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NLA Männer | Autor: Güngerich Etienne

Gefestigtes System und rosige Aussichten

Floorball Köniz hat sich vor zwölf Tagen dank eines 3:2-Sieges über den SV Wiler-Ersigen zum Schweizer Meister gekrönt. Wir blicken noch einmal auf den Superfinal zurück, zeigen die Gründe für die erfolgreiche Könizer-Saison auf und wagen einen Ausblick. Dabei stellten wir fest: die Aussichten auf die neue Saison sind nach dem zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte wesentlich besser als beim ersten.

Gefestigtes System und rosige Aussichten Floorball Köniz bezwang im Superfinal wie schon vor drei Jahren den SV Wiler-Ersiegen (Bild: Dieter Meierhans)

Gewisse Parallelen sind von den Superfinals 2018 und 2021 auszumachen. Vor allem aus Sicht von Floorball Köniz. Waren es vor drei Jahren 72 Sekunden ehe Manuel Maurer die Berner Vorstädter in Führung schoss, brauchte Stefan Hutzli diesmal nur 39 Sekunden. Wie schon vor drei Jahren ging Köniz mit einer Zwei-Tore-Führung im Rücken in die erste Pause. Das Mitteldrittel wurde zwar erneut mit 0:1 verloren (inzwischen weist Köniz in seinen drei Superfinals eine kuriose Mitteldrittel-Bilanz von 0:7 auf), der Vorsprung wurde aber wieder über die Zeit gerettet.

Defensive verbessert
Wie schon 2018 ging FBK mit einer ausgeklügelten Taktik in den Superfinal - vor allem im Spiel mit Ball. Es wurde versucht, so lange wie möglich selber in Ballbesitz zu bleiben. Im Wissen, dass es der Gegner liebt, den Ball in den eigenen Reihen zu haben. Im ersten Drittel ging dieser Plan noch ganz gut auf. Doch als Wiler mit den Flügeln mehr Druck praktizierte, konnte Köniz die geplanten Auslösungen nicht mehr sauber zu Ende spielen und liess sich immer mehr zu einer Rückwärtsbewegung zwingen. In diesem Zusammenhang steht auch der grösste Unterschied zum Finalspiel von 2018. Jan Zaugg schloss damals zwei lehrbuchmässige Konter mit Toren ab und baute die Führung auf vorentscheidende vier Treffer aus. Dies gelang Köniz in diesem Jahr nicht, weil die (wenigen) Kontermöglichkeiten zu wenig präzis ausgespielt wurden. Deshalb musste bis zur letzten Sekunde gezittert werden.

Doch je länger die Partie dauerte und je öfter Wiler an einem Könizer Verteidiger hängen blieb, desto mehr stieg das Vertrauen in den eigenen Defensivverbund. Für Unihockeyfreunde, die sich auf einen spektakulären Final gefreut hatten, mochte diese Spielweise vielleicht etwas unattraktiv erscheinen. Aber gut verteidigen, ist eben auch eine Qualität. Vor allem eine, die sich nicht von heute auf morgen aneignen lässt. Seit über zehn Jahren wird in Köniz auf das W-System gesetzt. Die zwei Meistertitel haben belegt, dass es im Unihockey in defensiver Hinsicht das zuverlässigste ist. Vorausgesetzt, jeder Spieler identifiziert sich voll damit und hält sich an die Vorgaben - was natürlich bei Köniz in der Vergangenheit auch nicht immer der Fall war. «In der letzten Saison haben wir gemerkt, dass wir viel zu viele einfache Gegentore erhalten haben. Danach nahmen wir uns vor, dass wir dort besser werden», erklärt Verteidiger Yann Ruh. Während Mannschaften mit einem anderen System in den Playoffs oft etwas ändern mussten, weil sie zu viele Tore erhielten, sah sich Köniz in dieser Saison nie zu Umgestaltungen gezwungen. Weil es funktionierte und die Gegner einfach keine Lösungen fanden.

Die Unterstützung der Bank
Beim ersten Meistertitel war das System auch der Hauptgrund für den Erfolg. Mit René Berliat stand damals der Trainer an der Bande, der dieses System nach Köniz gebracht hatte und es in- und auswendig kennt. Doch auch er brauchte nach seiner (dritten) Rückkehr im Spätwinter 2015 etwas Zeit, um die Details seinen Spielern wieder zu implementieren. Nach dem Titel kam mit Jyri Korsman erstmals ein Trainer aus Finnland, wo das W-System nicht sonderlich beliebt ist. Im Land des Weltmeisters wird lieber ein 1-2-2 praktiziert, mehr gepresst. Korsman brachte frischen Wind in die Berner Gemeinde. Neue Ideen, eine neue Trainingsgestaltung, andere Ansprachen, andere Theoriestunden. Ab so viel Neuerungen ging beim einen oder anderen Spieler die Disziplin bezüglich Defensive etwas verloren.

Korsman ist ein akribischer Trainer, der Tag und Nacht an Unihockey denkt. Er überlegt sich die verrücktesten Sachen, um sein Team zu einer Einheit zu formen. «Working Gloves», «I belive», Motivationsvideos von ehemaligen Spielern. Mit diesen Methoden schaffte er es, einen enorm grossen Zusammenhalt in der Mannschaft zu entwickeln. Die bedingungslose gegenseitige Unterstützung war in dieser Saison besonders spürbar. Kein anderes Team konnte auf so viel Unterstützung innerhalb des Teams zählen, wie Köniz. Jeder geblockte Schuss, jede gelungene Aktion wurde von der Bank frenetisch gefeiert - und das nicht erst seit den Playoffs. So etwas geht auch am Gegner nicht spurlos vorbei, kann ihm ein paar (vielleicht entscheidende) Prozent des Selbstvertrauens rauben.

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Jyri Korsman, hier mit dem abtretenden Simon Müller, hat erstmals in seiner Karriere einen Titel gewonnen. (Bild: Dieter Meierhans)

Diesmal kein Aderlass
Für seine harte Arbeit wurde Korsman nun mit seinem ersten persönlichen Titel belohnt. In den drei Jahren bei Köniz hat sich auch er weiterentwickelt. Er hat verstanden, dass Köniz ein Verein ist, der eine flache Hierarchie braucht. Anders als im Premiere-Jahr hat er die Verantwortung besser auf seine Spieler verteilt. Der Finne ist aber kein ausgewiefter Taktik-Fuchs, den Hauptfokus legt er in seiner Trainertätigkeit auf andere Sachen. Aber er war sich nicht zu schade, diesbezüglich Meinungen von dem Verein nahestehenden Personen wie René Berliat oder Felix Huber einzuholen. Sie kennen sich im Könizer-System durch ihre langjährige Tätigkeit im Klub genauso gut aus, wie einige Spieler. Oliver Schmocker, Simon Müller, Manuel Maurer oder Jonas Ledergerber haben alle Juniorenstufen durchlaufen, identifizieren sich mit der Philosophie des Vereins. Sie verfügen über eine hohe Spielintelligenz und helfen mit, die Taktik ständig weiterzuentwickeln. Darum haben auch sie grossen Anteil daran, dass das System in dieser Saison nicht geknackt werden konnte.

Solche Akteure wird Floorball Köniz dank seiner hervorragenden Juniorenabteilung auch in den nächsten Jahren haben, was gegenüber der Konkurrenz ein Vorteil ist. Und im Gegensatz zu den drei Saison, in denen die Berner Vorstädter zuvor schon bis in den Final stürmten, sieht sich die erste Mannschaft diesmal nicht mit einem Aderlass von Spitzenspielern konfrontiert. 2013 standen Thut, Schneiter, Graf (alle nach Schweden), Wälti (Pause), Bill oder Djurling (beide Rücktritt) in der Folgesaison nicht mehr im Kader. Nach dem Superfinal 2016 gehörten Graf (GC), Berweger (Uster) und Thut (Rücktritt) nicht mehr dem Team an und vor drei Jahren beendeten Kuchen, Schmocker, Johansson und Dargren ihre Karrieren. Zudem ging Manuel Maurer erstmals nach Schweden.

Überbesetzung Steuerflügel
Das wird der Nati-Stürmer auch diesmal tun. Doch der Tospkorer sieht in seinem Abgang für den Verein auch Vorteile. «Wenn ich weg bin, bekommt Raul Willfratt eine grössere Rolle und kann den nächsten Schritt machen», so der Waberer. In der Tat wäre es mit Maurer auf der Position des Steuerflügels eng geworden. Durch die Rückkehr von Silvan Bolliger und Jan Zaugg, sieht sich Sportchef Heinz Zaugg einmal mehr mit einer Überbesetzung auf dieser Position konfrontiert. Vor allem auch, weil Jonas Ledergerber in den Playoffs als Steuerflügel herausragende Leistungen zeigte. Ansonsten hat Zaugg sein Team beisammen. Vorab wird er froh sein, dass das Ausländertrio (Holopainen, Kisugite, Jirebeck) erstmals komplett gehalten werden konnte.

Mit Begriffen wie «Dynastie» oder «Ära» sollte sorgfältig umgegangen werden. Um dem gerecht zu werden, braucht es schon mehrere Meistertitel hintereinander, was im Schweizer Männerunihockey bisher erst Rot-Weiss Chur und Wiler-Ersigen gelang. Aber weil Köniz mit dem mehr oder weniger gleichen oder sogar noch leicht stärkeren Team in die neue Saison gehen kann, ist den Berner Vorstädtern die Titelverteidigung zuzutrauen. Letztmals gelang dieses Kunststück Wiler-Ersigen vor sechs Jahren. Zweimal einen Superfinal gewinnen, konnte bisher noch niemand. Beim ersten Husarenstück war bei den Spielern und im Umfeld der Könizer die pure Erleichterung und Ektase zu vernehmen. Alle waren einfach froh, endlich auch auf höchster Stufe Meister geworden und nicht mehr nur der «Ausbildungsklub» zu sein. Diesmal machte die Euphorie eher tiefer Genugtuung Platz. Und in diese mischte sich schon wieder etwas Erfolgshunger. So wie sich Spieler und Staff nach Spielschluss äusserten, war spürbar: sie wollen mehr und sind noch nicht am Ende ihres Wegs.

Weitere Analysen und Stimmen zum Superfinal gibt's in unserer neuen Print-Ausgabe.

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Tabellen

1.Grasshopper Club Zürich111:692.313
2.UHC Alligator Malans95:622.250
3.Floorball Köniz96:662.000
4.SV Wiler-Ersigen96:701.938
5.Zug United100:921.625
6.HC Rychenberg Winterthur82:901.438
1.Kloten-Dietlikon Jets90:372.462
2.Skorpion Emmental Zollbrück70:482.077
3.piranha chur75:541.833
4.Zug United51:521.667
5.Wizards Bern Burgdorf64:691.538
1.Floorball Thurgau43:243.000
2.Unihockey Basel Regio40:182.800
3.UHT Eggiwil29:242.000
4.RD March-Höfe Altendorf36:301.800
5.I. M. Davos-Klosters32:271.600
6.Ticino Unihockey24:311.600
7.Unihockey Langenthal Aarwangen24:371.200
8.Regazzi Verbano UH Gordola27:341.000
9.Floorball Fribourg28:401.000
10.Kloten-Dietlikon Jets29:420.800
11.UHC Grünenmatt28:300.600
12.UHC Sarganserland38:410.600
1.UH Lejon Zäziwil50:202.857
2.Waldkirch-St. Gallen32:182.286
3.Visper Lions28:242.000
4.UH Appenzell34:321.857
5.Unihockey Basel Regio32:341.571
6.Aergera Giffers30:301.286
7.Floorball Uri28:301.000
8.Hot Chilis Rümlang-Regensdorf17:310.857
9.Nesslau Sharks18:290.714
10.UC Yverdon18:390.571

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