04.
12.
2023
International | Autor: Keller Damian

Die Heimat neu entdeckt

Dominique Schnetzer bestreitet ihre erste WM - für die Slowakei, das Heimatland ihrer Mutter. Die 25-jährige Stürmerin der Red Ants fühlt sich unter ihren Landsfrauen wie zu Hause. Trifft sie im Viertelfinal auf die Schweiz?

Die Heimat neu entdeckt Die Winterthurerin Dominique Schnetzer in slowakischen Diensten. (Bild: IFF)

Gut möglich, dass sich heute der Viertelfinalgegner der Schweizerinnen entscheidet. Der Gewinner der Partie Slowakei gegen Polen (ab 9 Uhr Schweizer Zeit) trifft als Gruppendritter am Freitag wohl auf die Schweiz. Sollten es die Slowakinnen sein, wäre das für Dominique Schnetzer natürlich eine spezielle Affiche. Die 25-jährige Winterthurerin in Diensten der Red Ants steht erstmals an einer WM für das Heimatland ihrer Mutter im Einsatz.

 

Wir geben es zu - bis kurz vor dieser WM hatten wir es nicht auf dem Schirm, dass mit dir eine Schweizerin für die Slowakei aufläuft. Wie kam es dazu?
Dominique Schnetzer: Meine Mutter stammt aus der Slowakei, mein Vater ist halber Italiener. Ich dachte nie an internationale Einsätze, bis mich - damals noch bei Frauenfeld - Trainer Simone Barratin auf die italienische Nati ansprach. Zu diesem Land hatte ich aber keinen Bezug, zur Slowakei durch die dort lebende Verwandtschaft hingegen schon. Den slowakischen Pass habe ich, seit ich zehn Jahre alt bin - bei Reisen war es manchmal praktisch, einen EU-Pass zu haben.

Die Slowaken dürften nichts von deiner Herkunft gewusst haben.
Nein. Ich fragte letztes Jahr erst einmal bei Kari Koskelainen nach, ob das für mich bezüglich Level überhaupt ein Thema wäre, dann meldete ich mich beim slowakischen Verband. Dieser wollte mich gleich für zwei Tage später stattfindende Länderspiele gegen Polen einladen, das war aber zu kurzfristig. Beim nächsten Zusammenzug klappte es und Anfang dieses Jahres bestritt ich dann die WM-Quali mit dem Team, dazu im Oktober das 6-Länderturnier.

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Dominique Schnetzer (Nr. 13) beim Line-Up vor dem Spiel gegen Schweden. (Bild: IFF)

Wie sattelfest bist du bezüglich Sprache?
Meine Mutter lebt in der Schweiz, seit sie vier Jahre alt ist und fühlt sich auch mehr als Schweizerin, sprach aber slowakisch mit mir, bis ich sechs Jahre alt war. Ich kann die Sprache also recht gut, nur den Unihockey-Slang musste ich mir in einem Steilkurs aneignen.

Cheftrainer Michal Jedlicka ist aber Tscheche.
Ich verstehe etwa 80 Prozent von dem, was er sagt. Die beiden Sprachen sind recht ähnlich, meine Teamkolleginnen verstehen fast alles. Wenn er laut wird, ziehe es manchmal vor, ihn nicht zu verstehen. Danach erklärt er mir in Ruhe noch einmal alles (lacht). Er ist ein sehr intensiver und akribischer Typ, von dem ich sehr viel profitieren kann.

Wie fühlst du dich im Kreis deiner Landsfrauen?
Mir ist die Slowakei durch die Nati viel näher gerückt. Bisher hatten wir einfach Besuch von Verwandten, abgesehen von der Familie hatte ich aber mit dem Land nicht viel zu tun. Jetzt fühlt es sich viel heimischer an.

Konntest du vor dem ersten Zusammenzug die Nationalhymne schon?
Auf der Anreise hörte ich die Hymne in der Endlosschlaufe, da ich panische Angst davor hatte, sie als Neuling singen zu müssen (lacht). Das war dann aber zum Glück nicht der Fall.

Beim WM-Auftakt setzte es die übliche Klatsche gegen Schweden ab - du konntest dir beim 3:20 aber einen schönen Assist gutschreiben lassen. Trotz der Niederlage ein Karrierehighlight?
Es war vor allem eindrücklich, gegen die Besten spielen zu dürfen. In der WM-Quali gegen die Schweiz, als wir knapp 6:7 verloren, kannte ich die Spielerinnen ja bereits. Aber Schweden war ein Erlebnis. Glaubt mir, beim Zuschauen von aussen oder am TV merkt man nicht wirklich, wie gut sie sind. Und mir kam der Gedanke: Okay, so gut kannst du werden, wenn du ab dem Juniorinnen-Alter Vollgas gibst... Das fehlt in der Schweiz halt, in der Slowakei sowieso.

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Das Duell mit Schweden war ein Erlebnis. (Bild: IFF)

Fans sind in Singapur Mangelware, bei eurem Spiel gegen Schweden waren weniger Leute in der Halle als bei Heimspielen der Red Ants. Kommt trotzdem WM-Feeling auf?
Nun ja, es fühlt sich speziell an, mit dem eigenen Team in einem fremden Land ein Turnier zu bestreiten. Aber in der Stadt ist die WM kein Thema, es ist keine Werbung zu sehen. Auch bei der Arena nicht. Wir wurden mal im Hotel von Leuten angesprochen, was es mit unseren Stöcken auf sich hat, dann wurden wir um ein Selfie gebeten. Aber ich hoffe schon, dass im Verlauf der Woche noch mehr Zuschauer den Weg in die Halle finden.

Müssen sich die slowakischen Spielerinnen an den Reisekosten beteiligen?
Nein, alles wird vom Verband übernommen. Wir logieren einfach in günstigeren Hotels als Top-Nationen oder sparen anderweitig - an der WM-Quali in Italien etwa waren wir zu viert in den Zimmern, die Schweizerinnen zu zweit. Hier in Singapur ist das Essen ein Thema. Meine Kolleginnen legen Wert auf Fleisch, typisch slowakisch. Das kommt in der asiatischen Küche weniger vor. Da ich kein Fleisch esse, stört mich das nicht.

Wie lauten die sportlichen Ziele?
Rang 5.

Nach der WM bleibst du noch drei Tage in Singapur - Red-Ants-Coach Pascal Leu soll dir schon ein gutes neues Jahr gewünscht haben, obwohl Mitte Dezember noch eine UPL-Runde ansteht.
Ich komme am Donnerstag nach der WM um 6 Uhr in der Früh in Zürich an - gerade rechtzeitig für das von Philipp Krebs und Kari Koskelainen geleitete Morgentraining um 7 Uhr, das uns zur Verfügung steht (lacht). Ich hoffe, dass es mir für das Heimspiel gegen Giffers in der Axa Arena vom 16. Dezember reicht.

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