11.
2013
«Ich weiss, wie ein Athlet tickt»
Markus Wolf hat als Chef des Bundesamtes für Jugend und Erwachsenensport in Magglingen sowie einst als Unihockey-Nationalcoach gewirkt. Nun ist der 40-jährige Bündner neu Technischer Direktor von Swiss-Ski. Er erklärt im Interview mit der "Südostschweiz" weshalb.
Südostschweiz: Markus Wolf, mit dem Job als Technischer Direktor bei Swiss-Ski stellen Sie sich einer neuen Herausforderung. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Markus Wolf: Eigentlich gab es keinen Grund, die Arbeitsstelle zu wechseln. Ich war vier Jahre als Chef für Jugend- und Erwachsenensport beim Bundesamt in Magglingen tätig. Der Job gefiel mir gut. Dann kam im Frühling die Anfrage von Swiss-Ski.
Der neue Job hat demnach Sie gesucht und nicht umgekehrt.
Das kann man so sagen. Die Entscheidungsträger von Swiss-Ski kannten mich und meine Arbeit der letzten Jahre. Offensichtlich hielt man mich für den richtigen Mann für den Verband. Nach reiflichen Überlegungen sagte ich gerne zu. Ein Verband wie Swiss-Ski weckt auch Emotionen. Es ist ein neues, spannendes Projekt.
Sie traten das Amt im September und somit unmittelbar vor dem Saisonstart an. Das tönt nach hektischen Tagen.
Der Zeitpunkt ist in der Tat schon ein wenig speziell. Die entscheidenden Dinge für den Winter sind selbstverständlich längst aufgegleist. Es erleichtert indes auch in gewisser Weise den Einstieg. Ich bin sofort mittendrin. Die Tage sind sehr turbulent.
Wie wollen Sie als Technischer Direktor Akzente setzen?
Bei Swiss-Ski arbeiten auf allen Ebenen sehr gute Leute mit hervorragenden Qualitäten. Vielleicht gelingt es noch nicht immer gut, Vernetzungen und Synergien zu finden oder ganz einfach voneinander zu lernen. Das gilt für die interne wie externe Zusammenarbeit gleichermassen. Hier kann und will ich Akzente setzen. Ich möchte Brücken schlagen und Wissenstransfer ermöglichen. Neben dieser globalen Optik werde ich in vielen Detailbereichen Dinge finden, zu deren Optimierung ich beitragen kann.
Ihrem Vorgänger Dierk Beisel wurde oft vorgeworfen, dass er gar nicht die Zeit besitzt, sich wirklich um alle Disziplinen zu kümmern.
Das sehe ich eigentlich nicht als Problem an. Beim Bundesamt für Sport hatte ich 75 Sportarten, hier sind es sieben. Aber klar, kleinreden will ich die Aufgabe nicht. Ich bin gerade dabei, einen Plan zu entwerfen, wann und wo ich vor Ort Wettkämpfe der verschiedenen Sparten verfolgen kann. Ich will die Abläufe mitbekommen. Das ist nicht immer einfach. Die Snowboarder beispielsweise sind oft in Übersee unterwegs.
Sie verlassen möglichst oft den Schreibtisch und fühlen den Puls der Athleten?
Ja klar, auch dafür wurde ich geholt. Aus meiner Tätigkeit als Unihockey-Nationalcoach weiss ich, wie ein Athlet oder ein Trainer tickt. Genau deshalb ist es wichtig, die Teams regelmässig in Training und Wettkampf zu besuchen und so ein Gefühl für die wichtigen Entscheide zu finden.
Ist es eigentlich eine besondere Motivation, das neue Amt gleich mit einer Olympia-Saison zu starten?
Es ist selbstverständlich toll, auf der ganz grossen Bühne zu wirken. Doch ich muss ganz klar festhalten, dass mein Beitrag für die Olympia-Mission marginal ausfällt. Die Disziplinenchefs und Trainer haben die Saison aufgegleist, nicht ich. Mein Beitrag an etwaigen Medaillenfeiern in Sotschi wäre verschwindend klein.