02.
Wöcke: "Physische Unterschiede bemerkt"
HCR-Verteidiger Michel Wöcke versuchte im Cupfinal wie üblich auch mit Ball einen wichtigen Beitrag zu leisten, am Ende gelang dem Titelverteidiger bei fünf gegen fünf Feldspielern aber nur ein einziges Tor. Wir haben uns nach der Partie mit Wöcke unterhalten.
Wenn man das Spiel anschaute, kam einem das erste Drittel extrem wild vor, kam dir das auch so vor? Hat darunter die spielerische Qualität zu Beginn noch etwas gelitten?
Michel Wöcke: Wie du sagst, war es ziemlich wild. Es gab kein Abtasten, es ging direkt voll los. Darin sind sie stark, wir versuchten dagegen zu halten, konnten es aber nicht komplett unterbinden. So gesehen ist es logisch, dass Thurgau mit einer Führung in die Pause geht.
0:1 nach einem Drittel ist noch keine Katastrophe, nach 40 Minuten liegt ihr dann 1:4 hinten. Was habt ihr euch für das letzte Drittel vorgenommen - oder was hättet ihr besser machen müssen, damit es zur Wende reicht?
Ich habe das Gefühl, man hat die physischen Unterschiede etwas bemerkt. In den ersten zehn Minuten des Schlussdrittels haben wir versucht, die 1-gegen-1-Duelle mehr zu gewinnen, um so mehr Bälle zu erobern, aber das gelang uns nicht wie gewünscht. Sie standen taktisch extrem stark. Sie setzten uns viel unter Druck, wir haben die Zweikämpfe mit Ball zu wenig gesucht. Das hat am Schluss etwas den Unterschied gemacht, dass sie in den Duellen 1-gegen-1 besser waren.
Wie kriegt man vor so einem Spiel aus dem Kopf, dass die letzten Spiele gegen Thurgau fast alle verloren gingen? Wie gelingt das "Nicht daran denken"?
Ich finde nicht unbedingt, dass das eine Rolle spielt. Für mich schreibt jede Saison ihre eigene Geschichte. Jede Saison haben wir auf beiden Seiten neue Teams, zum Teil neue Trainer. Ich finde, die alten Geschichten sind überhaupt kein Thema mehr. Bei mir persönlich war so etwas überhaupt nicht im Kopf präsent. Wir wussten, dass sie über drei Linien insgesamt etwas stärker als wir, aber da müssen wir andere Wege finden. Es spielt keine Rolle mehr, was vor zwei Saisons war.
Es ist natürlich auch unser Job als Journalisten, gewisse historische Zusammenhänge aufzuzeigen. In dem Sinn: Auch jeder Cupfinal schreibt seine eigene Geschichte - vor zwei Jahren war das Thema mit der hohen Erwartungshaltung, vor einem Jahr ging es für euch perfekt auf. Ist der diesjährige Cupfinal auch ein bisschen das Sinnbild eurer Saison? Man wird den Eindruck nicht los, das beim HC Rychenberg eigentlich mehr Potenzial vorhanden wäre...
Das sehe ich auch so. Es sind letztendlich viele kleine Details, die den Unterschied machen. Eric Kunz in unserem Tor hat heute extrem viele Bälle gehalten, er hat einen brutal guten Job gemacht. Er hat uns die Chance gegeben, überhaupt im Spiel zu bleiben. Aber wenn man am Ende selber nur zwei Tore schiesst, reicht es im Unihockey eben nur sehr selten. Ich finde, beide Teams haben ein bisschen gesündigt im Abschluss, und da wäre es an uns gelegen, unsere Tore zu machen. Sonst hast du in so einem Spiel halt das Nachsehen.