05.
2006
WM 2006 – Kein Ruhmesblatt für Schwedens Unihockey
Die Schwarzhändler vor dem Globen standen sich vor dem Final die Beine in den Bauch, sie wurden ihre Tickets nicht los. 12'535 Zuschauer fanden sich offiziell zum Finalspiel ein – die immer noch grossen Lücken in der riesigen Arena, die etwas über 15'000 Plätze fasst, lassen vermuten, dass auch diese Zahl noch geschönt war. Jedenfalls war von der verbreiteten Meldung, dass der Finaltag „seit Monaten“ ausverkauft sei, nichts zu spüren. Natürlich, in absoluten Zahlen waren die Zuschauerzahlen vor zwei Jahren in der Schweiz nicht höher – aber die Schweiz zählt ja auch fünf Mal weniger Lizenzierte und bezeichnet sich nicht als Unihockey-Nation Nummer 1.
Desinteresse der
Schweden
Die Demütigung für den Gastgeber
fand am Halbfinaltag statt, als Schweiz-Finnland besser besucht war als
Schweden-Tschechien. Die Fans aus Finnland und der Schweiz brachten im
halbleeren Globen sogar eine Welle zu Stande. Mit Wehmut dachte man an die
rappelvolle Schluefweghalle vor zwei Jahren.
Fünf Spielorte
sind Unsinn
Mit beigetragen zu den oben erwähnten Problemen hat mit
Sicherheit die Verteilung des Anlasses auf vier Spielorte, bzw. sogar auf fünf,
wenn man den Globen dazu rechnet. Für einen Sport wie Unihockey ein Unsinn. Das
hat schon in Norwegen 2000 (Drammen, Sarpsborg, Oslo) nicht funktioniert, dafür
umso besser 2002 in Finnland (alle Spiele innerhalb der Hartvall-Arena) und auch
2004 in der Schweiz (Zürich und Kloten). Bereits hört man Gerüchte, dass die WM
2008 in Tschechien in Prag und Ostrava ausgetragen werden soll – es ist zu
hoffen, dass es nicht zu diesen beiden durch mehrere hundert Kilometer
getrennten Spielorten kommen wird. Auch wenn Tschechien als Reisedestination
sicher für mehr Unihockey-Touristen erschwinglich sein wird – dass die Tschechen
selber nicht Weltmeister in Sachen Stimmungsmache sind, haben sie am letzten
Europacup eindrücklich unter Beweis gestellt.
Sportlich wie
gehabt
Die
Schweizer schafften in der Vorrunde immerhin die Premiere, erstmals überhaupt
einen schwedischen Sieg zu verhindern. Die Tschechen zeigten im Halbfinal zu
viel Angst und brachten sich so selber um eine ernsthafte Chance. Und im Final,
der mit seiner Klasse, der Ambiance und dem spannenden Spielverlauf für vieles
entschädigte, waren die Finnen unglücklich. Oder halt eben doch auch zu wenig
mutig? Die Schuld den beiden Schweizer Unparteiischen in die Schuhe zu schieben
ist eine billige Lösung. Mit Manner, Vänttinen und Jussila schmorten 221 (!)
Skorerpunkte der letzten Saison bis kurz vor dem Schluss auf der Bank. Vänttinen
(Tor) und Jussila (Grosschance) brachten in vier Minuten ein Mehrfaches eines
Raine Laine zu Stande. Dieser hätte wohl nicht einmal Wasser getroffen, wenn er
aus einer Fähre gefallen wäre – aber am 34-jährigen hielt die finnische
Trainercrew eisern fest. Die Finnen erarbeiteten sich mit fantastischem
Unihockey zweimal eine klare Führung, zogen sich dann aber in ihr Schneckenhaus
zurück und liessen sich von den Schweden einschnüren. Das war nicht die Schuld
von Baumi/Kläsi.
Und die
Schweiz?
Bronze ist ein Erfolg. Für mehr hätten die Höfis so zaubern müssen wie vor
zwei Jahren, aber so eine Leistung lässt sich nicht auf Knopfdruck wiederholen.
Diesmal waren sie gut, nicht sensationell. Dafür sind hinter ihnen neue Skorer
entstanden (Zimmermann, Markus Gerber, Stucki) und Marc Dysli spielte
sensationell. Wenn man die 2004 schon in dieser Verfassung gehabt hätte, dann…
Es muss für den totalen Erfolg eben alles zusammen passen. Eines Tages wird es
das. Einmal wird Schweden nicht mehr Weltmeister sein. Und da es die Finnen
immer wieder vergeigen, könnte ja die Schweiz in die Bresche
springen.