch auch zu wenig
mutig? Die Schuld den beiden Schweizer Unparteiischen in die Schuhe zu schieben
ist eine billige Lösung. Mit Manner, Vänttinen und Jussila schmorten 221 (!)
Skorerpunkte der letzten Saison bis kurz vor dem Schluss auf der Bank. Vänttinen
(Tor) und Jussila (Grosschance) brachten in vier Minuten ein Mehrfaches eines
Raine Laine zu Stande. Dieser hätte wohl nicht einmal Wasser getroffen, wenn er
aus einer Fähre gefallen wäre – aber am 34-jährigen hielt die finnische
Trainercrew eisern fest. Die Finnen erarbeiteten sich mit fantastischem
Unihockey zweimal eine klare Führung, zogen sich dann aber in ihr Schneckenhaus
zurück und liessen sich von den Schweden einschnüren. Das war nicht die Schuld
von Baumi/Kläsi.
Und die
Schweiz?
Ein Tiefschlag mit dem Unentschieden gegen Norwegen zum
Auftakt, ein Highlight beim Unentschieden gegen Schweden, ein Halbfinal der
verpassten Chancen gegen Finnland und ein deutlicher Sieg im Bronze-Spiel gegen
Tschechien. Zum Glück war Schweden im Final stark, sonst würde man noch
intensiver am Gedanken „wir hätten Weltmeister werden können“ herumstudieren.
Bronze ist ein Erfolg. Für mehr hätten die Höfis so zaubern müssen wie vor
zwei Jahren, aber so eine Leistung lässt sich nicht auf Knopfdruck wiederholen.
Diesmal waren sie gut, nicht sensationell. Dafür sind hinter ihnen neue Skorer
entstanden (Zimmermann, Markus Gerber, Stucki) und Marc Dysli spielte
sensationell. Wenn man die 2004 schon in dieser Verfassung gehabt hätte, dann…
Es muss für den totalen Erfolg eben alles zusammen passen. Eines Tages wird es
das. Einmal wird Schweden nicht mehr Weltmeister sein. Und da es die Finnen
immer wieder vergeigen, könnte ja die Schweiz in die Bresche
springen.