20.
01.
2021
NLA Männer | Autor: Güngerich Etienne

Bier: "Es war ein steiniger Weg"

Kay Bier musste sich bei den Grasshoppers lange mit einer kleinen Rolle zufriedengeben. Mit 25 Jahren gehört der Zürcher nun zu den wichtigsten Verteidigern im Ensemble von Luan Misni.

Bier: Kay Bier sieht sich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. (Bild: Hinz Wilfried)

Die Grasshoppers setzten zum Re-Start mit dem Overtime-Sieg gegen den SV Wiler-Ersigen sogleich ein Ausrufezeichen. Einen Blitzstart legte GC auch am letzten Samstag im Auswärtsspiel gegen die Unihockey Tigers hin, ehe am Sonntag gegen Alligator Malans die erste Niederlage nach 60 Minuten folgte.

Immer wichtiger im Team der besten Offensive der Liga wurde in den letzten Jahren Defensivspieler Kay Bier. Der Verteidiger scheint nach vielen Saisons als Ergänzungsspieler für seine jahrelange Beharrlichkeit endlich belohnt zu werden und nimmt derzeit eine ähnliche Rolle ein, wie er dereinst in der U21-Mannschaft der Hoppers inne hatte. Im Interview, das wir nach der Partie in Biglen geführt hatten, spricht Bier über das Vertrauen von Trainer Luan Misni, seinen kurzen Abstecher nach Göteborg und über den speziellen GC-Torjubel.

Am Samstag habt ihr gegen die Tigers einen wahren Blitzstart hingelegt und nach acht Minuten schon mit 6:0 geführt.
Kay Bier: Das war sicher speziell und nicht alltäglich. Wir kamen sehr gut aus der Kabine und haben unsere Angriffe konsequent zu Ende gespielt.

Danach seid ihr aber rund 46 Minuten ohne Tor geblieben. Als beste Offensive der Liga wird euch das wohl ärgern?
Absolut. Es war schade, dass wir unser schnörkelloses Spiel nicht ganz durchziehen konnten. Die Tigers haben aber im zweiten Abschnitt mehr Druck gemacht und kamen höher pressen. So wurde das Spiel hektischer und wir schafften es nicht, Ruhe reinzubringen.

Auffällig war, dass GC ziemliche Probleme mit der Auslösung gegen den hohen Druck bekundete. Es fehlte den Verteidigern oft an Unterstützung, um breit zu spielen.
Genau das hat Luan Misini nach dem Spiel auch bemängelt. Es ist schade, weil wir dies in den letzten Wochen eigentlich intensiv trainiert haben. Ich weiss aber, dass wir das besser können.

Der Restart war bis vor dem Spiel gegen Malans (4:8-Niederlage, Anm.d.Red.) mit acht Punkten aus drei Spielen geglückt.
In der ersten Partie gegen Wiler haben wir eine sehr gute Leistung gezeigt. Meiner Meinung nach hätten wir dort schon nach 60 Minuten gewinnen sollen. Gegen WaSa spielten wir eigentlich nicht so gut, gegen die Tigers nur phasenweise. Aber das sind jeweils ganz andere Spiele als beispielsweise gegen Wiler.

Was macht den Unterschied aus?
Das Spiel ist auf beiden Seiten wesentlich kontrollierter und taktisch disziplinierter. Das liegt daran, dass Wiler eine ähnliche Spielphilosophie und Ideen hat wie wir und sehr viel Wert auf das Spiel mit Ball legt.

Für dich war es quasi eine Rückkehr. Während der Corona-Pause hast du einige Wochen in Göteborg bei Pixbo verbracht.
Ich war mit Pascal Meier in den Bergen, als er sich gerade auf ein Engagement mit Växjö einigte. Darauf fragte ich ihn, ob es vielleicht auch für mich eine solche Möglichkeit gäbe. David Jansson stellte dann den Kontakt zu Pixbo Wallenstam her.

Du hast aber nur trainiert und keine Spiele bestritten.
Ja, aber das war für mich auch ok so. Pixbo war auf der Suche nach Verteidigern, stellte aber sogleich klar, dass ich nur spielen werde, wenn mich der Coach aufbietet. Schlussendlich haben sie dann keine Lizenz für mich gelöst. Ich war aber bei den Spielen auf der Bank und konnte so etwas SSL-Luft schnuppern.

Du gehörst schon seit sieben Jahren zum NLA-Kader von GC. Oft wurdest du nur in der dritten Linie eingesetzt. Jetzt spielst du in der Top-Formation mit den Nati-Stars und gibst im Powerplay den „Point". Hat die Rollenveränderung etwas mit dem Abgang von Luca Graf zu tun.
Nein, das denke ich nicht. Denn es hatte schon vorletzte Saison damit angefangen, dass ich mehr Verantwortung erhalten habe. Ich würde sagen, dass mir im letzten Jahr der nächste Schritt in meiner Karriere gelungen ist. Jetzt geniesse ich eine Rolle, die ich früher in der U21 hatte. Das war aber ein steiniger Weg und ich habe immer noch Bereiche, in denen ich mich verbessern kann.

Und brauchte enorm viel Geduld. Deinen Durchhaltewillen muss man dir hoch anrechnen, manch ein anderer hätte vielleicht aufgegeben.
Darüber habe ich nie nachgedacht. Das liegt auch an Luan Misini. Er kommuniziert immer sehr direkt, ich wusste immer woran ich bin und an was es noch fehlt. Wenn es mal nicht so gut lief, hat er mich immer ermutigt, meinen Weg weiterzugehen. Das gab mir immer ein gutes Gefühl und ich glaubte stets an mich.

Zurück zur Meisterschaft: bei GC stürmen nach einem Torerfolg nicht alle aufs Feld, um zu jubeln. Nicht einmal auf der Bank wird abgeklatscht. Stattdessen werden die Spieler von einem frenetischen Applaus ihrer Kollegen an der Bande empfangen. Wer hatte diese Idee?
Die Weisung von swiss unihockey war ganz klar: es sollen nicht mehr alle gemeinsam auf dem Feld jubeln. Wir mussten dann etwas improvisieren und haben uns schlussendlich für diese Variante entschieden. Man darf nicht vergessen, dass es ein riesiges Privileg ist, dürfen wir überhaupt spielen. Deshalb respektieren wir auch die Massnahmen und wollen so unsere Dankbarkeit ausdrücken.

 

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