30.
05.
2006
Nati Männer A | Autor: Keller Damian

WM 2006 – Kein Ruhmesblatt für Schwedens Unihockey

Es war ein „One-Game-Tournament“ – alles war auf den Final Schweden – Finnland ausgerichtet und nicht einmal dieser vermochte den Globen zu füllen. Die WM 2006 hat die Erwartungen nicht erfüllt. Unser Fazit.
WM 2006 – Kein Ruhmesblatt für Schwedens Unihockey

Die Schwarzhändler vor dem Globen standen sich vor dem Final die Beine in den Bauch, sie wurden ihre Tickets nicht los. 12'535 Zuschauer fanden sich offiziell zum Finalspiel ein – die immer noch grossen Lücken in der riesigen Arena, die etwas über 15'000 Plätze fasst, lassen vermuten, dass auch diese Zahl noch geschönt war. Jedenfalls war von der verbreiteten Meldung, dass der Finaltag „seit Monaten“ ausverkauft sei, nichts zu spüren. Natürlich, in absoluten Zahlen waren die Zuschauerzahlen vor zwei Jahren in der Schweiz nicht höher – aber die Schweiz zählt ja auch fünf Mal weniger Lizenzierte und bezeichnet sich nicht als Unihockey-Nation Nummer 1.

Desinteresse der Schweden

„Floorball is coming home“ hiess es so schön – nur machten die Gastgeber nicht mit bei dem, was man sich als grösstes Unihockey-Fest aller Zeiten vorgestellt hatte. Plakate in den Strassen: Fehlanzeige. Die Gruppenspiele waren kümmerlich besucht, einzig in Helsingborg (über 1000 Zuschauer bei Australien gegen Slowenien) haben es die Veranstalter geschafft, Publikum in die Halle zu locken. Eingeladene Schüler oder Vereine bei den anderen Spielen ausser denen der Schweden: Fehlanzeige. Selbst wenn man das eigene Unihockey für das beste der Welt hält – eine WM ist nicht nur für den Gastgeber da. Dass rein gar nichts für die Stimmung bei den restlichen Spielen getan wurde, kann man nur als Respektlosigkeit werten. Zu diesem Schluss führen einen auch diverse Mängel in der Organisation: Über das Skandalspiel zwischen Italien und Norwegen im Globen haben wir schon berichtet. Dazu kamen auch ausgefallene Trainings von Teams weil keine Halle vorhanden war, fehlende Verpflegungsmöglichkeiten für die Fans bei „ungünstigen Zeiten“ und auf dem Feld minutenlang stehen gelassene Mannschaften wie die Schweizer und Tschechen vor dem kleinen Final. Dass man bei den offiziellen Pressekonferenzen die Namen der Nicht-Schweden und Nicht-Finnen regelmässig falsch aussprach oder gar vertauschte, passt ebenso ins Bild, wie dass die schwedischen TV-Leute offenbar Sascha Brendler für Markus Wolf hielten.
Die Demütigung für den Gastgeber fand am Halbfinaltag statt, als Schweiz-Finnland besser besucht war als Schweden-Tschechien. Die Fans aus Finnland und der Schweiz brachten im halbleeren Globen sogar eine Welle zu Stande. Mit Wehmut dachte man an die rappelvolle Schluefweghalle vor zwei Jahren.

Fünf Spielorte sind Unsinn
Mit beigetragen zu den oben erwähnten Problemen hat mit Sicherheit die Verteilung des Anlasses auf vier Spielorte, bzw. sogar auf fünf, wenn man den Globen dazu rechnet. Für einen Sport wie Unihockey ein Unsinn. Das hat schon in Norwegen 2000 (Drammen, Sarpsborg, Oslo) nicht funktioniert, dafür umso besser 2002 in Finnland (alle Spiele innerhalb der Hartvall-Arena) und auch 2004 in der Schweiz (Zürich und Kloten). Bereits hört man Gerüchte, dass die WM 2008 in Tschechien in Prag und Ostrava ausgetragen werden soll – es ist zu hoffen, dass es nicht zu diesen beiden durch mehrere hundert Kilometer getrennten Spielorten kommen wird. Auch wenn Tschechien als Reisedestination sicher für mehr Unihockey-Touristen erschwinglich sein wird – dass die Tschechen selber nicht Weltmeister in Sachen Stimmungsmache sind, haben sie am letzten Europacup eindrücklich unter Beweis gestellt.

Sportlich wie gehabt

Weltmeister
Die Schweden sind also wieder Weltmeister, zum sechsten Mal. Noch nie wären sie so „leicht“ zu packen gewesen wie in diesem Jahr. Sie überzeugten nicht, sondern langweilten sogar über weite Strecken. Die Willensleistung im Final verdient jedoch mit Sicherheit grossen Respekt.
Die Schweizer schafften in der Vorrunde immerhin die Premiere, erstmals überhaupt einen schwedischen Sieg zu verhindern. Die Tschechen zeigten im Halbfinal zu viel Angst und brachten sich so selber um eine ernsthafte Chance. Und im Final, der mit seiner Klasse, der Ambiance und dem spannenden Spielverlauf für vieles entschädigte, waren die Finnen unglücklich. Oder halt eben doch auch zu wenig mutig? Die Schuld den beiden Schweizer Unparteiischen in die Schuhe zu schieben ist eine billige Lösung. Mit Manner, Vänttinen und Jussila schmorten 221 (!) Skorerpunkte der letzten Saison bis kurz vor dem Schluss auf der Bank. Vänttinen (Tor) und Jussila (Grosschance) brachten in vier Minuten ein Mehrfaches eines Raine Laine zu Stande. Dieser hätte wohl nicht einmal Wasser getroffen, wenn er aus einer Fähre gefallen wäre – aber am 34-jährigen hielt die finnische Trainercrew eisern fest. Die Finnen erarbeiteten sich mit fantastischem Unihockey zweimal eine klare Führung, zogen sich dann aber in ihr Schneckenhaus zurück und liessen sich von den Schweden einschnüren. Das war nicht die Schuld von Baumi/Kläsi.

Und die Schweiz?

Jubel
Ein Tiefschlag mit dem Unentschieden gegen Norwegen zum Auftakt, ein Highlight beim Unentschieden gegen Schweden, ein Halbfinal der verpassten Chancen gegen Finnland und ein deutlicher Sieg im Bronze-Spiel gegen Tschechien. Zum Glück war Schweden im Final stark, sonst würde man noch intensiver am Gedanken „wir hätten Weltmeister werden können“ herumstudieren.
Bronze ist ein Erfolg. Für mehr hätten die Höfis so zaubern müssen wie vor zwei Jahren, aber so eine Leistung lässt sich nicht auf Knopfdruck wiederholen. Diesmal waren sie gut, nicht sensationell. Dafür sind hinter ihnen neue Skorer entstanden (Zimmermann, Markus Gerber, Stucki) und Marc Dysli spielte sensationell. Wenn man die 2004 schon in dieser Verfassung gehabt hätte, dann… Es muss für den totalen Erfolg eben alles zusammen passen. Eines Tages wird es das. Einmal wird Schweden nicht mehr Weltmeister sein. Und da es die Finnen immer wieder vergeigen, könnte ja die Schweiz in die Bresche springen.

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Tabellen

1.UHC Thun+9756.000
2.Kloten-Dietlikon Jets+4349.000
3.Floorball Fribourg+2946.000
4.Pfannenstiel Egg+138.000
5.Ticino Unihockey+1235.000
6.UHC Grünenmatt+133.000
7.Unihockey Langenthal Aarwangen-1133.000
8.Ad Astra Obwalden-229.000
9.I. M. Davos-Klosters-4323.000
10.Regazzi Verbano UH Gordola-5619.000
11.UHC Lok Reinach-2418.000
12.Unihockey Limmattal-4717.000
1.Floorball Uri+5946.000
2.Aergera Giffers+836.000
3.Nesslau Sharks+1533.000
4.Chilis Rümlang-Regensdorf+1333.000
5.UH Appenzell+1230.000
6.UH Lejon Zäziwil+323.000
7.Unihockey Basel Regio-2222.000
8.UHC Bremgarten-3820.000
9.Visper Lions-2217.000
10.Red Lions Frauenfeld-2810.000

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