03.
2014
Achterbahnsaison ohne Happy End
Beim gestürzten Titelverteidiger Alligator Malans ist am Sonntag die Zuversicht der Ernüchterung gewichen. Die Ursachenforschung gestaltet sich nicht leicht. Klar ist: Der K.O. kam nach dem stetigen Auf und Ab nicht aus dem Nichts.
Die Enttäuschung stand den Malansern am Sonntag in Biglen ins Gesicht geschrieben. Das 3:5 im siebten Spiel gegen Langnau - es war das abrupte Saisonende in den Play-off-Halbfinals. Nicht viel hatte gefehlt, und der Titelverteidiger hätte den Qualifikationssieger eliminiert und wäre in den Final eingezogen, zum dritten Mal in den letzten vier Jahren. Doch es sollte nicht sein. Die fast dreistündige Carfahrt aus dem Emmental zurück nach Maienfeld glich am Lärmpegel gemessen einem Trauermarsch. Keine Frage, die Enttäuschung war riesig.
Mit leeren Händen
Es lässt sich nicht behaupten, dass es den Malansern nach dem Coup im Vorjahr am Willen gefehlt hätte. Doch es ist nun mal so, dass die Alligatoren am Ende dieser ersten Saison nach dem Meistertitel im Vorjahr mit leeren Händen dastehen. «Wir sind immer ‘Zweiter' geworden», sagt Tim Braillard leicht verbittert. «Es fühlt sich ein wenig an, als hätten wir versagt. Weil wir wissen, dass mehr möglich gewesen wäre.» Bei Teamkollege Daniel Kläger klingt es ähnlich: «Versagen ist wohl das falsche Wort. Aber die Enttäuschung ist im Moment gross - die Enttäuschung darüber, dass wir in den entscheidenden Momenten nicht bereit waren.»
Nahe dran, mehr nicht
Am Champions Cup in Finnland schieden die Malanser im Oktober im Halbfinal aus - mit einem 6:8 gegen Falun nach dem besten Spiel der Saison, «aber dummerweise auch gegen den besten Gegner», wie Verteidiger Martin Joss treffend bemerkt. Im Cup verloren die Alligatoren den Final gegen die Grasshoppers (3:4). In der Meisterschaft scheiterten sie nun im Halbfinal am Qualifikationssieger Langnau hauchdünn mit 3:4 Siegen. «Positiv ist: Wir waren nahe dran. Negativ ist: Es hat dreimal nicht gereicht», fasst Joss zusammen. Braillard fügt an: «Die Saison war nicht brutal schlecht, aber das Schlechte überwiegt.»
Die Frage nach dem Warum wird die Malanser noch eine Weile beschäftigen. Klare Antworten haben sie noch nicht gefunden, aber allein am fehlenden Glück kann es nicht gelegen haben, darin ist man sich einig. Letztlich war es wohl ein Cocktail aus mentaler Leere, einem angekratzten Selbstvertrauen, aus Verletzungen von Schlüsselspielern, aus den Verlusten von Routiniers wie Michael Pfiffner, Armin Brunner und Mathias Larsson. Aus einer Gegnerschaft, die sich auf die Stärken (und Schwächen) der Malanser eingestellt hat, aus einem Halbfinalisten, der - ähnlich wie Malans im Vorjahr - einen famosen Lauf hat. «Vielleicht fehlten von allem die letzten paar Prozente», sinniert Joss und fügt aber an, was eben auch stimmt: «Das Aus gegen Langnau ist eine Niederlage, die man mit Fassung tragen kann. Die vier Halbfinalisten waren die klar besten Teams der Saison, und da gehörten wir dazu. Es waren Nuancen, die am Ende den Unterschied ausmachten.»
Ein Scheitern mit Ansage
Es ist aber auch so, dass sich das vorzeitige Ende mit Blick auf den Saisonverlauf angebahnt hat. Nach gutem Auftakt und dem unbelohnten Höhenflug am Champions Cup fielen die Malanser in ein Loch. Es folgten Niederlagen in der Meisterschaft, der durchzogene fünfte Qualifikationsplatz, aber auch der Einzug in den Cupfinal. Das schwindende Selbstvertrauen, der nicht mehr freie Kopf trug seinen Teil dazu bei, dass später im Cup und im Play-off-Halbfinal auch Niederlagen mit Gewicht folgten. Er bewirkte, dass Joss rückblickend von einer «Achterbahnsaison» spricht. Jedoch von einer Achterbahnsaison ohne Happy End.
Zeitungsbericht "Die Südostschweiz"