05.
2006
Haarscharf an Fehlstart vorbei
Norwegens Naticoach Urban Karlsson ballte nach dem Schlusspfiff die Faust. Er hatte erreicht was er wollte: Dem Favoriten Schweiz ein Bein gestellt und sich die Chance auf den Halbfinaleinzug gewahrt. „Nun steht die Schweiz mächtig unter Druck“ sagte er zufrieden an der Pressekonferenz, „für sie wäre eine Nichtqualifikation eine Katastrophe.“ Dies war letztmals 1996 der Fall – auch nach Unentschieden gegen Norwegen… Der Schweizer Nationaltrainer Markus Wolf sah das Ganze weniger dramatisch: „Ich weigere mich den weiteren Verlauf auf blosses Toresammeln zu reduzieren. Wir können auch gegen Schweden ein oder zwei Punkte holen. Schlussendlich brauchen wir bis am Donnerstag einen Punkt oder ein Tor mehr als Norwegen.“
Später Ausgleich
Steigerungspotential besitzt die Schweizer Auswahl in der Tat noch. Vor allem die Abwehr wirkte nicht immer sattelfest. Mehrmals liessen sich die Verteidiger mit hohen Bällen oder Kontern überlaufen. So blieb Wolf im letzten Drittel nach einem 4:5 Rückstand nichts anderes übrig, als seine Kräfte auf zwei Linien zu bündeln. So erzeugten die Schweizer auch mehr Druck und kamen durch Joel Krähenbühl auch zum Ausgleich (44.). Der wirblige Wiler-Flügel zeigte eine tadellose Vorstellung und wurde verdient zum besten Spieler ausgezeichnet. Der Youngster zeigte seinen Teamkollegen vor was es braucht auf internationalem Niveau: Unerschütterlich wehrte er sich im Slot gegen beinahe doppelt schwere Gegenspieler. Zahlreiche blaue Flecken und zwei Tore waren das Resultat. Trotzdem kamen die Norweger erneut zum Ausgleich. Tommy Midtsveen drückte den Ball über die Linie (46.). Je länger die Partie dauerte, umso druckvoller agierten die Schweizer. Bis zur 56. Minute mussten sie sich aber gedulden, ehe der Ausgleich kam. Christoph Hofbauer erwischte den norwegischen Torhüter nach einem schnellen Pass von Michael Zürcher zum 6:6. Zu mehr reichte es – trotz weiteren Chancen – aber nicht.
Feueralarm bricht Schweizer Rhythmus
Mühe hatten die Schweizer mit der ungewohnten Härte der Norweger. Relativ lasch interpretierten die finnischen Schiedsrichter das Regelwerk. Eigentlich kein Wunder dass die Finnen das harte Spiel tolerierten: Seit dem Sieg am Song Contest sollte ja bekannt sein, dass sie eher raue Gesellen sind… Den Eidgenossen war aber auch anzumerken, dass ihnen die Favoritenrolle nicht behagte. Erst gegen Spielende hatten sie die Partie im Griff – vorher bestimmte viel zu viel Hektik ihr Spiel. Eine komische Situation ereignete sich im Mitteldrittel. In der 23. Minute machte sich die Rauchmaschine selbständig – ein Feueralarm und eine viertelstündige Unterbrechung waren die Folge. Der Alarm brachte die Schweizer mehr aus dem Konzept als die Norweger. Mit zwei Toren im Anschluss kehrten sie die Partie und gingen erstmals in Führung. Zwar gelang den Schweizern durch einen präzisen Weitschuss von Andreas Cadisch der Ausgleich (34.), neun Sekunden vor Drittelsende verwertete Raymond Evensen einen Penalty souverän.
Norwegen – Schweiz 6:6 (2:3, 3:1, 1:2)
Idrottens Hus Helsingborg (SWE) – 532 Zuschauer
SR: Riihimäki/Sirkka (FIN)
Tore: 5. (04.32) Schneeberger (Zürcher) 0:1, 5. (04.56) Krähenbühl (Zimmermann) 0:2, 11. Fauskanger (Raymond Evensen) 1:2, 14. Zürcher (Bill) 1:3, 17. Kronberg (Ausschluss Markus Gerber) 2:3, 24. Raymond Evensen (Fauskanger) 3:3, 29. Midtsveen (Kronberg/Ausschluss Schneeberger) 4:3, 34. Cadisch (Stucki) 4:4, 40. (39.51) Raymond Evensen (Penalty) 5:4, 44. Krähenbühl 5:5, 46. Midtsveen (Kronberg) 6:5, 55. Christoph Hofbauer (Zürcher) 6:6
Strafen: Norwegen keine, Schweiz 3x2'
Schweiz: Tönz; Schneeberger, Bill; Kaltenbrunner, Flury (ab 39. Roger Gerber I); Dysli, Markus Gerber; Matthias Hofbauer, Christoph Hofbauer, Michael Zürcher; Krähenbühl, Roger Gerber II, Zimmermann; Aeschlimann, Stucki, Cadisch
Norwegen: Näsholm; Eide, Olsen; Nilsen, Kragerud; Fauskanger, Raymond Evensen, Sletten; Kronberg, Pettersen, Midtsveen; Glen Evensen, Isnes, Skav
Bemerkungen:Schweiz ohne Wolf, Brunner, Rohner (überzählig); 23. Spielunterbruch während 15 Minuten nach Feueralarm; 25. Pfostenschuss Christoph Hofbauer, 31. Pfostenschuss Bill; 39. Flury verletzt ausgeschieden
Beste Spieler: Evensen / Krähenbühl