19.
03.
2018
NLA Männer | Autor: HC Rychenberg Winterthur

Rychenberg zu wenig zwingend

Der HC Rychenberg verliert das von den Defensivreihen dominierte erste Halbfinalspiel gegen den Titelverteidiger Wiler-Ersigen vor 1243 Zuschauern mit 0:3. Die Entscheidung fällt zwei Minuten vor dem Schlusspfiff mit dem 0:2.

Der Auftakt in die Halbfinalserie zwischen dem HC Rychenberg und dem SV Wiler-Ersigen bescherte dem Publikum ein so ganz anderes Spiel, als es im Viertelfinal die fünf gegen Langnau gewesen waren. War das Geschehen gegen die Emmentaler von viel Tordrang und einer grossen Zahl aussichtsreicher Torchancen geprägt gewesen, überwogen diesmal auf beiden Seiten der geduldige Spielaufbau, die Kontrolle und die defensive Absicherung.

«Beide Mannschaften trachteten danach, möglichst keine Fehler zu machen», erklärte HCR-Trainer Rolf Kern die beiderseitige Zurückhaltung. Besonders ausgeprägt war diese Marschrichtung im Duell der ersten Formationen zu erkennen. Den Bernern schien es vom Anpfiff an einzig darum zu gehen, Rychenbergs formstarke Linie um Captain Nils Conrad vom Ball fern zu halten und so ein Patt zu erwirken, was im ersten Einsatz vollumfänglich und später immer wieder gelang.

Die Defensive sticht die Offensive aus
Dass beide Teams sehr taktisch und in der Abwehr sehr konzentriert zu Werke gingen, hatte zur Folge, dass das Publikum während der gesamten sechzig Minuten nur sehr wenige prickelnde Torszenen zu sehen bekam. Ein Vordringen in die besten Abschlusspositionen war auf beiden Seiten ausgesprochen schwierig und die diversen Distanzschüsse blieben entweder in der vielbeinigen Verteidigung hängen oder wurden eine sichere Beute der beiden überzeugenden Torhüter.

Wiler stellte hierbei eindrücklich unter Beweis, weshalb es in der Qualifikation defensiv die klare Nummer 1 gewesen war. Die Berner stellten die Passwege erfolgreich zu, unter anderem jene auf den fliegenden Verteidiger Conrad, beherrschten ihren Slot in beeindruckender Manier und entschärften mit ihrer Blockarbeit so manchen Rychenberger Distanzschuss. Auf der anderen Seite zeigten freilich auch die Winterthurer, dass sie inzwischen mit vergleichbaren Qualitäten hinten gut dicht zu machen verstehen. «Unsere Abwehr hielt sich gut», lobte Kern das Verhalten seines Teams vor dem eigenen Tor. «Auch Wiler besass so gut wie keine Chancen.»

Wenig überraschend hatte er indes weniger Freude am eigenen Offensivspiel. Dass die Null bis zum Schlusspfiff stehen blieb, begründete er in erster Linie mit eigenem Verschulden. Wiler habe beileibe nicht schlecht verteidigte, seine Spieler hätten allerdings auch zu wenig zwingend und, ganz besonders im ersten Drittel, zu wenig mutig agiert. «Wir hatten uns einen Plan zurechtgelegt, wie wir zu Chancen kommen können, und besassen auch die eine oder andere. Doch insgesamt setzten wir ihn zu wenig gut um. In den nächsten Spielen müssen wir uns darin deutlich steigern.»

Das Öffnen wird bestraft
Das Spiel lebte in den Augen der Zuschauer primär von der nie nachlassenden Spannung und in jenen der Trainer vom taktisch wie physisch konsequenten Abwehrverhalten beider Teams. In der Schlussphase wurde den Winterthurern dann aber zum Verhängnis, dass sie in der 18. Minute mit 0:1 ins Hintertreffen geraten waren und diesen Malus bis in die Schlussphase hinein nicht hatten wettmachen können. Die verheissungsvollsten Möglichkeiten zum Ausgleich hatten bis dahin Michel Wöcke in der 28. Minute sowie fünf Minuten später Mikko Hautaniemi, Moritz Schaub und Pascal Kern innert weniger Augenblicke ausgelassen.

Rolf Kerns sah sich darum in der Schlussphase gezwungen, sein Team entschieden mehr Risiken eingehen zu lassen. Drei gute Ausgleichschancen erarbeitete sich der HCR durch die offensivere Ausrichtung, doch es gelang den Gästen mit vereinten Kräften, das 1:1 zu verhindern. Und als Kern für die letzten gut drei Minuten den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzte, dauerte es nicht lange und Wiler hatte mit zwei Toren die Entscheidung herbeigeführt. Darob ärgern musste sich Kern nicht: «Hätten wir nicht geöffnet, wäre die Partie 0:1 ausgegangen. Ob wir nun aber mit 0:1 oder 0:3 verloren, machte keinen Unterschied.» Ein Torverhältnis gibt es in den Playoffs nunmal nicht.



HC Rychenberg Winterthur - SV Wiler-Ersigen 0:3 (0:1, 0:0, 0:2)
Eulachhalle 1 Winterthur
Schiedsrichter: Hürzeler/Peter
1240 Zuschauer
Rychenberg: Gruber; Conrad, Sundstedt; Gutknecht, Aeschimann; Huser; Hautaniemi, Wöcke, Holtz; Kern, Koskelainen, Schaub; Lutz, Grunder, Schwerzmann.
Wiler: Wolf; Bürki, Wittwer; Väänänen, Bischofberger; Tobias Känzig, Sesulka; Rentsch, Hofbauer, Louis (54. Krähenbühl); Deny Känzig, Mutter, Johnsson; Alder, Laubscher, Pritzbuer.
Tore: 18. Pritzbuer (Laubscher) 0:1. 59. (58:00) Deny Känzig (Mutter) 0:2. 59. (58:59) Deny Känzig (ins leere Tor) 0:3.
Strafen: keine.
Bemerkungen: Rychenberg ohne Borth (auf Reisen), Baumer, Niiranen (verletzt), Weder (abwesend), Haag, Lutz und Schüpbach (Ersatz), dafür mit Aeschimann und Lutz (U21). Wiler ohne Mendelin (abwesend), Affolter, Hollenstein, Meister und Reich (Ersatz). Rychenberg mit drei Linien (Doppeleinsätze Sundstedt), ab der 45. Minute mit zwei Linien. Wiler mit drei, ab der 57. Minute mit zwei Linien. 56:55 Time-out Rychenberg. Rychenberg ab 56:55 in Ballbesitz mit einem zusätzlichen Feldspieler anstelle des Torhüters. Gruber und Väänänen als beste Spieler ihrer Mannschaft ausgezeichnet.

 

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