07.
2008
Knäckebrot statt Nusstorte
„Ich will mich sportlich, wie menschlich weiterbilden", nennt Andreia Koller die wichtigsten Gründe für den Wechsel nach Schweden. Beim letztjährigen Tabellenzwölften FBC Engelholm wird die 29-jährige mit offenen Armen empfangen. „Wir haben schon letzte Saison einen Topgoalie gesucht, nun sind wir stolz, dass sie zu uns kommt", freut sich Engelholms Sportchef Johan Karlberg auf das Engagement der Schweizerin. Beim westschwedischen Traditionsclub tritt Koller in prominente Fussstapfen. Vor drei Jahren spielte bereits Laura Tomatis, ihre Vorgängerin im Schweizer Tor, für eine Saison dort.
Keine Freigabe
Dass Andreia Koller die nächste Saison in Schweden spielt, hat aber auch einen anderen Grund. Unzufrieden mit der sportlichen Situation, wollte sie ihren letztjährigen Verein Zug United eigentlich verlassen. Mit Vizemeister Piranha Chur war sich Koller bereits einig und nahm das Sommertraining bei den Bündnerinnen auf. Doch die Zuger Verantwortlichen beharrten auf dem 3-Jahres Vertrag und hätten Koller die Freigabe für einen Wechsel in der Schweiz nur gegen Bezahlung einer fünfstelligen Ablösesumme erteilt. Für Piranha Chur eine illusorische Sache. "So viel Geld haben wir nicht übrig", meinte Sportchfin Brigitta Wegmann auf Anfrage. Das Vorgehen der Zuger beschäftigte schlussendlich sogar den Verband, doch wurde der Vertrag als rechtmässig taxiert.
Fehlersuche
„Die Verträge in Zug sind schon professionell", meint Koller nur dazu. Die Enttäuschung über das Verhalten der Zuger Verantwortlichen („Nicht alles was versprochen wurde, wurde auch eingehalten") ist ihr anzumerken, die Fehler sucht sie aber vor allem bei sich selber. „Ich war zu naiv, als ich den Vertrag, ohne vorher genau zu überprüfen, unterschrieb", sagt sie ein Jahr nach der fatalen Unterschrift. „So etwas wird mir sicher nicht mehr passieren", ist sie sich mittlerweile sicher. „Es geht wohl grundsätzlich nicht um mich, sondern ist mehr eine Grundsatzfrage", analysiert Koller das Verhalten von Zug United mittlerweile.
Piranha muss weitersuchen
Mit der Situation hat sie sich nun aber abgefunden und freut sich jetzt auf die Aufgaben in Schweden. „Ich will mich bei Engelholm durchsetzen und eine Leaderfigur werden", erklärt sie ihre Ziele. Und dankt Piranha Chur für die temporäre Aufnahme. „Die Mannschaft hat mich toll aufgenommen, schade, dass es mit dem Wechsel nicht geklappt hat", verdrückt sie kurz vor der Abreise noch ein kleines Tränchen. Bei Piranha
Chur wird die Suche nach einer Torhüterin neben Sara Vitetti nun weitergehen. Die zurückgetretene Alexandra Boner winkt aber bei allfälligen Comeback-Anfragen ab. Bereits seit längerem hatte sie ihren Rücktritt auf Ende der letzten Saison angekündigt - „und wer A sagt, muss auch B sagen", ergänzt die Churerin, welche den ersten Sommer seit zehn Jahren ohne Sommertraining „in vollen Zügen geniesst".
Nemo
04. 07. 2008