Die Grasshoppers machen das Titelrennen spannend: Nach 10 gewonnen Play-Off Partien in Serie verlor Europacupsieger Wiler-Ersigen erstmals wieder. In der Verlängerung schiesst Rinaldo Walser das entscheidende 9:8 nach einer turbulenten Partie.
Normal war am Sonntagabend in Zürich wenig: z.B. dass
bereits um 18:30 Uhr im Hauptbahnhof grün-weisse Fahnen geschwungen wurden, dass
Wiler-Coach Thomas Berger bereits in der 32. Minute nach einem 6:2 Rückstand ein
Time-Out nehmen musste, dass Hannu Korhonen eine ganze Partie durchspielen
durfte, dass Wiler-Ersigen bei einer 5-Minuten-Strafe nur 1 Tor schiesst und
sogar noch eines hält, dass bei einem GC-Heimspiel fast 2'000 Zuschauer (1'920)
erschienen und dass Dario Pasquariello danach nicht alleine die Banden aufräumen
musste. Normal – wenn man das so sagen kann – war eigentlich nur, dass Niklas
Jihde den Saison-Torerekord (55)von Martin Olofsson brach. Der Schwede wollte
seinen Abschied aus der Schweiz nochmals in vollen Zügen auskosten: Gleich in
zwei Sturmformationen agierte der 28-jährige Ausnahmekönner. In Griff bekam
Wiler Jihde nur gegen Ende der Partie, trotzdem reichte es dem Schweden zu
sagenhaften 5 Toren und 1 Assist. An der Entscheidung hatte er aber für einmal
den Stock nicht im Spiel: Patrick Bachmann schnappte sich den Ball an der
Mittellinie, zog unwiderstehlich davon und bediente den mitgelaufenen Rinaldo
Walser mustergültig. Es war die erste Chance der Zürcher, zuvor verpasste
Wiler-Ersigen die Entscheidung gleich mehrmals.
Alle Dämme brechen
Das Publikum bekam einiges geboten, auch wenn die Partie nur zögerlich in
Schwung kam. Den Anfang setzte Wiler-Schwede Olle Thorsell mit einem beherzten
Weitschuss, den Hannu Korhonen eine Zeigerumdrehung später bereits ausglich.
Einen Ballverlust Loyan Osmans verwerteten die Hofbauer-Brüder kurz danach zur
erneuten Führung, die Jihde nach einem Fehlpass Michael Flurys zur Pause wieder
ausglich. Im 2. Drittel brachen dann alle Dämme. Die Mittelzone wurde gänzlich
den Stürmern überlassen und die Tore fielen wie reife Früchte vom Baum. Bis zur
32. erhöhte GC auf 6:2 – dreimal hiess der Torschütze Jihde, einmal Christoph
Riedel. Berger stellte nach dem Time-Out die Linien um und Wiler kam nur eine
Minute durch Adrian Zimmermann nochmals heran, was GC’s Lukas Nabold mit dem 7:3
konterte. Wer glaubte, Wiler wäre nun geschlagen, täuschte sich: Der
Titelverteidiger biss nochmals auf die Zähne und glich mit einem Kraftakt bis
zur 44. Minute aus. Einmal mehr Jihde schoss die Zürcher nur 19 Sekunden später
wieder in Führung – Teamkollege Urs Helbling sah den Treffer von der Strafbank
aus. Nach einem harten Bandenzweikampf wurde er für 5 Minuten dorthin geschickt.
GC verteidigte sich clever, erst ein doppelter Doppelpass von Roger Gerber
entzauberte die Hintermannschaft. In der Verlängerung drückten die Berner auf
die Entscheidung, das entscheidende Tor gelang aber den Hoppers.
Wiler ist gefordert
Wer einen erneuten „Sweeper“ des SV Wiler-Ersigen in dieser Finalserie
erwartete, musste sich wohl zweimal die Augen reiben. Nach dem Motto „Angriff
ist die beste Verteidigung“ brachten die Grasshoppers nach Alligator Malans auch
den Europacupsieger in arge Bedrängnis. Die von Berger geforderten schnellen
Ballstafetten waren viel zu wenig zu sehen, Wiler passte sich viel zu sehr dem
einfachen, aber effektiven Spiel der Hoppers an. Die bewährte
„Andy-Brehme-Gedenkflanke“ der Zürcher Verteidiger vors gegnerische Tor auf „Big
Niklas“ war auch heute eine der gefährlichsten Waffe. Nun ist Wiler gefordert,
plötzlich ist der Titeltraum der Hoppers gar nicht mehr so unrealistisch.
Grasshoppers – Wiler-Ersigen 9:8 (2:2,
5:3, 1:3, 1:0)
Saalsporthalle, Zürich – 1920 Zuschauer
SR: Baumgartner / Kläsi
Tore: 8. (7.10) Thorsell (M. Hofbauer) 0:1, 9. (8.32) Korhonen (Jihde)
1:1, 11. M. Hofbauer (C. Hofbauer) 1:2, 17. Jihde 2:2, 24. Jihde (Bachmann) 3:2,
31. (30.00) Jihde (Riedel) 4:2, 32. (31.06) Jihde (Ogg) 5:2, 32. (31.12) Riedel
(Battaglia) 6:2, 33. (32.07) A. Zimmermann (C. Hofbauer) 6:3, 34. (33.07) Nabold
(A. Helbling) 7:3, 35. (34.07) Thorsell 7:4, 40. (39.08) Hedlund (Ausschluss
Gerber!) 7:5, 42. A. Zimmermann 7:6, 44.(43.48) Thorsell (A.
Zimmermann/Ausschluss U. Helbling) 7:7, 45. (44.07) Jihde (Ausschluss U.
Helbling) 8:7, 50. Gerber (A. Zimmermann) 8:8, 67. Walser (Bachmann) 9:8
Strafen: GC Unihockey 1x2' plus 1x5' (U. Helbling), Wiler-Ersigen 2x2'
GC: Wolf, Ogg, U. Helbling; Battaglia, A. Helbling; Osman; Tschopp,
Bachmann, Jihde; Riedel, Korhonen; Walser, Nabold, Kern; Maffioletti
Wiler-Ersigen: Kellenberger; Thorsell, Flury; Bichsel, Kaltenbrunner;
Schild, Schneeberger; M. Hofbauer, C. Hofbauer, A. Zimmermann; Gerber, Hedlund,
Zurflüh; Mühlethaler, Rüegsegger, Krähenbühl
Bemerkungen: GC ohne Cernela (verletzt), Wiler-Ersigen ohne Keller,
Streit (verletzt), D. Zimmermann (überzählig); 32. Time-out Wiler-Ersigen, 36.
Lattenschuss A. Zimmermann
Best Players: Jihde / Thorsell