04.
2012
The Big M
Während den Playoffs wird immer viel vom Momentum gesprochen. Wir haben es nun umgekehrt und mit dem Momentum selber gesprochen. Ein etwas anderes Interview.
Guten Tag, äh, Herr oder Frau Momentum?
Das ist nebensächlich, nennen Sie mich einfach Big M. Wir sind ja eine grosse Firma, haben Ableger in der ganzen Welt. Es gibt ja auch einen Film über mich und ein Jazz-Album, auch in der Politik bin ich ja tätig. Hach, überall werde ich gebraucht...
Das wollten wir grad fragen. Wieviele Momentüm.., äh Momentume...äh, Momenti gibt es eigentlich?
Früher war ich ein Solo-Projekt, aber mittlerweile habe ich so viele Aufträge, dass ich mich einfach vermehren musste. Ehrlich gesagt, hab ich die Übersicht ein wenig verloren. Die Sportjournis sprechen ja gern von dem bestimmten Momentum, aber das ist einfach Mumpitz. Wie beim Osterhasen oder Weihnachtsmann. Ich kann ja nicht im gleichen Moment überall sein. Also bitte.
Ähm, genau. Wie kommt man denn zu Ihnen?
Man kann mich bestellen. Bei den nationalen olympischen Komitees gibt es Formulare. Da bin ich sehr altmodisch, nix mit elektronisch oder so. Die richtig guten Teams schicken die Bestellung schon im Herbst, dann mach ich dann zwischendurch ein «Bsüechli», um mal zu schauen wie's so läuft. Und um ein paar Guetzli zu essen. Aber das kennt ihr ja, nicht wahr. Übrigens: Das Schweizer Fernsehen ist seit Jahren ein Grosskunde. Herr Rötheli ist ein guter Freund von mir geworden. Mit ihm trink ich gern einen Röteli, um noch einen schlechten Scherz zu machen.
Haha, wirklich ein schlechter... Ähm, macht es Ihnen denn nichts aus, wenn dauernd vom „viel zitierten Momentum", oder gar vom „geprügelten Momentum" gesprochen wird?
Ach wissen sie, alles Neider. Ich kann offen sagen, ich bin ein wenig eitel und stehe gern im Mittelpunkt. Meist sind es ja so Tribünenschwätzer, welche niemand beachtet, die schlecht über mich reden. Aber die Spieler und Trainer, die mögen mich sehr und kümmern sich liebevoll um mich. Manchmal ist es halt einfach schwer, sich für einen zu entscheiden. Also wechsle ich auch schon während einem Spiel die Fronten. Das kommt immer auf die Angebote drauf an, da bin ich offen vor alles. Ein bisschen Opportunismus muss sein. Und wer schätzt es nicht, wenn um einen gebuhlt wird?
Wie reagieren denn die Verlierer, wenn die Bestellung rechtzeitig einging, aber Sie dann doch die Fronten wechselten?
Tja, c'est la vie, man kann nicht alles haben. Im Kleingedruckten steht auch, dass ich keine Erfolgsgarantien abgebe. Manchmal sind halt die anderen Angebote einfach zu verlockend. Eine Meisterfeier mit den Höfis - hallo, wer kann da schon Nein sagen? Ich bitte Sie.
Haben Sie ein spezielles Verhältnis zu den Unihockeyspielern?
Nicht anders als zu anderen Sportarten. Das Geschwitze ist halt etwas unappetitlich, da fühl ich mich bei den Frauen etwas wohler. Dafür sind die strammen Wädli immer ein Leckerbissen. Komisch ist einfach, dass der beste Auftrag jedes Jahr aus diesem Zuchwil kommt. Will mich denn eigentlich niemand anders bei euch? Wie gesagt, bei den Meisterfeiern geht's dort jeweils ganz schön ab, vor allem in diesem Schlagertempel. Hossa, ein bisschen Spass muss sein! Aber immer diese kalte Eishalle, das ist gar nichts für meinen Rücken. Darum hab ich dieses Jahr gesagt, dass ich zuerst in einer warmen Turnhalle feiern will. Man wird ja nicht jünger, gell?