09.
2003
Auch Schweden zeigte Flagge
Was sind für euch die grössten Unterschiede
zwischen einem schwedischen Liga-Einsatz und einem internationalen
Spiel?

Per und Glenn standen an der WM sowohl am
Eröffnungsspiel ...
Per: Man trifft
manchmal auf völlig andere Spielkulturen, das kann recht schwierig sein.
Kürzlich haben wir zum Beispiel Tschechien – Russland gepfiffen, das war schon
etwas ganz anderes als in Schweden.
Glenn: Die Kommunikation ist
schwieriger. In Schweden sprechen wir sehr viel mit den Spielern während einer
Partie, und man kennt natürlich auch fast jeden Spieler. International geht das
nur auf englisch, und wenn das nicht hilft, muss man sich mehr mit Gesten oder
der Art des Pfeifens verständigen.
Da Schweden regelmässig im Final der grossen
Turnier ist und Weltmeister wird, werdet ihr wohl nie einen WM-Final leiten
können...
Per: Ein WM-Final wäre natürlich schon unser grosses
Ziel – aber wahrscheinlicher ist wohl, dass die Schwedischen Schiedsrichter
wieder nur das Spiel um Rang 3 erhalten. Schauen wir mal, wie das an der WM 2004
herauskommt. Wenn die Schweiz so spielt wie im ersten Spiel gegen Tschechien,
kann sie vielleicht ihre Vorrunden-Gruppe gewinnen. Und wenn Finnland einen
guten Tag hat, kann es Schweden im Halbfinal schlagen... Wir müssen
abwarten.
Wie beurteilt ihr denn diese Länderspiele
Schweiz-Tschechien?
Glenn: Wir beobachten die Schweizer ja
schon seit 1993. Und so gut wie im ersten Spiel haben sie mir noch nie gefallen.
Da war ein System dahinter, der Ball wurde sehr gut laufen gelassen.
Wieviele Einsätze in der schwedischen Liga
leistet ihr beide?
Per: Es sind, inklusive Playoffs, zwischen
25 und 30 Spiele, die wir arbitrieren. Also praktisch jedes Wochenende eines.
Uns sagt das sehr zu, mit solchen regelmässigen Einsätzen bekommt man ein
besseres Feeling für das Spiel.
In Schweden sind die Reisedistanzen sehr
gross... Jedes Wochenende ein Spiel – was sagen eure Familien und Arbeitgeber
dazu?

... als auch im kleinen Final im
Einsatz.
Glenn: Ich bin nicht
verheiratet...
Per: Meine Frau und die beiden Kinder haben viel
Verständnis für mich. Es braucht einfach viel Planung, wenn man das
Familienleben organisiert, dann klappt das schon. Mit meinem Arbeitgeber konnte
ich ebenfalls eine Lösung finden. Er hat auch gemerkt, dass ich die Erfahrungen,
die ich als Spitzen-Schiedsrichter sammle, auch im Job einbringen kann. Es
braucht auf diesem Level einfach 100% Einsatz, sonst sollte man es
lassen.
In der Schweiz stehen die Schiedsrichter oft in
der Kritik, auf die schwedischen Referees dagegen wird ein Loblied angestimmt.
Seid ihr in der heimischen Liga nie der Kritik ausgesetzt?
Glenn
lacht...
Per: Doch, natürlich. Von den Zuschauern, Spielern, Coaches –
auch von den Medien. Aber es ist besser geworden, die Spieler vor allem
verhalten sich professioneller. Früher erinnerten sie sich noch im April daran,
wenn wir im letzten September im 1.Drittel einen Fehler gemacht haben. Heute
sind solche Dinge schneller abgehakt.
Ihr seid schon lange im Geschäft. Was habt denn
ihr in dieser Zeit gelernt?
Per: Vor allem lernt man die
Spieler besser zu verstehen. Wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Da
kann man auch mal Verständnis aufbringen, die Ohren schliessen und bei gewissen
Bemerkungen weghören. Wir sind alles nur Menschen.
Wie sicher ist eure
WM-Selektion?
Glenn: Es gibt in Schweden etwa 10-12 Paare, die
auf sehr hohem und ausgeglichenem Niveau pfeifen.
Per: Ich denke,
wir sind schon in der Pole-Position. Aber die anderen wollen uns in einer
freundschaftlichen Konkurrenz verdrängen, die WM ist das Ziel aller Referees.
Aber nur drei Paare werden selektioniert. Ich bin jetzt einfach mal
zuversichtlich, dass wir dazu gehören werden.