04.
2014
«Am liebsten mit Natalie weiter»
Piranha Chur hat sich das Jahr des Umbruchs mit dem Meistertitel versüsst. Wie die Männer von Alligator Malans erlebten die Churerinnen eine Achterbahnsaison, aber eine mit Happy End. Für nächste Saison zeichnet sich Kontinuität ab.
Die gestrige Nacht der Unihockeyanerinnen von Piranha Chur war feucht-fröhlich und lang. Die Churerinnen hatten auch allen Grund, es ordentlich krachen zu lassen: Sie waren in den Play-offs als Totgesagte wie Phönix aus der Asche auferstanden, verloren in den beiden Best-of-5-Partien gegen Winterthur und Dietlikon nur eine Partie und stürmten entfesselt zum Titel, der ihnen - ausser sie selbst - kaum mehr jemand zugetraut hatte. «Dieser Abschluss überstrahlt alles, was während der Saison nicht gut war oder schlechtgeredet wurde - die Turbulenzen, der Trainerwechsel, die Nieder lagen», sagt Seraina Ulber nach der Nacht der Nächte.
Das Auf und Ab im Lauf der Saison war vergleichbar mit jenem von Alligator Malans. Mit dem signifikanten Unterschied, dass Piranha Chur seine Achterbahnsaison mit einem Happy End abschloss. Die Malanser Männer mussten nach dem Meistertitel im Vorjahr im Halbfinal gegen Langnau die Koffer packen, die Churerinnen verabschiedeten sich derweil zum dritten Mal in Folge mit dem Meisterpokal in den Händen in den Sommer.
Selbstzweifel: Fehlanzeige
Auffallend ist, dass im Lager der Churerinnen zu keiner Zeit Stimmen des Zweifelns aufgekommen waren, auch dann nicht, als die Maschinerie ins Stocken geraten war. Die Aussagen der Spielerinnen zeugten stets von jenem Selbstvertrauen, das die Churerinnen in der schlechten Phase zwischen Dezember und Februar nicht zerbrechen liess. «Wir wussten immer, wozu wir fähig sind» (Ladina Sgier während des Play-off-Halbfinals), «Ich habe immer an uns geglaubt - auch dann, als nicht alles rund lief» (Katrin Zwinggi vor dem Final) und «Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn wir es nicht in den Final geschafft hätten» (Lara Heini während der Finalserie) sind nur einige Beispiele.
Um die Chancen auf das Happy End zu wahren, nahm Piranha Chur indes auch Abstriche in Kauf. Im Saisonverlauf reifte die Erkenntnis, dass das Kader zu schmal ist, um ganz vorne zu bestehen. Und dass von unten zu wenig nachkommt, um die Lücken oben mit eigenen Nachwuchskräften zu füllen. In den Play-offs mit zwei Blöcken zu agieren, war ein heisses Spiel. «Es war ein Risiko. Aber es ist genau aufgegangen», sagt Piranhas Interimstrainerin Natalie Stadelmann.
Präsident Thomas Handl räumt ein, dass man im Winter mit der Verpflichtung der Tschechin Hanka Lackova und der Finnin Annina Mero vom eingeschlagenen Kurs abgekommen sei, konsequent auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. «Aber einzig und allein deshalb, weil wir nicht alle unsere Juniorinnen verheizen wollen», erklärt Handl.
Vom Kurs abgekommen - aus Not
Die Torhüterinnen Lara Heini und Simona Stock, die Verteidigerin Ladina Sgier und die Stürmerinnen Ramona Ludwig und Isabelle Fausch, sie sind jene jungen Churerinnen, denen es gelungen ist, im Fanionteam Fuss zu fassen. Andere scheiterten vorerst oder kapitulierten gar. Handl spricht von einer Übergangsphase von ein, zwei Jahren, die nötig sei, bis weitere Nachwuchskräfte die hohen Churer Ansprüche in der NLA werden erfüllen können.
Nun, wie geht es weiter mit Piranha Chur? Nach dem grossen Umbruch im Vorjahr zeichnet sich Kontinuität ab. Wobei mindestens drei, vielleicht vier Ausländerinnen auch nächste Saison wesentlich dazu beitragen werden, dass Piranha ein Spitzenteam ist. Tiia Ukkonen, Mia Karjalainen und Hanka Lackova, so scheint es, werden ihre Verträge verlängern. Von den Schweizerinnen dürfte das Gros erhalten bleiben. Dazu geht Handl davon aus, dass in den nächsten Tagen ein paar Zuzüge dingfest gemacht werden können. Denn: «Wir müssen breiter werden», so Handl.
Auf dem Trainerposten hat sich «Notnagel» Natalie Stadelmann dank des starken Saisonfinishs in eine gute Position für ein weiteres Engagement gebracht. Spielerinnen und Vorstand würden eine weitere Zusammenarbeit mit der 124-fachen ehemaligen Nationalspielerin begrüssen. Die Zürcherin besitzt einen guten Draht zu den Spielerinnen und geniesst grossen Respekt. «Es wäre sehr schön, wenn sie weitermachen würde. Ich hoffe, sie sagt zu», meint Stürmerin Seraina Ulber. Auch Handl wünscht sich eine weitere Zusammenarbeit: «Am liebsten würden wir mit Natalie weitermachen.» Stadelmann selbst sagt: «Ich bin nicht abgeneigt.»
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"