03.
2020
Ein Lokalheld für Chur Unihockey
Mit dem Schweden Pontus Karlson Martell gelingt Chur Unihockey ein Transfercoup. Nicht nur wegen dessen Skorerqualitäten, sondern vor allem, weil er ein Führungsspieler mit grosser Ausstrahlung ist. Ein anderer Schwede verlässt den Stadtklub: Dennis Blomberg.
Die Zahlen lassen aufhorchen. 29 Tore und 13 Assists in 31 Spielen: Das sind die Skorerwerte von Pontus Karlson Martell, die er in der diesjährigen Qualifikation der höchsten Schwedischen Unihockeyliga erreicht hat. Damit nimmt der Schwede Rang 18 in der Topskorerliste ein. Wenn Ende September die Svenska Superligan (SSL) in die neue Saison startet, wird der 30-Jährige jedoch fehlen. Chur Unihockey hat sich für die nächste Spielzeit dessen Dienste gesichert. Mit der Option auf eine Verlängerung.
Nicht nur die Punkteausbeute war es, welche die sportliche Führung des Stadtklubs dazu bewog, sich mit Karlson Martell auseinanderzusetzen. «Seine Persönlichkeit, seine Präsenz auf dem Feld ist eindrücklich», sagt Curdin Furrer, Präsident von Chur Unihockey. «Er ist ein Antreiber und geht als Captain voran.» Furrer hat sich selbst davon überzeugt: einerseits mit Livestream-Spielen, andererseits indem er eine Partie direkt vor Ort besuchte.
Emotionaler Abschied
Es ist vor allem diese Ausstrahlung als Führungsspieler, welche zum Entschluss der Verpflichtung des Schweden führte. Bei seinem letzten Heimauftritt wurde den anwesenden Verantwortlichen von Chur Unihockey bewusst, was Karlson Martell für einen Status in Höllviken geniesst. «All seine Aktionen wurden von den Zuschauern bejubelt. Er gilt als Lokalheld und verkörpert den Klub mit seiner Vereinstreue bestens.»
Dies hat damit zu tun, dass Karlson Martell seit seinem zwölften Lebensjahr für Höllvikens IBF spielt und bis jetzt diesem Klub treu geblieben ist. Klar, dass der Abschied emotional wurde. «Ihm ist das selbstverständlich nahe gegangen. Aber er hat uns auch immer wieder versichert, dass er sich auf die neue Herausforderung in Chur freut, und er bereit ist für diese Veränderung », so Furrer.
Chur Unihockey verschweigt nicht, dass man sich viel von der schwedischen Neuerwerbung erhofft. Trotzdem bremst Furrer vor einer zu hohen Erwartungshaltung: «Wir erwarten nicht, dass er bei uns die genau gleiche Präsenz wie in Höllviken zeigen kann. Das braucht mehr Zeit als eine Saison.» Dazu seien die Anpassung an ein fremdes Land und die sprachliche Barriere nicht zu unterschätzen. Und doch ist Furrer zuversichtlich, dass den Bündnern mit dem Schweden ein Transfercoup gelungen ist. «Er ist definitiv ein absoluter Wunschspieler für uns.»
Einer, der mit der Philosophie von Chur Unihockey gut leben kann, die besagt: «Ein Spieler soll nicht viel mehr verdienen als andere im Team.» Offen und ehrlich habe man das mit Karlson Martell besprochen. «Für ihn war das verständlich und kein Problem», sagt Furrer. Der 30-Jährige wird von Chur aus im Homeoffice für seinen Arbeitgeber in Schweden arbeiten können. «Es herrschen somit auch beim ihm die gleichen Voraussetzungen wie für unsere anderen Ausländer», so der Präsident.
Karlson Martell bereitet sich selbstständig im Sommer in Schweden auf die neue Saison in der Schweiz vor. Ende Juli soll er zum ersten Mal nach Chur reisen, um seine neuen Teamkollegen kennenlernen zu können. Leistungstests und ein Trainingslager in Finnland werden folgen.
Ausnahmeregelung für jungen Finnen
Für die Neuverpflichtung weicht ein anderer Schwede im Kader von Unihockey Chur: Dennis Blomberg. Dieser entschloss sich Ende Februar dazu, in seine Heimat zurückzukehren. «Wir haben uns im Gespräch gegenseitig gefunden, sodass niemand dem anderen absagen musste», sagt Furrer.
Blickt der Präsident auf die Zeit mit Blomberg zurück, sagt er: «Er hat das als ausländischer Verstärkungsspieler während seinen zwei Jahren bei uns gut gemacht. Er hat seine Tore erzielt und war ein wichtiges Puzzleteil für uns.» Trotzdem lässt Furrer durchblicken, dass er mit Karlson Martell einen Spieler erwartet, der deutlich mehr Leadership mitbringen wird, als dies Blomberg tat.
Weiter mit dabei bleiben der Tscheche Daniel Sesulka und der Finne Miro Lehtinen. Damit wäre das Ausländerkontingent ausgeschöpft. Eine Ausnahmeregelung gibt es für den Finnen Kim Hyrkkönen mit Jahrgang 2000. Aufgrund seines jungen Alters belastet er das Ausländerkontingent noch nicht und gilt weiterhin als Juniorenspieler. Chur Unihockey darf also faktisch mit vier Ausländern in die neue Spielzeit starten.
Auch sonst bleibt das Kader des Stadtklubs zusammen und wird voraussichtlich nur um Noah Brunold, Gian Candrian (beide U21) und Rückkehrer Renzo Mayer ergänzt. «Er hat verfolgt, was sich bei uns entwickelt und will wieder ein Teil davon sein. Er hat sich deshalb für einen Wechsel von den Tigers Langnau zurück in seine Heimat entschieden», sagt Furrer.