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International | Autor: Streiter Constantin

Eindrücke eines Schweizers in Singapur

Der Könizer Michel Guillet lebt und arbeitet seit einigen Monaten in Singapur und wollte dort auch an der Unihockeymeisterschaft teilnehmen. Doch das Coronavirus machte dieses Vorhaben vorerst zunichte. In einem Interview liefert er uns viele spannende Eindrücke.

Eindrücke eines Schweizers in Singapur Die Black Wondersticks sind Serienmeister in Singapur. (Bild: Singapore Floorball Association)

In der aktuellen Ausgabe des Printmagazins berichten wir über den Unihockeysport in Singapur. Obwohl die WM-Qualifikation der Region Asien/Ozeanien nicht stattfinden konnte, nimmt der südostasiatische Stadtstaat an den Titelkämpfen im Dezember in Helsinki teil. Nach Veröffentlichung unseres Artikels wurde unihockey.ch vom Könizer Michel Guillet angeschrieben, der derzeit in Singapur lebt und arbeitet und sich bereit erklärte, uns in einem Interview von seinen Eindrücken zu erzählen - insbesondere natürlich der aktuellen Lage rund um die Corona-Pandemie. Diese durchkreuzte unter anderem seine Pläne, mit dem singapurischen Serienmeister in die neue Saison zu starten.

Erzähl uns doch zuerst einmal, warum und wie lange du überhaupt in Singapur bist.
Michel Guillet: Seit Anfang November 2019 arbeite ich in Singapur für Credit Suisse in einem International Assignment, geplant sind ein bis zwei Jahre. Somit bin ich gerade zum Ende der Unihockeysaison in hier angekommen.

Welches ist deine Unihockey-Vergangenheit in der Schweiz und wie kamst du dazu, auch in Singapur Unihockey zu spielen? Was kannst du uns über die Liga und das Niveau berichten?

In der Schweiz war ich bis am Wochenende vor meiner Abreise noch für die 1. Liga Kleinfeld bei Floorball Köniz aktiv. Ich spielte in Köniz schon seit den D-Junioren, ich bin Jahrgang 1990. Natürlich wollte ich in Singapur weiterspielen. Ich war schon während meinem Austauschsemester 2013 in einem Team, doch dieses war nur für Studenten. Also machte ich mich auf die Suche. Nach einer E-Mail an den Verband in Singapur hatte ich einige Trials mit den Black Wondersticks, dem Serienmeister in Singapur. Insgesamt ein Testspiel und ca. 6 Trainings. Anfangs März wurde die Kaderauswahl beendet und ich wurde ins Team integriert. Leider wurde der geplante Saisonstart im April bis auf ein unbekanntes Datum verschoben. Auch der Trainingsbetrieb wurde in der Zwischenzeit eingestellt. Somit habe ich wohl noch etwas zu wenig Erfahrung, um vom Spielbetrieb hier zu berichten und Einschätzungen zum Niveau der Liga abzugeben.

Wie geht es dir so in Singapur mit dieser ganzen Corona-Geschichte? Und wie lief das mit dem Betrieb der Teamsportarten?
Singapur war durch die Nähe zu China (primär durch die vielen chinesischen Touristen) bereits viel früher in Kontakt mit COVID-19 gekommen. Als bereits viele Massnahmen getroffen waren konnten wir aber immer noch unter den Auflagen wie Temperatur messen und Contact-Tracing-Angaben trainieren. Unser letztes Training war am 22. März, als die meisten europäischen Ligen bereits abgebrochen waren. Die Premier League Saison, die vor zwei Wochen begonnen hätte, wurde aber unbestimmte Zeiten verschoben. Leider erlebt Singapur erst jetzt stärker steigende Zahlen und somit ist ein baldiger Spielbetrieb unrealistisch - ich hoffe aber, dies noch erleben zu dürfen.

Wie muss man sich dieses Contact Tracing vorstellen? Also ihr trainiert normal, aber irgend eine App kann nachvollziehen wer wann wo mit wem unterwegs war?
Contact Tracing war zu Beginn sehr manuell. Bereits am 28. Februar, als ich zum Länderspiel gegen Neuseeland ging, mussten alle Zuschauer beim Eingang die Temperatur messen, Telefonnummer und Identifikationsnummer angeben, damit bei einem Covid-Fall alle in Quarantäne versetzt werden können. Dies wurde dann Standard für jedes Training. In der zwischen Zeit benutzt man eine App in Singapur.

Singapur ist bekannt für starke Regulierung auch in normalen Zeiten, auch jetzt wird perfide darauf geachtet, dass der "COVID-19 (temporary measures) ACT 2020" umgesetzt wird. So werden beispielsweise Kontrollen am Arbeitsplatz durchgeführt, dass man die festgelegte Schwelle von Mitarbeitern nicht überschreitet. Eine Missachtung der Maskenpflicht ausserhalb seiner Wohnung kosten beim ersten Vergehen 300 SGD (etwa 200 Franken), beim zweiten 1000 SGD. Auch das Treffen von Leuten ausserhalb seines Haushalts ist nicht mehr möglich. Ich bin seit dem 6. April nur noch im Homeoffice und dies sicher noch bis am 1. Juni. Leider sind momentan auch alle Anlagen in der Wohnung geschlossen, somit kann der 50-Meter-Pool nicht fürs Training genutzt werden. Aber alle halten sich sonst fit und so werden in den beliebten Unihockey Social-Media-Kanälen in Singapur immer wieder Trainingsvideos aufgeschaltet.

Was sind deine sonstigen Eindrücke von Singapur im allgemeinen und dem Unihockey im Speziellen? 
Singapur ist eine unglaublich grossartige Stadt, die Diversität der Kulturen und vor allem die dadurch resultierende kulinarische Auswahl ist phänomenal. Momentan geniesse ich auch die tropischen Temperaturen rund ums Jahr noch, aber vermutlich wird sich dies irgendwann ändern. Singapur ist klein und der öffentliche Verkehr ist ideal, um überall hin zu gelangen. Oft sehe ich in der MRT (Singapurs Metrobahn) Junge mit Unihockeystocktaschen, das ist hier nichts aussergewöhnliches mehr. Oft trainiert man nach den Junioren, welche durch mehrere Trainer und erfahrene Spieler betreut werden. Die Trainings dauern hier meistens zweieinhalb bis drei Stunden, was für mich eher ungewöhnlich war. Kombiniert mit 33 Grad Temperatur und einigen Ventilatoren kommt man da sehr in Schwitzen. Technisch sind die Spieler sehr gut, gerade bei den jungen Spielern gibt es da einige Zorro-Künstler, welche ihre Skills problemlos ins Spiel integrieren. Physisch ist das Spiel jedoch bisschen weniger kompetitiv als in Europa. Amüsant finde ich ihre Übungen, welche etwa 10-15 Pässe und verschiedene Laufwege kombinieren - eine simple Übung habe ich hier noch nie erlebt.

 

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