03.
2020
Der Sport gerät aus den Fugen
Die rapide Ausbreitung des Coronavirus' hat täglich neue Auswirkungen auf den Alltag - auch auf den Sport. Der Entscheid der Tessiner Kantonsregierung, bis mindestens zum 29. März alle Sportveranstaltungen zu verbieten, könnte früher oder später auch den Abbruch der Unihockey-Saison zur Folge haben.
Täglich gibt es neue Beschlüsse von Regierungen und Behörden, um die Ausbreitung des Coronavirus' einzudämmen. Von diesen ist meist auch der Sport betroffen. In der Schweiz verbot der Bundesrat am 28. Februar sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Europaweit kamen die Massnahmen erst in dieser Woche so richtig ins Rollen. In Deutschland, Österreich, der Slowakei, Polen und Norwegen brach man die Eishockey-Saisons gleich ganz ab, in Tschechien wird Ende März weitergeschaut. Diverse Spiele der Fussball-Bundesliga werden an diesem Wochenende ohne Zuschauer ausgetragen, genau gleich wie in Spanien, Frankreich, der Champions League oder der Europa League. Grossevents wie die Eishockey-WM oder die Fussball-EM stehen auf der Kippe. Das Sportsystem scheint in den nächsten Tagen auseinanderzufallen.
Ambri und Lugano vor verschlossenen Türen
In der Schweiz hatte der Bundesrats-Entscheid zur Folge, dass die Eishockey- und Fussballsaison auf Eis gelegt wurde. Der Schweizerische Eishockeyverband hoffte darauf, dass man die Playoffs am nächsten Dienstag mit Geisterspielen in Angriff nehmen kann. Doch daraus wird nun höchstwahrscheinlich nichts. Die Tessiner Kantonsregierung hat gestern verkündet, dass ab sofort und bis mindestens am 29. März sämtliche Sportveranstaltungen abgesagt werden. Selbst die Hallen werden geschlossen, womit beispielsweise die Profi-Vereine HC Lugano oder Ambri-Piotta nicht mehr in der Lage sind, einen Trainingsbetrieb zu führen, geschweige denn Spiele auszutragen. «Wir haben kein Stadion mehr», sagt HCL-Sportchef Marco Werder gegenüber Tamedia. Deshalb, und weil damit nicht mehr alle Teams die gleichen Bedingungen haben, wird die Eishockey-Saison aller Wahrscheinlichkeit nach am Donnerstag offiziell abgebrochen.
So weit ist man im Unihockey-Sport - bis jetzt - noch nicht. Zwar wurden ein paar der ersten Playoff-Partien noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder wie zuletzt vor weniger als 1000 Zuschauern ausgetragen. Gespielt wurde aber, bis auf das Playout-Spiel der Frauen zwischen Frauenfeld und Mendrisio, in sämtlichen Ligen - auch wenn es in der U21-Mannschaft des UHC Thun einen ersten Corona-Fall gab. «Wir stellen das Sportliche über den Kommerz und wir werden die Playoffs nötigenfalls auch mit Geisterspielen zu Ende bringen», sagte Daniel Bareiss nach der ausserordentlichen Liga-Versammlung vor einer Woche.
Doch nach dem Beschluss des Kanton Tessin steht swiss unihockey vor dem gleichen Problem wie der Eishockeyverband. Mit Mendrisiotto (NLA-Playouts Frauen) und Ticino Unihockey (NLB-Playoff-Halbfinals Männer) sind zwei Teams in laufenden Serien involviert, die keine Halle mehr haben und nicht mehr trainieren können. Gleiche Bedingungen für alle Nationalliga-Vereine sind damit nicht mehr gegeben. Vielleicht könnte man dieses Problem noch umgehen, in dem die betroffenen Teams ihre Heimspiele in einem anderen Kanton austragen. Aber spätestens, wenn andere Kantone dem Beispiel der Tessiner folgen, wird es auch dort keine Spiele mehr geben - auch nicht vor leeren Rängen. Kommt es soweit, wäre ein vorzeitiger Abbruch der Unihockeysaison 2019/2020 wohl kaum zu umgehen.
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12. 03. 2020